Paul W. S. Anderson lässt Pompeji untergehen. Mit 3D-Effekten und eindimensionalen Leinwandhelden.
Genauer erläutert liest sich der Plot des Films wie folgt: «Pompeii 3D» spielt in den letzten Tagen des blühenden Pompeji vor dem Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus. Der Sklave Milo (Kit Harington) wird in die malerische Hafenstadt verfrachtet, um dort als Gladiator zu kämpfen. Auf dem Weg dorthin lernt er die junge Cassia (Emily Browning) kennen und lieben, deren Vater über die Stadt regiert und sich gerade in schwierigen Verhandlungen mit dem launischen Senator Corvus (Kiefer Sutherland) befindet. Während Cassia, ihr Vater und Corvus in den Villen Pompejis Machtspiele treiben, schafft sich Milo während eines Trainingskampfes einen neuen Erzfeind: Den jahrelangen, erfolgsverwöhnten Gladiatorenkämpfer Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje), den nur noch ein einziger Sieg von der Freilassung trennt ...
«Pompeii 3D» kennt aber weder den kuriosen Verzicht auf Inhalt, der die wilderen «Resident Evil»-Filme ausmacht, noch den aufgedrehten, furios zelebrierten Stumpfsinn von «Die drei Musketiere 3D». Die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Milo? Vollkommen unterentwickelt und anhand von flachen Dialoge vorangetrieben. Dennoch drücken die Autoren Janet Scott & Lee Batchler und Michael Robert Johnson in längeren, ruhigen Momenten schwerfällig auf die Tränendrüsen. Somit funktioniert der Romantiksubplot weder als seichter Kitsch, noch als unfreiwillig amüsantes „Guilty Pleasure“. Viel mehr ist er ein Bremsklotz, der dem mit 105 Minuten Laufzeit gar nicht einmal so langen Katastrophenfilm viel Dynamik raubt. Kiefer Sutherlands Darbietung als arroganter Senator? Dick aufgetragen, nicht aber mit so ansteckender Freude wie Orlando Blooms extravaganter Schurke in «Die drei Musketiere 3D». Adewale Akinnuoye-Agbaje in der Rolle des Ehrfurcht gebietenden Gladiatoren Atticus? Trocken, solide, von Andersons pathetischer Inszenierung untergraben, aber zu arm an heldenhaften Momenten, als dass die überdrehte Regieführung den heimlichen Helden dieses Films in eine kurzweilig-trashige Richtung schieben könnte.
Da die Charaktermomente weder nüchtern betrachtet unterhalten, noch ungewollt lustig ausfallen, bleiben allein die Actionsequenzen über, die «Pompeii 3D» sehenswert machen könnten. Angesichts dessen, dass Paul W. S. Anderson allerhand Erfahrung mit 3D-Effekten hat, wäre es auch nicht vermessen, von diesem Gladiatoren-Katastrophenfilm ein visuelles Spektakel zu erwarten. Aber weit gefehlt: Die Scharmützel der Gladiatoren sind weder beeindruckend rasant, noch stylisch, sondern überraschend behäbig sowie äußerst blutarm. Die dritte Dimension kommt in den eher zurückhaltend eingefangenen Kämpfen auch nicht zur Geltung, während der Qualm in den Zerstörungssequenzen dem Bild wenigstens eine ansehnliche Plastizität verleiht. Trotzdem gerät die vom Vesuv ausgelöste Zerstörungsorgie weder atmosphärisch (dafür wird die Bedrohung nicht plausibel genug geschildert), noch aufregend – da hätte es originellere Einfälle oder spektakulärere Effekte gebraucht.• Die drei Musketiere 3D • Gladiator • Pompeii 3D • Resident Evil • Resident Evil: Retribution • Retribution • Titanic
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