"Wie Tarantino auf rumänisch": Der Arthousekrimi «Killing Time» wehrt sich gegen die konventionellen Sehgewohnheiten des deutschen Kinopublikums.
Florin Piersic Jr., der nicht nur Regie führte sondern auch das Drehbuch schrieb, entschied sich bei der Inszenierung seines Films für die maximale Reduktion. Der Regisseur unterteilt seinen neunzigminütigen Streifen in verschiedene Kapitel, alle chronologisch zu jeweils anderer Tageszeit spielend. Nach kurzer Einblendung der Uhrzeit stellt die nachfolgende Handlung zumeist einen Dialog zwischen den beiden Hauptfiguren dar, wobei die Kamera in jeder Szene fast ausschließlich einen einzigen Standort beibehält. So klebt sie meistens an den Lippen des Redenden und bewegt sich nur selten durch die nahezu einzige Kulisse der kleinen Wohnung. Das ist experimentell und ganz gewiss nicht mainstreamtauglich, entwickelt mit der Zeit dennoch eine äußerst bedrohliche Atmosphäre. Die geschliffenen Dialoge, die nach und nach die Charaktere formen, offenbaren dem Publikum rasch, dass es Zeuge einer nahenden Katastrophe wird. Aus der Kameraperspektive eines Beobachters wird der Zuschauer zum Voyeur, der den Protagonisten direkt über die Schulter schaut, mit ihnen auf dem Sofa hockt oder auf der Rückbank des Autos sitzt. Unterstützt wird diese Herangehensweise von der an Found Footage erinnernden Bildsprache, die gänzlich auf Farbfilter, Hochglanzlook oder anderweitige künstlerische Stilmittel verzichtet. Wo die Debüt-Arbeit von Kameramann Christian Stan zunächst fast amateurhaft und keinem bestimmten Schema folgend anmutet, entpuppt sich diese Form der Szeneriebeobachtung schon bald als äußerst wirksam, um die Stimmung auf unverfälschte Weise einzufangen.
Während sich das Publikum zu Beginn noch durch den einen oder anderen langatmigen Dialogabschnitt hindurchkämpfen muss, nimmt die Schlagzahl an Zweideutigkeiten mit der Zeit deutlich zu. Dem Leitsatz „In der Ruhe liegt die Kraft“ folgend, konzentriert sich Florin Piersic Jr. bei der Ausarbeitung seiner Dialoge immer wieder auf die Stärken und Schwächen seiner Hauptfiguren, bis diese irgendwann offenlegen, mit welcher Art Mensch man es als Zuschauer tatsächlich zu tun hat. Wie bei einer Zwiebel legt der Regisseur Schicht für Schicht seiner beiden Killer frei, bis sich beide schließlich geistig entblößt gegenüber stehen. So ist «Killing Time» nihilistischer Thriller und Charakterstudie zugleich; Florin Piersic Jr. und Cristian Gutau («Fix Alert») wissen diesen schwierigen Genremix dabei gekonnt zu meistern.
Vor allem gen Ende geht es in «Killing Time – Zeit zu sterben» äußerst blutig zu. Zwar stell Florin Piersic Jr. die ausführende Gewalt nicht effekthascherisch zur Schau, sondern besinnt sich auch hier auf die Bodenständigkeit der Prämisse. Dennoch entpuppt sich vor allem der finale Akt als ein einziger nihilistischer Exzess. Das tut trotz der Reduktion auf das Nötigste und das Weglassen von Effekten schon beim Hinschauen weh und offenbart dabei die Raffinesse des Drehbuchs. Dank dessen Konsequenz und Genauigkeit in der Beobachtung geht dem Publikum das Schicksal sämtlicher Beteiligter zu Herzen. Und das, obwohl die beiden Hauptdarsteller doch ganz klar entgegen klassischer Protagonisten-Grundsätze angelegt sind. Ein Fest für Cineasten!• Cele ce plutesc • Fix Alert • Killing Time • Killing Time – Zeit zu sterben • Reservoir Dogs • WebSiteStory • Zeit zu sterben
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)