Rob Vegas

Sein bestes Rennen

von

Dieter Hallervorden im Kino? Muss man sich so einen Film wirklich ansehen? Dazu noch eine deutsche Produktion? Und was hat überhaupt Beckmann damit zu tun?

«Castle» vs. «Elementary»

  • «Castle»: 2,20 Mio. (7,4% / 9,1%)
  • «Elem.»: 2,07 Mio. (6,9% / 9,0%)
Durchschnittswerte aller acht «Castle»- bzw. der ersten drei «Elementary»-Episoden auf dem Sendeplatz um 21:15 Uhr.
Diese Woche war ich im Kino. Vielmehr wollte ich unbedingt ins Kino und diesen Film mit Dieter Hallervorden sehen. «Sein Letztes Rennen» heißt der Streifen und der Trailer machte Lust auf mehr. Worum es im Film geht? Dieter Hallervorden spielt Sportler-Legende Paul Averhoff und muss mit seiner Frau ins Heim. Heike Makatsch kann als Filmtochter nicht mehr immer vorbeischauen und hat immerhin selbst auch ein Leben zu leben.

Die Geschichte ist hierbei nicht tiefgründig. Alte Menschen kommen ins Heim und Paul Averhoff will es noch einmal wissen. Einmal noch am Berliner Marathon teilnehmen und nicht zwischen Bastelstunde und Gottesdienst versauern. Der Film tut aber gut daran, diese Basis einfach zu halten. Normalerweise hätte Heike Makatsch bei deutschen Regisseuren jetzt schon eine heimliche Stiefschwester und Paul Averhoff wäre sicher mit Til Schweiger verwandt. Stattdessen wird einfach auf die Charaktere gegangen. Wie fühlt sich Paul mit seiner Frau im Heim? Wie leiden die Charaktere? Wie absurd ist diese Welt? Der Zuschauer identifiziert sich einfach sehr schnell mit dieser Figur und würde sich wohl selbst schnell wie Paul fühlen.



Ich will zum Film nicht allzu viel verraten. Er ist absolut sehenswert und keine normale Komödie. Vielmehr wirkt Dieter Hallervorden einfach unheimlich sympathisch auf das Publikum. Man fühlt mit ihm und allein sein Gesicht erzählt viele Dialoge ohne Text. Dazu spielt Tatja Seibt die Rolle seiner Frau mehr als hervorragend. Für ihre Rolle hätte sie bei mir schon einen Oscar erhalten. Selten wirkte ein Filmpaar so echt und vertraut miteinander. Dazu kommt halt der Humor. Die ersten zwanzig Minuten sind einfach grandios und die Gags herrlich umgesetzt.

Was mich als Zuschauer gestört hat? Irgendwann verlässt der Film sehr abrupt seine kleine Basis. Mittendrin taucht auf einmal etwas unlogisch ARD-Moderator Beckmann auf. Es wird innerhalb der Geschichte mit einem Satz erklärt. Hier bricht der Film aber auf einmal komplett in die deutsche TV-Welt und macht sich damit kleiner als er ist. Da löst man ein Problem im Drehbuch über einen Auftritt in einer deutschen TV-Show. Für mich ein Minuspunkt, denn man hätte die Situation auch über die Charaktere im Heim lösen können. Warum? Der ganze Film spielt mehr oder minder in diesem Heim. Die Beziehungen der einzelnen Figuren sind extrem lustig und gut gespielt. Hier hätte man nicht den Show-Faktor einbauen müssen. Hat auf mich eher störend gewirkt.

Warum man sich «Sein letztes Rennen» ansehen sollte? Weil Dieter Hallervorden einfach einen extrem schönen Film gedreht hat. Weil die Schauspieler alle toll aufspielen und der ganze Film ein hohes Maß an Witz und Menschlichkeit besitzt. Man lacht, weint und fiebert zum letzten Rennen mit. Ganz ohne Til Schweiger und abstruser Geschichte. Sie werden den Kinoeintritt nicht bereuen.

Kurz-URL: qmde.de/66715
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelDie Kritiker: «Mord in den Dünen»nächster ArtikelPopcorn und Rollenwechsel: Disneys «Saw»
Weitere Neuigkeiten

Optionen

Drucken Merken Leserbrief



Heute für Sie im Dienst: Fabian Riedner

E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung