Die Kritiker

«Die Blender»

von

Im TVLab-Format «Die Blender» blödeln Tahnee Schaffarczyk und Bastian Bielendorfer mit versteckter Kamera herum.

Inhalt


Schauspielerfahrung hilft in jedem Fall. Aber im Quatsch machen bin ich auch privat ganz gut. Endlich ist das mal von Vorteil.
Tahnee Schaffarczyk über «Die Blender»
Die Jungcomedians Tahnee Schaffarczyk und Bastian Bielendorfer haben Spaß daran, Leute so richtig hinters Licht zu führen – und sich dabei auch selbst vor immense Herausforderungen zu stellen. Daher denken sie sich abgedrehte Rollen aus, die sie von (teils versteckten) Kameras begleitet in aller Öffentlichkeit überzeugend zum Leben erwecken müssen. In der Pilotfolge schlüpft Tahnee in die Rolle der (voll und ganz fiktiven) Halbschwester des US-Teeniestars Selena Gomez, unterdessen rennt Bastian als extrovertierter Aktionskünstler durch Köln. Die Aufgabe ist klar: Es geht darum, wer von den beiden der bessere Blender ist und erfolgreicher seine neue Identität auslebt. Schlussendlich steht bei diesem Wettbewerb jedoch der reine Spaß am übertriebenen Schauspiel im Vordergrund – wie verrückt können sich Tahnee und Bastian aufführen, ohne aufzufliegen?

Kritik


Spielvarianten des Showklassikers «Versteckte Kamera» gibt es wie Sand am Meer, weshalb ein klar umrissenes Konzept für neue Vertreter dieses Subgenres stets hilfreich ist. Durch das TVLab-Format «Die Blender» weht ein Hauch von «Die Comedy-Falle» und «Comedystreet»: Zwei Komödianten schlüpfen in (selbst ausgedachte) Rollen (frei nach Kai Pflaumes Sat.1-Unterhaltungsshow) und foppen in Gestalt dieser abgedrehten Figuren am laufenden Band ahnungslose Passanten (Simon Gosejohanns «Comedystreet» lässt grüßen). Das Tempo des knapp halbstündigen Neulings im Subgenre der Reinlegeshows ist dabei deutlich gemächlicher als beim anarchischen ProSieben-Format von Eltons Dauerrivalen Simon, aufgrund der Vielzahl der Begegnungen zwischen den chargierenden Comedians und den perplexen Passanten hat «Die Blender» aber mehr Schwung als die meisten anderen Shows ähnlicher Art.

Humoristisch fährt «Die Blender» zweigleisig: Leben manche «Verstecke Kamera»-Ableger von den abstrusen Aktionen der Reinlegenden und andere von den geschockten oder verwirrten Reaktionen der Opfer, bedient sich dieser TVLab-Kandidat an beiden Grundideen. Mal hält die Kamera fast ausschließlich auf Tahnee, die als arroganter US-Star ihren (eingeweihten) Assistenten wegen der geringen Größe eines Eisbechers ausschimpft, andere Male werden in aller Ruhe die gelangweilten und überforderten Gesichter der Zeugen von Bastians Kunstperformance abgefilmt. Ganz rund ist dieses Konzept nicht und das rasantere «Comedystreet» hat diesen Spagat dank seiner zügigen Inszenierung besser hinbekommen, dafür werden die Streiche der beiden Protagonisten durch diese dauernden Wechsel nicht so schnell alt, wie es bei einem einseitigen Fokus zu befürchten stünde.

Konzepte wie «Die Blender» stehen und fallen natürlich mit den Rollen der Hauptakteure sowie mit den Situationen, die sich beim Dreh ergeben. Der Pilot gelangt schon früh zu seinem Höhepunkt, nämlich als Tahnees Auftritt als affektierte Schrulle wie aus dem Nichts professionelle Paparazzi anlockt, obwohl sie sich nur als die bislang unbekannte Halbschwester eines US-Sternchens ausgibt. Diesen wohligen Beigeschmack einer Realsatire kann etwa Bastians Kunstperformance, von der sich die Macher offensichtlich ähnliche Reaktionen erhofften wie von Hape Kerkelings legendärer „Hurz!“-Aktion, nicht erreichen. Selbstredend sind Juwelen wie der besagte Kerkeling-Klassiker nicht der Maßstab, an dem sich jedes neue Streicheformat messen lassen muss. Wenn aber so auffällige Parallelen angestrebt werden, fällt das Scheitern stärker auf als bei harmlosen Blödeleien in der Kölner Innenstadt. Diese sind Bastian und Tahnee im Mittelteil von «Die Blender» recht amüsant gelungen, wobei es ihren Aktionen an einer klaren Linie fehlt, durch die «Die Blender» sonst an Profil gewinnen könnte: Sie sind weder skurril, noch frech, noch bleibt der anfangs angedeutete Selbstanspruch, besonders überzeugend zu sein, durchgehend zu spüren.

Was den beiden Blendern jedoch nicht abzusprechen ist, sind eine große Spielfreude und auch eine gute Chemie untereinander. Die raren Momente, in denen Tahnee und Bastian interagieren (seien es die An- und Abmoderation oder auch gelegentliche Begleitkommentare zum gezeigten Bildmaterial), geben der Sendung eine charmante Erdung und helfen zudem, die beiden Frechdachse hinter den Masken besser einzuordnen.

Enttäuschend bleibt derweil die niedrige Fallhöhe – will ein Simon Gosejohann sein Umfeld schocken und wollen die Akteure in «Verstehen Sie Spaß?» ein Opfer völlig verwirren oder gar zur Weißglut bringen, ist «Die Blender» in seiner TVLab-Inkarnation eher ziellos. Dabei ist durch die Grundkonstellation (zwei Comedians beweisen sich darin, wie gut sie blenden können) ein simples, doch effektives Mittel gegeben, die Spannungskurve zu steigern: Sollten die Blender auch nach dem TVLab durchs Land ziehen, wäre es interessant zu sehen, wie sie sich schlagen, wenn sie sich nicht selbst ihre Rolle ausdenken, sondern sie von ihrem Mitstreiter auferlegt bekommen.

ZDFneo zeigt «Die Blender» am Dienstag, dem 27. August, um 22.30 Uhr im Rahmen des TVLab 2013.

Kurz-URL: qmde.de/65743
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