Schlüter sieht's

«Schlüter sieht's»: Dreimal Schmidt?

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Gerade wegen eher schwacher Quoten sollte Harald Schmidt bald dreimal auf Sendung gehen.

In der ersten Sendewoche konnte Sat.1 mit den Einschaltquoten der neuen, alten «Harald Schmidt Show» noch sehr zufrieden sein: Bis zu 16 Prozent Marktanteil wurden in der werberelevanten Zielgruppe erreicht. In den vergangenen beiden Wochen fiel der Late-Night-Entertainer dann aber auf teils deutlich einstellige Werte ab und rangiert unter Senderschnitt, wenn nicht gerade die UEFA Champions League im Vorprogramm hilft. Sicher sind solche Quoten mittelfristig kein Problem, da Sat.1 zuletzt bei vielen Sendungen einen langen Atem bewiesen hat. Und es kommt hinzu, dass sich Werbung für Schmidts Show aufgrund seines Images und der starken Marke besser verkaufen lässt als für andere Programme mit ähnlichem Marktanteil. Dies zeigen auch die zwei (!) Sponsoren, die das Format begleiten.

Und dennoch wären Sat.1 und Schmidt nur langfristig zufrieden, wenn er wieder regelmäßig Marktanteile über dem Senderschnitt einfährt sowie mehr als eine Million Zuschauer erreicht. Wie dies unter anderem geschehen soll, wird in den ersten Sendungen inhaltlich deutlich: Mit Butler Markus, nun bereits zwei Gastauftritten von Olli Dittrich und anderen festen Ankerpunkten wie „Ferien-Harry“ will man klassische Zuschauerbindung betreiben. Dass dies noch nicht wirklich funktioniert, ist nicht verwunderlich – auch Manuel Andrack war in seiner Anfangszeit als Sidekick unbeliebt, erwies sich danach aber als konzeptueller Glücksgriff, mit dem die Schmidt-Quoten erst stiegen. Inwiefern Butler Markus sich als regelmäßiger Sidekick eignet, wird sich noch herausstellen müssen – bisher ist er unbeliebt wie Andrack in seinen ersten Sendungen und konnte sich noch nicht profilieren.

Gerade aber weil langfristige Erfolge in einer Late-Night-Show nur über Zuschauerbindung mittels regelmäßiger, beliebter Elemente (wie damals eben Andrack) führen, müsste «Die Harald Schmidt Show» mindestens dreimal pro Woche auf Sendung gehen. Diesen Wunsch hatte der Entertainer schon vor dem Sat.1-Start auch in diversen Interviews persönlich geäußert. Denn jetzt, wo es wirklich um die Quote geht, muss Schmidt die ihm bekannten Mittel anwenden und regelmäßige Elemente in seiner Show wirklich regelmäßig zu den Zuschauern transportieren – denn aktuell hat dieser bereits fast vergessen, was am Mittwoch in der Vorwoche passiert war, wenn am Dienstag die nächste Sendung ausgestrahlt wird. Unter aktuellen Bedingungen funktionieren Elemente wie der Butler als Sidekick nicht und können auch nicht konstant aufgebaut werden, wenn zwischen zwei Sendungen sechs Tage Pause liegen.

Sat.1 und Schmidt werden sich – wohl auch zunächst unabhängig von den Quoten – überlegen, wie eine dritte Show zustande kommen kann. Als Sendetage böten sich der Montag und der Donnerstag an. Am Montag könnte Schmidt auf Sendung gehen, wenn der Polit-Talk «Eins gegen Eins» eingestellt würde. Es hängt nun von dessen Einschaltquoten in den kommenden Wochen und Monaten ab, ob das ambitionierte Projekt auch im nächsten Jahr eine Zukunft hat. Auf dem Donnerstags-Sendeplatz moderiert Johannes B. Kerner, der zuletzt signalisierte, sein Format in dieser Form nicht zwingend weiterführen zu müssen. Entweder bereitet er einen kompletten Abgang von Sat.1 (womit der Sendeplatz für Schmidt ohnehin freiwürde) vor oder er bastelt am Konzept: Beispielsweise für eine «Kerner»-Show, die nur noch bis 23.15 Uhr sendet – und dann ein gutes Lead-In für «Die Harald Schmidt Show» wäre.

Jan Schlüters Branchenkommentar beleuchtet das TV-Business von einer etwas anderen Seite und gibt neue Denkanstöße, um die Fernsehwelt ein wenig klarer zu sehen. Eine neue Ausgabe gibt es jeden Donnerstag nur auf Quotenmeter.de.

Kurz-URL: qmde.de/52458
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