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«Let’s Dance»: Die Tanzshow, die Helden macht

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«Let’s Dance» tanzt alle aus: Die RTL-Tanzshow lockt die Zuschauer in Massen. Quotenmeter.de-Redakteur Jürgen Kirsch war bei der fünften Show dabei.

Den Show-Mittwoch hatte «Let’s Dance» gewissermaßen mit einer Leichtigkeit in der Hüfte gewonnen (wir berichteten), wie sie von den Juroren der RTL-Sendung von den Kandidaten gleich mehrmals gefordert wurde. Nicht einmal das spanische Pokalfinale zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona kam gegen «Let’s Dance» an. Clever hatten die Macher der Sendung, die übrigens von der Produktionsfirma Granada hergestellt wird, die spanischen Paso-Doble-Tänze und Samba dagegen gesetzt. Doch das Erfolgsrezept ist ein anderes: «Let’s Dance» ist alles andere als unbeweglich und steif. Eine flotte Unterhaltungsshow. Da stört es auch nicht weiter, dass die Prominenten ihren Tanzpartner die einen oder anderen Schwierigkeiten bereiten und womöglich einfach nur gesehen werden wollen. Denn wie schon bei «Ich bin ein Star – holt mich hier raus!» gelingt es der Produktion von Granada mehr aus den Prominenten zu machen. Zwar sind die Moderatoren Daniel Hartwich und Sylvie van der Vaart gar nicht so bissig wie Sonja Zietlow und Dirk Bach im Dschungelcamp, doch mit Wortwitz, Ironie und ein paar Sticheleien können auch sie hantieren. Die erfrischende Moderation trägt zum Gelingen der Show bei. Doch viel wichtiger ist die richtige Inszenierung der Tanzshow.

Auf dem Tanzparkett im eher kleinen Studio des Kölner Coloneums werden die Stars zu tanzenden Helden gemacht. Als Schauspieler Moritz A. Sachs mit seiner Tanzpartnerin Melissa Oritz-Gomez zum Titel „That’s The Way I Like It“ das Tanzbein schwingt und einen flotten Samba zum Auftakt zelebriert, hat das Publikum im Studio wie auch der Zuschauer zu Hause zuvor gesehen, wie sehr Sachs in den letzten sieben Tagen im Training gelitten hat. Die Querelen hat er hinter sich gebracht und eine ordentliche Performance geboten, die der Jury satte 26 Punkte abringt. Das Mitgefühl beim Zuschauer ist geweckt. Auch wenn sein blaues Outfit, das seinen – wie Juror Llambi sagt – „Schnitzelfriedhof“ vollends zur Geltung bringt, eher unvorteilhaft war. Fast schon drollig sah sein Auftritt auf dem Tanzparkett aus. Die Zuschauer danken es mit Standing Ovation. Ein gutes Beispiel ist «GZSZ»-Star Jörn Schölnvoigt, der nicht müde wird, dass er in der letzten Show nur wegen fünf Anrufen mehr weitergekommen ist. Fast so als könne er sein Glück auch sieben Tage später noch nicht fassen. Das ist aber dann aufgebraucht. Mit seiner Partnerin Helena Kaschurow legt er keine gute Performance hin, als er zu „Bring Me To Life“ einen spanischen Paso Doble tanzt. Den Stierkampf hätte er gewonnen, sagt die Jury, doch nur weil der Stier vor Lachen umgefallen wäre. Schon hat die RTL-Show ihren tragischen Helden, der mit insgesamt nur 18 Punkten ein Gegenbeispiel zu Moritz A. Sachs darstellt. Die erste Werbepause wird eingeläutet – zu einem ganz passenden Zeitpunkt.

Doch rasant geht es auch im zweiten Teil der Show weiter. Bei «Let’s Dance» gibt es eben keine Atempause. Die hätte Bernd Herzsprung nötig gehabt. Der Schauspieler schnaubt schon im Training nach Luft, ist auch seine Tanzpartnerin Nina Uszkureit müde geworden, die den alten Mann versucht voranzutreiben. Dialoge wieder dieser beflügeln die Unterhaltung in einer Show wie «Let’s Dance»: „Schau mich an dabei“ – „Ich kann dich nicht mehr sehen“, faucht Herzsprung seine Tanzpartnerin an. Ein Schmunzeln kann man sich nicht verkneifen und weiß, dass es jetzt spannend werden könnte. Ein Grund für viele Zuschauer dranzubleiben, auch wenn der brasilianische „Aquareala do Brazil“-Tanz im Großen und Ganzen nicht von den Socken haut. Das Tanzpaar ist dann doch zu gewöhnlich und kriegt in Strebermanier von der Jury gute 25 Punkte, doch sind dies eben keine Sympathiepunkte beim Publikum. Die sammelt aber „Der Checker“ – vor allem bei seinen Fans, die ihn schon zu seinen «DSDS»-Zeiten mochten. Thomas Karagolan tanzt einfach aus der Reihe, zickt beim Training mit Sarah Latton herum und stellt sich bockig. Zudem ist er trainingsfaul. Die professionelle Tanzpartnerin ist kurz davor alles hinzuwerfen. „Ich kann den Tanz doch“, tönt der „Checker“ und will das Training beenden. Auf dem «Let’s Dance»-Parkett beweist er das Gegenteil und erntet nur Giftpfeile der Jury: Magere 18 Punkte und der Abschied droht. Völlig unbemerkt hat «Let’s Dance» damit eine gewisse Dramatik erhalten, die sich fortan dynamisch durch die Sendung zieht.

Es ist ein stetiger Gefühlswechsel im Studio zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, der durch Mitgefühl und Betroffenheit, aber vor allem auch durch Begeisterung für gute Auftritte erzeugt wird. Solche zum Beispiel wie den von Maite Kelly, die mit Christian Polanc „Habanera“, wie ihr Vorgänger einen Paso Doble, tanzt. Die Jury ist voll des Lobes und abermals gibt es Standing Ovation. Zweimal zehn Punkte von Harald Glööckler und Juror-Kollege Frieling, sprechen Bände. 34 Punkte sind es dann insgesamt – der Sieg sowie das Weiterkommen gesichert. Maite Kelly ist die Heldin der Stunde von «Let’s Dance» und ist unter den letzten fünf Tanzpaaren sicher eine Favoritin. Sogar der strengste Juror Joachim Llambi gibt 6 Punkte – er wächst dabei selbst über sich hinaus: Hat er schon einmal mehr Punkte vergeben? Zu Beobachten sind ohnehin zwei Lager in der Jury, die zwischenzeitlich auch schon mal gegeneinander sticheln: Der Neue, Frieling, und Glööckler sind dabei die von den Kandidaten als die „Netten“ gemochten Bewerter, die auch mal hohe Punktzahlen geben. Etwas kritischer ist Jurorin Motsi Mabuse, am strengsten sowieso Llambi. Letzterer ist so etwas wie Dieter Bohlen bei «DSDS». Fachlich sicherlich kompetent und auf der Höhe, doch in der oft nicht wenigen Kritik sehr direkt, hart und wenig einfühlsam. Dann fließen auch mal Tränen wie bei Kristina Bach, die in der vierten Show niedergemacht wurde. Wegen eines Bandscheibenvorfalls ist sie nicht mehr dabei. RTL zeigt die ganze Geschichte noch einmal via Einspieler, in dem die RTL-Kameras den Vorfall glücklicherweise einfangen konnten, und sensibilisiert den Zuseher. Bach sitzt zudem im Publikum, will im Finale vielleicht nochmal tanzen, wenn es der Arzt erlaubt. Irgendwie auch eine Heldin.

Für sie kommt Liliana Matthäus mit ihrem Tanzpartner Massimo Sinató zurück. In der letzten Woche noch rausgeflogen, will sie ihre zweite Chance nutzen. In nur zwei Tagen hat sie einen Paso Doble zu „Wonderful Life“ auf die Beine bekommen. Den spanischen Tanz zelebriert das Paar so gut, dass es von der Jury viel Lob gibt. Ein gelungenes Comeback mit stolzen 26 Punkten. Doch jetzt hat die Abstimmphase begonnen. Die Zuschauer haben die Qual der Wahl. Dass die Entscheidungsshow direkt an die eigentliche Show angeschlossen wird und beide quasi ineinander über gehen, ist ein großer Vorteil, denn so bleibt das flotte Tempo halbwegs erhalten. Die Spannung darum, wer nun gehen muss, wird auch nicht auf die Spitze getrieben, üben sich Hartwich und van der Vaart nicht in einer Schreyl-typischen Verkündung. Die braucht es auch nicht, denn auch so hat man es geschafft das Interesse des Zuschauers zu wecken. Etwas überraschend ist dann doch, dass Bernd Herzsprung gehen muss. Der „Checker“ und Liliana Matthäus zittern sich weiter. Und neue Helden sind geboren.

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