Ohne Mexiko wäre die heutige Kinolandschaft wohl um einiges ärmer, stammen doch gleich drei der derzeit visionärsten Regisseure aus dem mittelamerikanischen Staat. So zeichnen die befreundeten Filmemacher Guillermo del Toro, Alfonso Cuarón und Alejandro Gonzáles Iñárritu mit «Pans Labyrinth» (del Toro), «Children of Men» (Cuarón) sowie «21 Gramm» und «Babel» (Iñárritu) für einige der besten und aufwühlendsten Filme der letzten Jahre verantwortlich. Dabei ist Iñárritu wohl zweifellos der große Poet unter den dreien. Mit seinem neuesten Werk «Biutiful», welches unter anderem von Cuarón und del Toro produziert wurde, stellt er dies nun ein weiteres Mal unter Beweis. Auch wenn das Drama erneut eine dichte Atmosphäre und ausgezeichnete Darsteller vorzuweisen hat, erreicht es diesmal bedauerlicherweise nicht die emotionale Wucht seiner Meisterwerke «Babel» und «21 Gramm».
Alejandro Gonzáles Iñárritus ersten drei Kinofilme «Amores Perros» (2000), «21 Gramm» (2003) und «Babel» (2006) werden gern als Trilogie über Tod, Schicksal und die Koexistenz der Menschen zusammengefasst. Mit der eingängigen und komplexen Thematisierung von Gewalt und Leid erforschte er darin zwischenmenschliche Beziehungen und deren Abgründe auf eine Art, die durch ihre emotionale Aufgeladenheit und eine erschütternde Tragik noch lange nachwirkte. Nach dem Abschluss jener Trilogie hatte Iñárritu nun jedoch erstmal genug von allzu kompliziert verschachtelten Geschichten, zeichneten sich seine Werke bis dato doch stets durch mehrere gleichberechtigt nebeneinander herlaufende und miteinander verwobene Handlungsstränge aus, die einer nichtlinearen Chronologie folgten.
«Biutiful» ist daher nun mit Ausnahme des Rahmens durchgehend linear erzählt und beschränkt sich auf eine wesentliche Hauptfigur. Trotzdem kommen auch einige der Nebencharaktere nicht zu kurz, wenn sie zwischendurch auch immer mal wieder kurzzeitig in den Mittelpunkt gerückt werden. Und dennoch fehlt dem Film insgesamt die erzählerische Raffinesse, die Iñárritus vorherige Werke noch zu etwas wirklich Besonderem gemacht hat. Gerade «Biutiful» hätte eine originellere Struktur durchaus gut getan, setzt sich die Handlung des Dramas doch aus einigen bereits weithin bekannten Elementen zusammen. Iñárritu geht es aber im Grunde weniger um die Geschichte an sich als vielmehr um die Behandlung des zentralen Themas. So benutzt er das von ihm gewählte Einzelschicksal, um über den Tod, vor allem aber das Leben, seine Vergänglichkeit und die persönliche Hinterlassenschaft zu reflektieren. In der eigentlichen Handlung geschieht dabei nicht viel.
Getragen wird der Film zu großen Teilen aber auch durch die grandiose Leistung seines Hauptdarsteller Javier Bardem («Das Meer in mir», «No Country for Old Men»). Mit einer unglaublichen Präsenz füllt der Oscarpreisträger die Rolle aus, für die er in diesem Jahr erneut für einen Academy Award nominiert und im letzten Jahr als bester Hauptdarsteller beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet wurde. Allein schon mit seinem leidenden Blick gelingt es ihm, die komplexe Psyche und die Emotionen seiner ambivalenten Figur greifbar zu machen sowie die melancholische und tieftraurige Grundstimmung des Films entscheidend mitzuprägen.
Zusätzlich dazu reißt einen aber auch die übernatürliche Komponente des Films hin und wieder aus der Handlung. Dass eine Geschichte wie die von «Biutiful» aufgrund ihrer Thematik auch in spirituelle Gefilde abgleitet ist nur allzu verständlich, doch wirkt Uxbals (zugegebenermaßen gelungen in Szene gesetzte) Fähigkeit, mit Toten zu kommunizieren angesichts der ansonsten so groß geschriebenen Authentizität sehr befremdlich. Auch wenn sie nur am Rande eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint, ist sie für Uxbals Gefühlsleben von nicht zu unterschätzender Bedeutung und kratzt somit doch merklich an der so akribisch aufgebauten Atmosphäre.• Biutiful
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