NBC ist in diesem Jahr besonders beschäftigt, seine Serien im TV-Friedhof zu begraben. Eine Serie nach der anderen floppt gewaltig und wurde inzwischen beerdigt. Todesscheine für andere Produktionen müssen nur noch unterschrieben und gestempelt werden. Unter den neuesten US-Verlusten befindet sich auch die Actionserie «Chase», produziert von Jerry Bruckheimer, platziert auf dem schwierigen 22-Uhr-Slot am Montag, selten grandioser gescheitert wie dieses Mal. Und dabei hätten es alle Beteiligten eigentlich besser wissen müssen: Von Bruckheimer produzierte Serien finden seit Jahren schon keinen Anklang mehr - ABC («The Forgotten») und TNT («Dark Blue») bekamen dies besonders zu spüren -, jedoch versuchte sich NBC dennoch an einem Procedural über eine Einheit von US Marshals, welche in Texas gefährlichen Verbrechern hinterher jagt und diese hinter Gittern schickt. Geleitet wurde die starke Truppe von Schauspielerin Kelli Giddish, die schon einige Monate zuvor ihr Pech in einer hoffentlich bald vergessenen FOX-Serie gefunden hat.
Die Pilotfolge wurde am 20. September vergangenen Jahres ausgestrahlt und erreichte rund 7,3 Millionen Zuschauer - für NBC ein durchaus akzeptabler Wert, besonders in der Zielgruppe. Dass die guten Werte nicht gehalten werden konnten, war jedoch mehr als vorhersehbar: Schon zwei Wochen später verlor die Actionserie fast 25 Prozent ihrer Zuschauer, im November erreichte «Chase» ein Zielgruppenrating von 1.2 - ein wirklich hässlicher Wert für ein fiktionales Programm auf einem Network. Dass die Senderbosse ihre schwach laufende Serie im Oktober sogar für eine volle Staffel verlängert haben, scheint wie ein irrsinniges Wunder. Vielleicht hoffte man, dass «Chase» mit der Zeit seine Zuschauer findet, oder dass die Autoren den Dreh raushaben und einen qualitativen Mittelweg finden (welcher mit der "Narco"-Doppelfolge tatsächlich gefunden wurde). Vielleicht glaubte NBC, dass all ihre Serien nach ein paar Wochen quotentechnisch ins Bodenlose abstürzen, weshalb alles verlängert wird, was potenziell Zuschauer abfangen kann. Das Endergebnis dürfte NBC besonders schmerzen: «Chase» fand keine neuen Fans, und als die Serie nach ihrer Winterpause auf ihrem neuen Sendeplatz am Mittwoch zurückkehrte, gingen sogar noch mehr Zuschauer flöten - zwei Episoden nach der Rückkehr war Sendeschluss für die US Marshals.
NBC und der Versuch, die Zuschauer mit Qualität zum Sender zurückzulocken - seit fünf Jahren geht dies gründlich in die Hose, und «Chase» war nur eines von vielen Beispielen, warum man von Anfang an sehen konnte, dass der Sender seine vorletzte Position in den Sendercharts nicht abgeben wird. Bis zum Ende des TV-Jahres wird es sicherlich noch weitere schnelle Opfer geben und bevor die Upfronts im Mai abgehalten werden, wird der TV-Friedhof eine Hand voll weitere NBC-Serien willkommen heißen. Und Kelli Giddish darf für das nächste Jahr nach einem neuen Piloten Ausschau halten, nur um ein drittes Mal in drei Jahren vom Sender nach einer halben Staffel abgesägt zu werden. Mit etwas Glück wird sie jedoch hoffentlich nicht in die Spuren von Kyle Bornheimer und Christian Slater treten, denn Talent hat die Darstellerin. Und vielleicht findet auch Bruckheimer sein Händchen für TV-Serien wieder: Zur Zeit arbeitet HBO an einem Piloten, basierend auf der Dokumentation «Cocaine Cowboys», den er unter anderem neben Michael Bay produzieren soll.
• Chase
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