Als dienstältestes der großen Castingformate im deutschen Fernsehen startete «Popstars» am Donnerstagabend ins zehnte Jahr. Eine Jubiläumsstaffel gibt es allerdings noch nicht zu feiern: Da das Format im Jahr 2005 nach der "allerletzten Staffel" für ein Jahr aussetzte, befindet es sich nun erst im neunten Durchlauf. Und der soll wieder einiges an frischen Neuerungen mit sich bringen, allen voran vier Live-Shows am Ende der Staffel, bei denen die Zuschauer über das Weiterkommen der Kandidaten und die Bandzusammensetzung entscheiden dürfen. Davon war man in der Auftaktsendung natürlich noch weit entfernt.
Eine im Laufe der Jahre immer weiter ausgeprägte Regel wurde gleich zu Beginn der ersten Sendung aufgezeigt: Der Star ist die Jury. In den einführenden Einspielern heroisiert, beim ersten Auftritt einen heiligenscheingleichen «Popstars»-Stern der Bühnendeko im Hintergrund nahmen die drei Jurymitglieder dieses Mal über der niederen Meute auf einer Anhöhe gegenüber der Bühne Platz. Zum dritten Mal in Folge wurde die komplette Jury mit Ausnahme des zum «Popstars»-Paten hochstilisierten Detlef D! Soost ausgetauscht. Die Produzentenrolle nimmt nun Thomas M. Stein ein, der bereits einiges an Jury-Erfahrung aus den ersten Staffeln von «Deutschland sucht den Superstar» mitbringt, außerdem ist Sängerin Marta Jandová mit dabei. Beide wollen ehrliche Arbeit mit den Kandidaten leisten, aber schnell stellte sich doch wieder das bekannte Schema ein. Thomas Stein, dessen Ansicht, schlechten Sängerinnen dies auch deutlich mitzuteilen statt um den heißen Brei zu reden, ist begrüßenswert, doch es dauerte nicht lange, dann rutschte ihm mit dem alternativen Karrierevorschlag als Kartenabreißer gleich der erste Tiefschlag raus. Immerhin: Im Gegensatz zum D!, der mit der Hand am Kinn in überlegener Denkerpose während der Auftritte oft keine Mine verzieht, sieht man Thomas Stein direkt an, wenn ihm ein Auftritt Freude bereitet oder er künstlerisches Potential entdeckt: ein erfreutes Lächeln, eine anfeuernde Geste. Auch Marta Jandova ist aus der sporadisch auftretenden Überheblichkeit der Jury leider nicht ganz auszunehmen. Es dauerte nicht lange und auch sie leistete sich verbale Ausrutscher und abwertende Mimik, die verzichtbar gewesen wäre. So tief wie beim Konkurrenzprodukt «Deutschland sucht den Superstar» fiel das Niveau allerdings bei weitem nicht. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie distanziert die Jury durch die räumliche Trennung oder auch im wie in Kriminaldokus in eisigem Blau gehaltenen Interviewraum gezeigt wird. Doch kein Kandidat wurde über das Maß hinaus bloßgestellt, das er durch sein bloßes Erscheinen selber zu verantworten hatte. Kandidatinnen, die ihr Gesangstalent maßlos überschätzt hatten, wurden meist schnell und weitestgehend kommentarlos abgehandelt, die vor allem aus «DSDS» bekannten Freaks, die nur der Medienaufmerksamkeit wegen vorbeischauten, suchte man als Zuschauer vergebens.
So standen dann auch die positiven Talente klar im Vordergrund, von denen einige wie üblich mit dokumentarischen Einspielern begleitet wurden. Doch um die starke melodramatische Färbung der Kandidatengeschichten kam man leider auch dieses Mal nicht herum. Da war die stimmlich hervorragende Kandidatin Meike, die von ihrer schweren Kindheit mit zwei alkoholkranken Elternteilen berichten durfte, bevor die nächste Recall-Kandidatin Yasemin - angereist mit knapp vierzig Jahre älterem Lebenspartner - ihren gerade im OP befindlichen Vater ins Spiel brachte und wiederum im direkten Anschluss Rosalie aus dem Armenviertel, ebenfalls mit schwer krankem Papa, einen tränenreichen Auftritt bescherte. Es ist schade, wie offensichtlich der Faktor Mitleid ausgespielt wurde, um Sympathien zu schaffen, während ansonsten kaum andere interessante Hintergründe erzählt wurden.• Popstars
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)