1 Stunde Wahnsinn

«1 Stunde Wahnsinn»: Zwischen Oslo und Antalya

von
Quotenmeter.de-Redakteure schauen fern, dieses Mal von 20.00 bis 21.00 Uhr. Alle Eindrücke über die eine Stunde TV-Konsum gibt es hier.

Keine Frage, die Stunde zwischen 20.00 und 21.00 Uhr gehört zu den spannenderen der TV-Sender. Hier sollten besonders hohe Marktanteile erzielt werden, da zur Primetime immer relativ viele Menschen einschalten. In dieser Stunde entscheidet sich auch oft der Verlauf eines ganzen Abends, floppt die erste Sendung in der Primetime, können nachfolgende Formate dadurch erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch kommen wir nun zu meiner Stunde Fernsehen, diesmal vom Dienstagabend. Ich beginne bei Sat.1, um mich bei den Nachrichten etwas über den Tag zu informieren, vielleicht ist ja etwas Wichtiges passiert und ich habe es verpasst. Doch zuerst sehe ich nur einen Bericht über Alkohol bei Jugendlichen, einige Vereine fordern nun ein generelles Alkoholverbot für unter 18-Jährige und ein Verbot von Alkohol auf öffentlichen Plätzen, zumindest bei Großveranstaltungen. Dann folgt ein Bericht über die aktuelle Wetterlage in Deutschland, aber um zu sehen dass es schneit muss ich nicht die Nachrichten gucken, da reicht ein Blick aus dem Fenster.

Weiter geht’s dann bei ProSieben und «Galileo», dort versucht gerade ein Mann (Jan) einen Bewegungsmelder auszutricksen. Schließlich schafft er es sogar, da er sich eine große Glasscheibe vor den Körper hält, diese absorbiert seine Körperwärme. Als Jan jedoch versucht, das Gerät mit einer Paintball-Waffe zu treffen, geht der Alarm bei dem ersten Treffer sofort los. Es folgt eine erste Schalte von Aiman Abdallah nach Köln zu Stefan Raab, dieser kündigt schon mal den Start von «Unser Star für Oslo» an, zehn Kandidaten werden heute in der Show auftreten. Kurz darauf geht es mit der Show auch schon los, Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel begrüßen das Publikum, besonders die weibliche Moderatorin wirkt auf mich noch etwas nervös. Nach einer ihrer Moderationen sieht das Wechseln der Moderationskarten noch ziemlich hektisch aus, doch das stört mich kaum, das neue TV-Gesicht wirkt äußerst sympathisch. Opdenhövel ist wie immer recht locker und bringt schon den ein oder anderen flotten Spruch, so kennt man den «Schlag den Raab»-Host. Schließlich werden die Gastjuroren Yvonne Catterfeld und Marius Müller Westernhagen vorgestellt, dies ist mir allerdings etwas zu zäh, deshalb gucke ich mich mal nach weiteren TV-Inhalten um.

So lande ich schon Augenblicke später bei RTL II, dort läuft gerade eine Folge «Zuhause im Glück». Eva Brenner erklärt, dass sie von Jacqueline um Hilfe gebeten wurden und sie das junge Mädchen nun in ihrer Schule suchen will. Und wie es der Zufall beim Fernsehen nun mal so will, trifft die Innenarchitektin das Mädchen auf der Treppe am Haupteingang. Es folgt die Vorstellung der Familie und die Überraschung der Mutter zu Hause, die von der Aktion ihrer Tochter anscheinend nichts wusste. Das Zertrümmern des Hauses muss ich mir aber nun nicht mehr angucken, deshalb greife ich wieder zur Fernbedienung und lande bei kabel eins. «Schluss mit Hotel Mama!» ist dort das Motto und es wird auch gleich ernst, der 32-jährige Sascha wird soeben von seinen Eltern vor die Tür gesetzt. Die Eltern haben das Hab und Gut ihres Sohnes in einem Fahrrad-Anhänger verstaut, damit soll Sascha nun verschwinden. Dieser entfernt sich kurz vom Haus seiner Eltern, nur um später zurückzukommen und den Anhänger wieder auf den Hof zu stellen. Dann fährt er mit seinem Fahrrad zu einem Hotel und nimmt sich dort für die Nacht ein Zimmer, allerdings ohne Frühstück. Denn Sascha hat nur 100 Euro Startkapital von seinen Eltern bekommen, hat der denn vorher nicht gearbeitet und eigenes Geld verdient? Zudem schimpft der 32-Jährige auf seine Eltern: „Die sind für mich gestorben“.

Eine halbe Stunde ist nun schon vergangen, eine weitere liegt vor mir. Nun begebe ich mich zu den weiter hinten programmierten Sendern, dort lande ich bei Sonnenklar.TV. Doch die angebotene Reise in die Türkei (Antalya) interessiert mich nicht besonders, auch das hoch angepriesene Beach Volleyball Angebot des Hotels kann mich nicht wirklich überzeugen und da die Moderatoren mich an eine Telefon-Dauerschleife erinnern, zappe ich lieber weg. Da entdecke ich bei SuperRTL «Mr. Bean», die Szene in einem Krankenhaus ist, wie so viel von Rowan Atkinson, äußerst unterhaltsam. Die Sendung weckt irgendwie Retro-Gefühle in mir, über Mr. Bean kann man immer noch am besten lachen! Doch weiter im Programm, hier hat es mich nun zum ZDF verschlagen. «Karnevalissimo» ist auf den ersten Blick eine ganz normale Sendung des Zweiten Deutschen Fernsehens, doch erschrocken muss ich feststellen, dass das Format von Guido Cantz und, jetzt kommt’s, Janine Kunze moderiert wird. Welche Zielgruppe soll denn damit angesprochen werden? Bei VOX geht es dann auch schon weiter mit mehr oder weniger wichtigen TV-Gesichtern, Daniela Katzenberger und ihre Mutter Iris («Big Brother») sind dort im Rahmen von «Goodbye Deutschland» wieder auf Tour. Da ich mich für die beiden High-Society-Ladys aber so gar nicht begeistern kann, greife ich wieder zur Fernbedienung und schalte um.

Bei MTV läuft «Rock of Love Bus» und VIVA zeigt zur besten Sendezeit eine Doppelfolge von «Spongebob Schwammkopf». Es ist eigentlich eine Schande, dass die sogenannten Musiksender in Deutschland am Abend fast durchgängig nicht mehr auf Musik setzen (können). Das jetzige Programm gefällt mir jedenfalls nicht besonders und so lande ich schließlich wieder bei kabel eins. Dort hat Sascha noch immer keine eigene Wohnung gefunden, wieso auch? Sein „Coach“, der ihn nach dem Rauswurf bei seinen Eltern unterstützen soll, hat allerdings eine Überraschung parat. Er hält ihm einen Schlüssel ins Gesicht und fragt kameratauglich „Wissen Sie was das ist?“. Unglaublich aber wahr, Sascha erkennt: „Ein Schlüssel!“, diesen Dialog sollte man sich als erfolgreicher TV-Macher unbedingt merken. Da Sascha das Geld ausgegangen ist, sponsern seine Eltern ihm eine Wohnung für einen Monat. Ihr Sohn freut sich zwar über die Hilfe, ist auf seine Eltern ansonsten aber noch immer nicht gut zu sprechen. Als er seine letzten Sachen von zu Hause abholen will, pflaumt er seine Mutter an und verlässt anschließend wutentbrannt das Grundstück.

Bei «Unser Star für Oslo» tritt um kurz vor 21.00 Uhr schon der vierte Kandidat auf, Daliah präsentiert der Jury und den Zuschauern den Song „At Last“. Allerdings sind ihre Gesangstalente, zumindest bei diesem Titel, nicht wirklich zum Vorschein gekommen, das sieht auch die Jury so. Marius Müller Westernhagen hatte das Gefühl, dass eine Weiße versucht wie eine Schwarze zu singen. Auch sonst hat er nicht viele positive Dinge anzumerken, auch Stefan Raab sind viele Fehler beim Singen aufgefallen. Yvonne Catterfeld tut sich bei der Kritik schon schwerer, sie freut sich erst mal über den ausgewählten Song und über die gute Stimme von Daliah. Allerdings bemerkt sie auch, dass ihr ein richtiger Höhepunkt bei dem Auftritt gefehlt hat. Auch wenn die Jury-Mitglieder nicht müde werden zu betonen, dass es sehr schwer sei zu kritisieren, war dies wohl nicht die beste Kandidatin der Show. Und so beende ich um kurz nach 21.00 Uhr meine «1 Stunde Wahnsinn».

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