Zu Beginn der aktuellen Woche, am 12. Oktober 2026, legte Arbeitsministerin und SPD-Co-Chefin Bärbel Bas sämtliche Ämter nieder. Getan hat sie dies nicht nur wegen eines persönlichen Trauerfalls, sondern auch, weil sie sich während dieser Trauerphase öffentlich angegriffen fühlte - vor allem von der CDU. Sowohl im politischen Berlin, als auch in der medialen Öffentlichkeit wird seitdem scharf darüber diskutiert, wie ein angemessener Umgang mit Todes- und Krankheits-Fällen bei Politikerinnen und Politikern aussehen sollte. Gesprochen haben über dieses Thema Sandra Maischberger und Markus Lanz mit ihren Gesprächsgästen - doch korrespondierte dies auch mit einem erhöhten Interesse seitens linearer TV-Seher und Seherinnen?
Beantworten können wir diese Frage direkt mit der ersten «Markus Lanz»-Folge der Woche am Dienstag, 13. Oktober um 22.43 Uhr. Am Tag nach dem Bas-Rücktritt diskutierte der Host mit den Gästen Sigmar Gabriel, Eva Quadbeck und Florian Flade vor allem darüber, ob die politische Kritik an der Ministerin Grenzen moralischer Verwerflichkeit überschritt. Getan wurde dies unter der Beobachtung 1,24 Millionen Gesamtzuschauer, die den Ausführungen einen soliden Anteil in Höhe 13,0 Prozent einbrachten. Zwar ließ sich damit tatsächlich direkt die höchste Reichweite der gesamten Lanz-Woche feststellen, allerdings könnte dies nicht nur am Zenit der Bas-Diskussionen gelegen haben, sondern auch an der etwas früheren Sendezeit. Zudem liegen manche Ausgaben gen 1,50 Millionen noch ein Stück höher. Unauffälliger stellte sich das Bild bei den Jüngeren dar, welche passable, aber einstellige 8,9 Prozent bzw. 0,14 Millionen ausmachten - diese Zahlen waren für Lanz-Verhältnisse noch weniger besonders und noch nicht mal der höchste Wert der Woche. Ein richtiger Schub ließ sich auch bei «Maischberger» am Dienstag nicht ausmachen: Die Talkerin ging im Ersten ab 22.55 Uhr leicht zeitversetzt auf Sendung. Sie ließ zum einen Mathias Middelberg (CDU) und Franziska Brantner (Grüne) zum Bas-Thema diskutieren, aber auch ZDF-Journalist Theo Koll, ARD-Korrespondentin Iris Sayram und Focus-Autorin Alisha Mendgen auf dem Panel. Verfolgt wurden diese Konstellationen letztlich nur von 0,93 Millionen insgesamt zu gerade so zweistelligen 10,7 Prozent - sonst tendiert Sandra Maischberger schonmal gerne über 1,20 und 1,30 Millionen. Durchwachsen sah es zudem bei den Jüngeren aus, von denen lediglich 0,10 Millionen sprich 6,5 Prozent beiwohnten.
Kommen wir zum Mittwoch: Nachgelassen gestalteten sich die Reichweiten am nächsten Tag vor allem bei Lanz, als im Vorfeld noch die Champions League Zusammenfassungen ausgewertet wurden und man deshalb erst um Punkt Null Uhr On Air kam. Die Reichweiten bewegten sich wenig verwunderlich auf klar reduzierte 0,69 Millionen, die mäßige 12,0 Prozent bedeuteten. 14-49-Jährige blieben nur zu 0,08 Millionen und mittelprächtigen 7,9 Prozent wach. Gesprochen hatte der Talker mit Wolfgang Schmidt (SPD, Ex-Chef Bundeskanzleramt) übrigens zwar auch nochmal über die Belastungs-Situation von Bärbel Bas, zum größten Teil ging es jedoch um US-Reporter Evan Gershkovich, der in Moskau inhaftiert wurde.
Anders sah es am Mittwoch bei Sandra Maischberger aus: Sie wollte ab 22.50 Uhr von Thorsten Frei (CDU) und Tim Klüssendorf (SPD) wissen, wie es nach den Schuldzuweisungen im Fall Bas um das Vertrauensverhältnis in der Koalition bestellt ist. Analysen zur Demission der Arbeitsministerin lieferte allerdings auch nochmal das Panel um Anja Kohl (ARD), Markus Preiß (ARD) und Nena Brockhaus (Welt). Interesse fand das alles bei tatsächlich deutlich gestiegenen 1,43 Millionen, die den Anteil hochsetzten auf gute 14,7 Prozent - die beste Leistung seit Wochen. Bei den 14-49-Jährigen ging es zumindest etwas hoch auf 0,14 Millionen und ordentliche 8,6 Prozent - hier kristallisierte sich ein richtiges Anziehen allerdings nicht heraus. Am Donnerstag ging schließlich nur noch «Markus Lanz» auf Sendung und zwar wieder früher um 23.18 Uhr. Hier blickte man allerdings gar nicht mehr auf Bas, sondern auf Proteste in Frankreich. Insgesamt zeigte sich dergestalt eine normal erfolgreiche Performance in Form 14,7 Prozent durch 1,19 Millionen. Die jüngeren Zuschauenden erhöhten sich im Dienstags-Vergleich trotz leicht späterer Startzeit auf 0,15 Millionen zu schön zweistelligen 10,4 Prozent.
Wie kann nun die (vorläufige) Antwort auf die Frage ausfallen, ob der Bas-Rücktritt gestiegenes Interesse an den Talksendungen evozierte? Festhalten lässt sich, dass Markus Lanz am Tag nach dem Knall tatsächlich die höchste Reichweite der Woche aufwies - an diesem Tag allerdings auch früher auf Sendung ging. Darüber hinaus lag die Ausgabe nicht auffällig über den (erfolgreichen) Durchschnittswerten der Vormonate. Wenn, dann fiel der lineare Zulauf an dezidiert Bas-Interessierten höchstens moderat aus.
Eher unterdurchschnittlich stellte sich der Dienstag sogar bei Maischberger dar, wo nicht mal eine Millionen Menschen erreicht wurden. Dies könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die größtenteils parallel laufenden Talks ausgerechnet an diesem Tag ihre Publikumskreise gegenseitig abgruben - vielleicht wäre also bei einer der beiden Sendungen ein größerer Effekt beobachtbar gewesen, wenn sie alleine gesendet hätten.
Zur Mitte der Woche verbesserte sich eine weitere Bas-Diskussion im Ersten dann wirklich auf überdurchschnittliche Dimensionen - der Gesprächsstoff könnte folglich doch noch eine nicht unerhebliche Anzahl an Zuschauenden zum Einschalten bewegt haben. Nicht ausgeschlossen jedoch auch, dass zusätzliche Leute zuschalteten, um den weiteren Gast Richard David Precht und seine Ausführungen zu KI-Perspektiven zu verfolgen.
Übergeordnet ergab sich bei beiden Talk-Formaten letztlich ein klarer Schwerpunkt von älteren Einschaltern, der sich des Öfteren auf politische Sendungen niederschlägt - gerade im klassischen linearen Fernsehen. Interessant wird daher sein, ob gerade auch jüngere Konsumenten die Bas-Ausgaben von Lanz und Maischberger übermäßig nachträglich durch Aufzeichnungen, Mediatheken-Besuche und YouTube-Klicks aufrufen. Stand jetzt die Lanz-Ausgabe auf YouTube schonmal 450.000 Klicks.







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