Podstars: «Weidelland»: Wie Alice Weidel und die AfD nach der Macht greifen

Die SZ-Podcastserie «Weidelland» zeichnet den Aufstieg von Alice Weidel und der AfD nach: Von den Anfängen der Partei über ihre Radikalisierung bis zur Frage nach Regierungsverantwortung.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich innerhalb weniger Jahre von einer eurokritischen Partei zu einer politischen Kraft entwickelt, die inzwischen auch Regierungsverantwortung anstrebt. Die Podcastserie «Weidelland – Die AfD und ihr Weg zur Macht» der „Süddeutschen Zeitung“ verbindet diese Entwicklung mit der Karriere ihrer Bundessprecherin Alice Weidel. Host Roman Deininger, stellvertretender Chefredakteur der SZ, reist dafür mit seinem Team durch Deutschland und spricht mit Wegbegleitern, Wählern, Kritikern und Menschen, die von der Politik der Partei betroffen sind.

Die Ausgangslage hat sich seit Veröffentlichung der ersten Episode Anfang September noch einmal verändert. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September erreichte die AfD 43,8 Prozent und wurde mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Die absolute Mehrheit verfehlte sie allerdings. Der Landesverband wird vom dortigen Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft; die AfD geht juristisch gegen diese Einstufung vor.

«Weidelland» setzt allerdings deutlich früher an. Die Serie möchte verstehen, wie Weidel innerhalb der AfD aufsteigen konnte und wie sich gleichzeitig die Partei verändert hat. Deininger begleitet ihre politische Karriere bereits seit deren Anfängen: Er war Korrespondent in Baden-Württemberg, als Weidel dort 2013 ihre politische Laufbahn begann. Die erste Folge „Alternative Realität“ führt von Bayern über Sachsen-Anhalt bis nach Berlin. Im Zentrum steht Weidels Rolle beim Aufstieg der AfD und die Frage, wie sie selbst ihre politische Zukunft sieht. Dabei interessiert sich das Team ebenso für ihre öffentliche Inszenierung wie für die Entwicklung der Partei. Die zweite Episode „Große Hoffnungen“ blickt stärker auf Weidels berufliche Vergangenheit. Ehemalige Kollegen kommen zu Wort, während mit Hans-Olaf Henkel und Alexander Gauland zwei frühe Mitglieder auf die Entwicklung der AfD zurückblicken.

In „Reich, rechts und deutsch“ richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Umfeld der Partei und ihre Unterstützer. Die Reporter verfolgen die Spur eines Geldgebers aus der Schweiz und beschäftigen sich mit konservativen Milieus, die sich von der Union entfernt haben. Die vierte Folge „Zwischen zwei Welten“ wechselt anschließend zur medialen Auseinandersetzung mit der AfD. Das Team fragt, wie Journalisten über die Partei berichten sollten und welche Rolle eine inzwischen entstandene rechte Medienlandschaft spielt. Dabei wird auch diskutiert, wo journalistische Angebote enden und politische Kommunikation beginnt.

Besondere Aktualität erhält die fünfte Episode durch Sachsen-Anhalt. „Radikal sympathisch“ beschäftigt sich mit Ulrich Siegmund und seinem Auftreten als nahbarer AfD-Politiker. Der tatsächliche Wahlausgang unterstreicht inzwischen seine Bedeutung: Die AfD gewann die Landtagswahl mit 43,8 Prozent. Gleichzeitig wirft Siegmunds Erfolg Fragen über die innerparteiliche Machtverteilung auf. Nach der Wahl wurde sichtbar, dass Landesverband und Bundesspitze bei der Frage nach einer möglichen Regierungsbildung nicht zwangsläufig dieselben strategischen Vorstellungen verfolgen.

In der sechsten Folge „Die ‚Volkskanzlerin‘?“ richtet sich der Blick schließlich auf Weidels bundespolitische Ambitionen. Dabei entwirft die Serie gemeinsam mit einem Beobachter ein mögliches Zukunftsszenario und beschäftigt sich mit der Frage, welche politischen Veränderungen eine von der AfD geführte Bundesregierung anstreben könnte. Solche Zukunftsbilder sind dabei Szenarien und keine Prognosen. Weidel selbst hat wiederholt erklärt, dass ihre Partei künftig auch im Bund regieren wolle. Den Abschluss bildet „Wird radikal normal?“. Die Episode wurde am 23. Oktober bei der „Nacht der Autorinnen und Autoren“ der Süddeutschen Zeitung in München aufgezeichnet.

Deininger diskutiert dort mit SZ-Journalisten über die Strategien der AfD in Ost- und Westdeutschland, die Machtverteilung innerhalb der Partei und deren weitere politische Ziele. «Weidelland» ist damit zugleich Politikerporträt, Parteiengeschichte und politische Reportage. Die Serie versucht nicht nur zu erklären, wie Alice Weidel an die Spitze der AfD gelangte, sondern untersucht auch Geldgeber, Medienstrategien, innerparteiliche Konkurrenten und gesellschaftliche Entwicklungen. Im Mittelpunkt steht damit eine größere Frage: Wie konnte eine Partei, die lange außerhalb jeder realistischen Regierungsoption stand, in Teilen Deutschlands zur stärksten politischen Kraft werden?

01.11.2026 12:35 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176050
Sebastian Schmitt

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