Gesetz gegen Verbrechen, Pflicht gegen Loyalität: In der neuen Netflix-Serie jagt ein brillanter Ermittler einen ebenso brillanten Verbrecher.
Vielen Krimiserien ist durchaus bewusst, dass sie bekannte Muster bedienen. Wenn sie diese dann aber mit genug Tempo, Energie und Charisma aufladen, kann das Ergebnis trotzdem funktionieren. «Nemesis» dürfte sich damit in eine lange Tradition einreihen: Denn die neue Netflix-Serie von Courtney A. Kemp und Tani Marole erzählt im Kern eine Geschichte, die man in Variationen schon oft gesehen hat: ein brillanter Ermittler, ein ebenso brillanter Verbrecher, eine persönliche Fehde und ein Katz-und-Maus-Spiel, das immer obsessiver wird. Die Frage ist deshalb weniger, was «Nemesis» erzählt, sondern vielmehr, wie das Format es erzählt. Die Antwort fällt jedenfalls gemischt aus.
Denn je länger «Nemesis» läuft, desto deutlicher wird ein strukturelles Problem: Die Serie möchte gleichzeitig Hochglanz-Heist-Thriller, Familiendrama, Polizeiserie und psychologisches Duell sein. Manchmal gelingt diese Mischung hervorragend. Dann entstehen Szenen, in denen man tatsächlich spürt, wie eng die Schicksale von Isaiah und Coltrane miteinander verwoben sind. In anderen Momenten wirkt das Format jedoch, als würde es mehrere unterschiedliche Genres gleichzeitig bedienen wollen. Der Ton schwankt zwischen harter Krimispannung und melodramatischen Familienkonflikten, ohne immer einen überzeugenden Ausgleich zu finden.
Dabei ist die Serie handwerklich überzeugend gemacht: Die Inszenierung besitzt Wucht, die Bildsprache ist hochwertig, und viele Actionsequenzen funktionieren hervorragend. Netflix liefert hier sichtbar eine Produktion ab, die größer und ambitionierter wirken möchte als das durchschnittliche Krimiformat. Auch die Nebenbesetzung mit Darstellern wie Gabrielle Dennis, Cleopatra Coleman und Domenick Lombardozzi sorgt dafür, dass selbst kleinere Rollen Präsenz entwickeln. 

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