Um ehrlich zu sein, gar nicht so viel. Der Film wurde in einem Block zusammen mit drei regulären Folgen gedreht. Dieses exklusive „Wir-drehen-einen-Film“-Gefühl hatten wir deshalb nur bedingt – es gab sogar Tage, an denen sowohl Szenen für den Film als auch für die Serie auf dem Plan standen. Auch wir spüren, dass die Mittel knapper werden und die Produktionsbedingungen schwieriger.
Trotzdem war bemerkbar, dass für den Film insgesamt mehr Zeit vorgesehen war. Dadurch hatten wir als Schauspieler andere Möglichkeiten, z.B. für ausführlichere Proben oder ein paar Takes mehr, wenn wir mit der Qualität noch nicht zufrieden waren. Wir konnten ein anderes Erzähltempo wagen und Dinge auch mal unausgesprochen lassen. Im Vorabend wird der Zuschauer sehr bewusst an die Hand genommen. Im Hauptabend kann man etwas Rätselhafter bleiben.
Sie sagen, der Spielfilm gebe „andere Möglichkeiten“. Was genau konnten Sie als Sophia Strasser diesmal erzählen, was im 48-Minuten-Format nie Platz gefunden hätte?
Im Film gerät Beissl in große Gefahr, und Jerry wird mit einem unglücklichen Kapitel aus seiner Vergangenheit konfrontiert. Das hat mich auf die Idee gebracht, Sophia eher über den Humor zu erzählen. Mir hat es Spaß gemacht, sie als komödiantischen Gegenpol zum „Drama“ der beiden Kollegen anzulegen – und damit bewusst einen Kontrast zu setzen.
Als Sophia dann am Ende des Films auf die Lösung des Falls stößt, gibt es für sie aber trozdem Raum, die Tragweite der Geschichte – die Raubkunst, die Enteignungen – emotional zu erfassen. Diese spielerische Spannweite wäre in einer klassischen 48-Minuten-Folge so vielleicht nicht möglich gewesen.
„Die Tränen der Madonna“ berührt Themen wie Raubkunst, Schuld und familiäre Verstrickungen. Wie haben Sie diese Härte mit der sonst eher warmen Watzmann-Welt in Einklang gebracht?
Familiäre Konflikte, Schuld oder Verstrickungen hören sich für mich nach bekannten Themen bei «Watzmann ermittelt» an. Themen wie Raubkunst oder die NS-Vergangenheit von Berchtesgaden waren in der Serie hingegen bisher kaum präsent. Insofern finde ich es stimmig, dass der Film die helle, idyllische Welt einmal mit ihrem historischen Schatten konfrontiert.
Viele Fans schätzen Sophia Strasser, weil sie „eine Macherin mit bayerischem Bodensatz“ ist. Was macht diese Figur für Sie nach fünf Staffeln noch immer spannend?
Sophia Strasser ist für mich schauspielerisch nach wie vor eine sehr spannende Figur. Sie entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Am Anfang war sie sehr resolut, fast überkompensierend, in dieser etwas zu großen Polizeijacke. Inzwischen ist sie entspannter, weicher und souveräner geworden. Auch die Beziehung zu ihrem Sohn und ihr täglicher Spagat zwischen Beruf und Familie sind stärker ins Zentrum gerückt.
Das Schöne ist, dass ich jedes Jahr Neues an der Figur entdecken darf. Manchmal stehen kleine Hinweise in den Büchern – dann greife ich die auf und baue sie aus. Oft nehme ich mir aber auch die Freiheit und erfinde etwas dazu. So wird die Figur immer facettenreicher – und mir mit ihr niemals langweilig.
Der Film spielt auch mit verdeckter Ermittlungsarbeit im Hotel. Wie war es für Sie, Strasser einmal bewusst „anders“ auftreten zu lassen?
Als Peter Marton und ich unsere Szenen vorbereitet haben, haben wir uns gefragt, wie Jerry und Sophia sich wohl für den Undercover-Einsatz kleiden würden. Weil sie verdeckt in einem Hotel ermitteln, kamen wir auf die Idee, dass die beiden verabreden haben könnten, sich „wie im Urlaub“ anzuziehen – dann aber vor Ort feststellen, dass sie ein völlig unterschiedliches Verständnis davon haben. So steht Jerry im Film im feinen Anzug mit sommerlichem Hemd da, und Sophia erscheint in Outdoor-Trekkingmontur mit Rucksack und Wanderstöcken. Das erzählt viel über die Gegensätzlichkeit der Figuren und bringt eine schöne clowneske Dynamik in die Szenen im Hotel.
Marianne Sägebrecht spricht davon, dass die Geschichte einen neuen Zugang zur NS-Zeit bietet. Wie haben Sie diese historische Ebene am Set erlebt?
Ich bin in Prien am Chiemsee aufgewachsen, nicht weit von Berchtesgaden, und kannte das Dokumentationszentrum Obersalzberg noch von einem Ausflug, den wir mit der Schule gemacht haben. Aber als wir jetzt beim Filmdreh wieder in der Ausstellung waren und mit den historischen Dokumenten und dem Bildmaterial konfrontiert wurden, ist mir noch mal auf eine ganz andere Weise deutlich geworden, welche Rolle dieser Ort für die Machtausübung und die Verbrechen des NS-Regimes gespielt hat.
Ihr Zusammenspiel mit Peter Marton und Andreas Giebel wirkt inzwischen extrem eingespielt. Wie hat sich die Dynamik zwischen Ihnen drei über die Jahre verändert?
Wir drei sind als Menschen sehr unterschiedlich und geben das weiter an unsere Figuren – ich denke, genau das macht die Mischung interessant und lebendig.
Mit Andreas verbindet mich von Anfang an der bayerische Humor. Wir lachen viel zusammen. Ich habe gehört, dass manche Leute Sophia inzwischen als „den jungen Beißl“ bezeichnen – das ist natürlich ein Ritterschlag. Mit Peter ist über die Jahre eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit entstanden. Unsere Figuren sind oft gemeinsam unterwegs, deshalb verbringen wir viel Zeit am Set miteinander und arbeiten inzwischen sogar im selben digitalen Drehbuch.
Sie wechseln häufig zwischen Drama, Krimi und Komödie. Hilft Ihnen Ihr Bühnennahme und Ihr Theatertraining dabei, eine Figur wie Strasser über mehrere Jahre lebendig zu halten?
Tatsächlich habe ich am Theater Ausdauer und Disziplin gelernt - und damit auch, über lange Strecken an einer Figur dranzubleiben. Und ganz wesentlich: ein Gefühl für Rhythmus, Sprache und komödiantisches Timing. Comedy ist im Schauspiel mit das Schwierigste – und das lernt man meiner Meinung nach am besten auf der Bühne.
Neben der Serie drehen Sie Kinofilme, Kurzfilme und andere TV-Formate. Was gibt Ihnen «Watzmann ermittelt», das kein anderes Projekt Ihnen geben kann?
Die Vertrautheit, die gemeinsame Entwicklung über Jahre, das eingespielte Team – das kann mir derzeit kein anderes Projekt geben. «Watzmann ermittelt» ist für mich in vielerlei Hinsicht ein sehr familiäres Projekt. Aber wie in jeder Familie ist es wichtig, ab und zu rauszukommen. Deshalb bin ich sehr darauf bedacht, auch andere Filmprojekte zu realisieren. Letztes Jahr waren z. B. zwei Kinodebütfilme dabei und ein sehr ambitioniertes Kurzfilmprojekt, das bei den Internationalen Hofer Filmtagen Premiere hatte. Alles, was in Richtung Kino und Arthouse geht, lässt mein Herz höher schlagen.
Wenn Sie vorausblicken: Wohin könnte sich Sophia Strasser in den nächsten Jahren entwickeln – und was würden Sie persönlich dieser Figur noch gern schenken?
Ich könnte mir vorstellen, dass sie im Kommissariat mehr Verantwortung bekommt. Entweder regulär auf der Dienstebene oder auch unfreiwillig, weil es z. B. eine Notsituation gibt, in der sie das Ruder übernehmen muss. Grundsätzlich finde ich es immer spannend, wenn sie Fehler macht oder in schwierige Situationen gerät – vielleicht ist sie ja einmal persönlich in einen Fall verstrickt - oder sogar ihr Sohn? So etwas schafft für mich immer schöne Spielmöglichkeiten und macht die Figur menschlich und nahbar.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
“Die Tränen der Madonna“ ist seit 26. Dezember 2025 in der ARD Mediathek abrufbar. Der Film ist am Mittwoch, den 7. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.







Welke meldet sich Ende Januar zurück - Böhmermann Ende Februar
Britta Keils: ‚Den Zuschauer räumlich ganz nah heranholen‘

Mediengestalter Digital & Print / Redakteur (m/w/d)
Praktikant im Bereich Redaktion in unserem Format "Shopping Queen" (m/w/d)
Initiativbewerbungen (m/w/d)




Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel