Interview

Simon Müller-Elmau: ‚Gegen Depression hilft «King of Queens»‘

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Für UFA Fiction war Simon Müller-Elmau als Produzent der «SOKO München» verantwortlich. Am Dienstag läuft das große Finale im ZDF. Im Quotenmeter-Interview erzählt er über die Schwierigkeiten den «Verbotene Liebe»-Cast zu vereinen und wie man den Lockdown bewältigt.

Seit rund einem Monat ist «Verbotene Liebe» wieder zu sehen. Der Streamingdienst TVNOW der Mediengruppe RTL Deutschland hat neue Folgen bestellt. Freunde und Bekannte sagen mir, sie finden die Serie entsprechend gut. Wie haben sie die Fortsetzung entwickelt?
Simon Müller-Elmau: Da haben Ihre Freunde und Bekannte recht. Der entscheidende Punkt bei der Entwicklung war die Verbindung von Altbekanntem und Neuem. Schließlich wollten wir die Fans der Serie ebenso mitnehmen wie neue Zuschauer hinzugewinnen.

Cecilia Malmström: Wir freuen uns natürlich sehr über das positive Feedback von den Zuschauer*innen. Eine so erfolgreiche Serie und Marke wiederzubeleben, ist manchmal komplizierter, als etwas ganz Neues zu erschaffen. Wir wussten, dass wir den Fans und den Geschichten der alten «Verbotenen Liebe» mit großem Respekt begegnen müssen. Für viele Zuschauer war «Verbotene Liebe» jahrelang ein fester Teil ihres Lebensalltags. Und wer einmal Serienfan war, egal von welcher Serie, weiß, wie empfindlich man auf Veränderungen reagiert. Trotzdem mussten wir eine neue Welt einführen, einen neuen Erzählstil und Rhythmus für das 45er Format erschaffen, heutige, relevante Themen wie Nachhaltigkeit und #metoo anschneiden und viele neue Figuren einführen – soweit der Spagat, der fünf Jahre nach der Absetzung im Ersten zu leisten war. Zusätzlich haben wir den Neuanfang intensiv online begleitet und unter anderem ein Video erstellt, in dem die Figuren in ihrer Rolle berichten, was in den fünf Jahren Unterbrechung passiert ist. Das hat geholfen, um den Anschluss an die neuen Geschichten zu finden.

Darüber hinaus war die Entwicklung in diesem Jahr 2020 natürlich ganz besonders und unvergesslich. Wir befanden uns zu Beginn der Pandemie in der Hochphase der Bücher. Vor dem Fenster war der Lockdown, aber in unseren Köpfen entstand die glamouröse Welt der Reichen und Schönen. Der Kontrast war seltsam, aber oft sogar tröstlich. Das Format «Verbotene Liebe» ist wie eine Oper. Es geht in erster Linie um die großen Emotionen, wie Hass, Verrat, Leidenschaft, Sehnsucht, Trauer und Liebe. Diese Emotionen lösen eine Art Sog aus und der hat uns wieder gepackt – trotz Pandemie.

Wie schwer war es, den gesamten Cast zur selben Zeit zu vereinen?
Simon Müller-Elmau: Wir haben nicht den gesamten „alten“ Cast wieder an Bord geholt. Das hätte das Format gesprengt. Aber einige sehr beliebte Schauspieler*innen sind wieder mit dabei und es war eine große Wiedersehensfreude.

Cecilia Malmström: Zunächst einmal ist die «Verbotene Liebe» nicht nur für die Fans, sondern auch für große Teile des Casts eine schöne und sehr emotionale Erinnerung. Als wir uns mit der Neuauflage an die Schauspieler*innen gewandt haben, die schon in der ARD-Serie dabei waren, war die Hürde für ein erstes Gespräch dementsprechend gering. Vielmehr war die Neugier groß, was wir vorhaben und mit welchen Geschichten wir die Figuren nach fünf Jahren weitererzählen wollen. Im zweiten Schritt mussten die Bücher letztendlich Überzeugungsarbeit leisten. Eine Schauspielerin hat die zehn Bücher in 24 Stunden durchgelesen und dann geschrieben, dass sie dabei ist. Diese Begeisterung war schon beeindruckend. Insgesamt muss man sagen, dass die Energie und die Spielfreude des „alten“ und auch des neuen Casts enorm war und uns alle beeindruckt und mitgerissen hat.

Sie waren Jahre lang für die Produktion von «SOKO München» verantwortlich. Inwieweit ist Ihnen die Produktion ans Herz gewachsen?
Simon Müller-Elmau: So eine Produktion besteht ja vor allem aus dem Team vor und hinter der Kamera. Viele Mitarbeiter*innen waren schon sehr lange bei der SOKO dabei und ich habe alle als echte Profis mit viel Herz und Leidenschaft erlebt. Da entstehen auch Freundschaften. Kurzum, die SOKO ist mir sehr ans Herz gewachsen!

Die Staffeln 45 und 46 fallen deutlich kürzer aus. Haben Sie das genossen, dass Sie wieder mehr Zeit für die Geschichten haben?
Simon Müller-Elmau: Auch wenn die letzten Staffeln weniger Folgen als die üblichen 26 hatten, merkte man den Unterschied bei der Entwicklung der Geschichten erstaunlich wenig. Was aber auffällt, ist die kürzere Drehzeit. Die Dreharbeiten und die Kolleg*innen fehlen einem.

In den vergangenen Jahren hat das ZDF zahlreiche weitere «SOKO»-Ableger gestartet. Haben Sie einen persönlichen Favoriten?
Simon Müller-Elmau: Das ist ja eine gemeine Frage. (lacht) Bei allem Respekt für die Arbeit der Kolleg*innen, mein Favorit bleibt die SOKO München!

Inwieweit schauen Sie persönlich Krimis im Fernsehen?
Simon Müller-Elmau: Ich sehe auch privat sehr gerne Krimis und gegen die Winter- und Lockdowndespression hilft «King of Queens».

Das zentrale Thema in diesem Jahr war die Corona-Pandemie. Wie mussten Sie die Produktionen der Reihen und Serien umstellen?
Simon Müller-Elmau: Als erstes haben wir die Drehbücher Corona-konform umgearbeitet – Abstandsregeln, Reduzierung der Kompars*innen, Quarantäne für Schauspieler*innen etc.. Der Dreh an sich ging dann meist erstaunlich unkompliziert vonstatten.

Glauben Sie, dass das Thema Corona in wenigen Jahren auch in zahlreichen Krimis und Dramen aufgegriffen wird? Oder glauben Sie, dass sich ein solch großes Thema erst einmal setzen muss. Ich glaube kaum, dass die Menschen solche Filme in nächster Zeit sehen möchten.
Simon Müller-Elmau: Da bin ich ganz bei Ihnen. Ich glaube, dass eskapistische Formate gewünscht sein werden. Filme und Serien mit Schauplätzen in fernen Ländern und einem positiven Lebensgefühl. Dennoch wird auch die Corona-Zeit früher oder später fiktional aufgearbeitet werden.

Derzeit sind die Öffentlich-Rechtlichen stark in der Kritik, da sie mit ihren acht Milliarden Euro-Budget nicht zurechtkommen. Hand aufs Herz, könnte man auch bei einigen guten Serien ein paar Folgen pro Jahr nicht sparen? «Die Rosenheim Cops» lassen sich ja am Nachmittag prima wiederholen?
Simon Müller-Elmau: Einspruch! Ich denke, gerade in der aktuellen Zeit sehen wir, was das Fernsehen und die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrer Nachrichtenkompetenz leisten. Ob nun die eine oder andere Folge einer Serie hätte sein müssen, kann man immer diskutieren. Aber wir Produzent*innen arbeiten alle unter einem enormen Kostendruck, sodass von Verschwendung wirklich keine Rede sein kann.

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