In der Politsatire «Irresistible - Unwiderstehlich» battlen Steve Carell und Rose Byrne um die Gunst ihrer Wähler. Dabei legt Regisseur und Autor Jon Stewart diverse Missstände der US-amerikanischen Politik offen und ist ganz nebenbei auch noch echt lustig.
Im Vorspann zu «Irresistible» unternimmt Jon Stewart einen Streifzug durch die vergangenen Jahrzehnte politischer Führung in den USA. Chronologisch sehen wir Fotografien früherer Präsidenten und Präsidentschaftsanwärter im Kontakt mit Wählern und potenziellen Stimmgebern – bis auf dem letzten Bild ein gelangweilt vor seinem Teller Nudeln hockender Donald Trump sitzt, der daran zu scheitern droht, eine Gabel Spaghetti in seinen Mund zu befördern. Im US-amerikanischen Politgeschehen ist eben alles möglich. Und genau das einzufangen, ist Jon Stewart mit «Irresistible» hervorragend gelungen. Im Mittelpunkt steht mit Gary Zimmer ein verzweifelt um demokratische Stimmen aus den ländlichen Gebieten der USA ringender Berater, der nicht umsonst von Steve Carell gespielt wird. Gewiss hat sich Carell durch Performances in «Foxcatcher» und «Willkommen in Marwen» längst auch im ernsten Schauspielfach bewiesen. Doch mit seiner hier stark an seine «Space Force»-Darbietung erinnernden Performance ist Carell einfach der ideale Kandidat, um seiner Figur aller ernsthaften Absichten zum Trotz einen tollpatschigen Anstrich zu geben, ohne sie direkt inkompetent erscheinen zu lassen.
Dass sich Gary sogar an den Plan macht, einen Noname zum potenziellen Bürgermeister hochzujazzen, bloß weil der mal eine viral gegangene Rede im Sinne seiner Kleinstadtmitbürger gehalten hat, sieht da auf den ersten Blick ebenso skurril aus, offenbart jedoch gerade im Hinblick auf den aktuell an der Macht befindlichen US-Präsidenten den echten Kern. Heutzutage muss man nicht einmal mehr Politiker sein, um das höchste politische Amt der Welt zu bekleiden. In «Irresistible» denkt Jon Stewart zwar eine Nummer kleiner, die von ihm angewandten Erzählmechanismen und Pointen ließen sich aber nahezu unverändert auch auf deutlich höhere, politische Ebenen übertragen. Natürlich inklusive der exzentrischen Streitereien zwischen Gary und seiner Erzfeindin Faith Brewster, die den amtierenden, republikanischen Bürgermeister Brown betreut und für ein weiteres Amtsjahr zu rabiat-komischen Methoden greift.
Obwohl Stewart «Irresistible» deutlich mit der Mentalität einer Komödie versieht, nimmt er den entscheidenden Kern darum, wie Politik in den USA funktioniert, sehr, sehr ernst. Das trifft auch auf einen äußerst smarten Twist im Finale zu, der in bester «Vice»-Manier (weshalb das sogar auch auf der inszenatorischen Ebene zutrifft, wollen wir aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht verraten) den Spotlight auf menschliche Versäumnisse – oder besser: Blödheit – richtet, was einen Teil der vorherigen Ereignisse in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Vielleicht ist das auch ein Grund für die eher verhaltenen Kritiker- und Publikumsstimmen in den USA, die im Grunde dasselbe an «Irresistible» kritisieren wie damals schon an «Vice»: das vermeintliche Austeilen gegen die Menschen, die sich die aktuelle politische Lage in den USA selbst eingebrockt haben. Doch anders als vorwiegend gegen die Republikaner zu schießen, kritisiert Stewart hier in erster Linie das System im Gesamten und nicht die einzelnen Parteiausrichtungen. Darüber hinaus gelingen Stewart auch im Kleinen sehr amüsante Beobachtungen, allen voran in der Interaktion eines Großstädters mit der vorwiegend republikanisch geprägten Landbevölkerung.
Sie können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander.


• The Big Short • Vice – Der zweite Mann • I Tonya • Hustlers • Bad Education • Irresistible • Irresistable • Rosewater • Foxcatcher • Willkommen in Marwen • Space Force • Spy – Susan Cooper Undercover • Vice • Irresistible – Unwiderstehlich
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Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
05.08.2020 11:54 Uhr 2
05.08.2020 12:16 Uhr 3
Erstens versteht offensichtlich NICHT nur Carell "seinen" Humor, sonst hätte er nur genau einen Film drehen dürfen und danach nie wieder - und zweitens ist es natürlich sowieso nur bis zu einem gewissen Grad Carells Humor, da er ja keine Drehbücher schreibt, sondern sie lediglich interpretiert.
05.08.2020 14:28 Uhr 4