Ein Junge trifft ein Mädchen und verliebt sich. Neu ist die Ausgangssituation von Makoto Shinkais neuem Film nicht. Aber selten hat man diese Geschichte schöner im Kino zu sehen bekommen.
Oberschüler Hodaka hält es in der Enge seiner Heimatprovinz nicht mehr aus und flüchtet regelrecht nach Tokio. Die Wünsche und Träume aber, die ihn begleiten, werden um ein Haar bereits auf der Fähre in die japanische Hauptstadt beendet - als eine durch ein plötzlich aufziehendes Unwetter entstandene Welle das Schiff erfasst und Hodaka fast über Bord spült. Doch Hodaka hat Glück. Ein ziemlich heruntergekommener Typ namens Keisuke rettet ihn – und lässt sich auf seine Kosten erst einmal zu einem anständigen, für Hodaka ziemlich teures Mittagessen einladen. Überhaupt das Geld. Kaum in Tokio angekommen, stellt Hodaka fest, dass das Leben sehr teuer ist. Vor allem für einen Jungen, der nicht einmal offiziell in der Stadt arbeiten darf. Vor dem Gesetz gilt er als Schüler mit 16 Jahren als Minderjähriger und – Ausreißer. So schlägt er sich die ersten Nächte auf der Straße durch, findet eine Absteige, die bei dem Alter nicht ganz genau hinschaut, und ernährt sich hauptsächlich von Suppen. Jeder Versuch eine Hilfsarbeit zu finden endet in dem Moment, in dem er nach seinem Ausweis gefragt wird.
Regisseur Makoto Shinkai stammt aus einer kleinen Provinzstadt und seine Liebe zu Coming-of-Age-Geschichten lässt auf eine autobiografische Sehnsucht schließen. Der Sehnsucht des Jungen vom Land nach dem Leben in der großen Stadt. Einer Stadt, die jedoch Jungs wie Hodaka ablehnt und kalt empfängt. Es ist demnach wenig verwunderlich, dass sämtliche Hauptfiguren des Filmes Außenseiter sind. Hodaka, Hina, das Mädchen, das sich für ihren Bruder aufopfert. Keisuke, der irgendwie einfach über die Runden kommen will. Und Natsumi, die mit einem vorlauten Mundwerk gesegnet, in der hierarchisch geprägten Gesellschaftsstruktur Japans ebenfalls irgendwie am falschen Platz geboren zu sein scheint.
Wiederholen konnte Makoto Shinkai den Erfolg seines Vorgängerfilmes mit «Weathering With You» nicht. Bei einem Einspielergegbnis von 101 Mio Dollar (nur in Japan) dürfte sich die Enttäuschung allerdings in Grenzen halten. Was der Film gekostet hat, wird von der Produktionsfirma CoMix Wave Films ebenso unter Verschluss gehalten wie vom japanischen Verleiher Toho. Universum Anime als deutscher Verleiher setzt bei seiner Kinoauswertung auf das gleiche Prinzip, das er schon 2018 angewandt hat: Der Film wird nur am 16. und 19. Januar in den Kinos gezeigt. Anime-Fans wird dies freuen, sollten Kino Bedarf anmelden, sind weitere Termine möglich. Dabei ist «Weathering With You» mit so leichter Hand inszeniert, dass er durchaus über diese Fanzirkel hinaus Strahlkraft entwickeln könnte, wenn man ihn an sich heranlässt. Mit seinem eher sanften Humor, seiner fantasievollen Geschichte und seinen liebenswerten Charakteren vergisst man sehr schnell, dass all das, was man sieht, nur gezeichnet ist. Aber wer weiß, vielleicht kommt «Weathering With You» ja irgendwann ein zweites Mal in die Kinos. Neu verfilmt mit höchst lebendigen Schauspielerin in den Hauptrollen. Nein, geplant ist da nichts. Nachdem allerdings J.J. Abrams (mit seiner Produktionsfirma Bad Robot) und Paramount die Rechte an «Your Name» erworben haben, um eine Realverfilmung zu produzieren, sollte man so etwas nicht zwingend ausschließen. 

• Weathering With You • Your Name
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