Die Prämisse von «The Silence» kommt einem bekannt vor. Wie schlägt sich der Film, in dem es darum geht, dass Menschen kein Laut von sich geben dürfen, um nicht von bösen Vogelmonstern attackiert zu werden?
Wie der Name schon sagt, geht es auch in «The Silence» darum, möglichst keinen Muchs zu machen, damit einen den Tod bringende Wesen in Form von blutrünstigen Urzeitvögeln nicht den Garaus machen. Damit hätten wir auch direkt eines der Kernprobleme an «The Silence»: Gut getrickst ist an den Vögelviechern nämlich gar nichts und wenn sie nicht gerade in Schwärmen auf Hochspannungsmasten sitzen (Hitchcocks Vögel lassen grüßen!) und mit ihren übernatürlich gut ausgebildeten Lauschern darauf warten, auf welches Ziel sie sich als nächstes zu stürzen haben, dann wirken sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den explodierenden Vogelmonstern aus dem Trash-Klassiker «Birdemic» nämlich ganz schön scheußlich (und zwar nicht im positiven Sinn). Gruselig wirken sie jedenfalls nicht. Dafür versprühen sie gerade in den besagten Schwärmen – auch gern in riesigen Formationen am Himmel kreisend – eine ganz eigene, beunruhigende Atmosphäre, sodass sie von Weitem immerhin einen durchaus ernst zu nehmenden Antagonisten darstellen.
Angeführt von Stanley Tucci, dessen Rollenauswahl mittlerweile von Charakterdramen à la «Kindeswohl» über pompöse Blockbusterunterhaltung der Marke «Transformers» bis hin zu B-Heimkinoware wie «Patient Zero» reicht, fungiert als Oberhaupt einer Familie, die in dem apokalyptischen Chaos irgendwie versucht, alles richtig zu machen und der dies dank Geschick und Übersicht auch die meiste Zeit über gelingt. Das geht sogar so weit, dass sich das Skript von Carey und Shane van Dyke («Chernobyl Diaries») einige humoristische Spitzen erlauben kann, ohne dass die beklemmende Atmosphäre dadurch direkt einzustürzen beginnt. Hier ergeben sich augenzwinkernde Momente vor allem aus den Umständen und nie durch gezielt geschriebene Gags – Ironie des Schicksals sozusagen; und die Darsteller sind dank ihrer überzeugenden Performance dazu in der Lage, das Erzählkonstrukt zusammenzuhalten. Dabei schöpft das Drehbuch das volle Potenzial der Figure allerdings nicht immer aus:
Genauso wenig erschließt sich einem übrigens auch, was sich die Macher beim Ende gedacht haben. Wenn hier nämlich aus dem Nichts ein fanatisch-religiöser Kult auftaucht, der sich das Szenario zunutze macht, um seine krude Philosophie unter die Menschen zu bringen, verliert «The Silence» seinen Fokus vollkommen. Es ist zwar schon eine nette Botschaft, dass der Film damit endet, dass hier am Ende doch wieder der Mensch gegen den Menschen kämpft, obwohl hier lange Zeit eigentlich die Natur der ultimative Endgegner war. Trotzdem wirkt der Part rund um den angsteinflößenden Sektenführer wie mit der Brechstange in den Film gehämmert und bringt – anders als etwa die bereits erwähnten Humoreinschübe – das zuvor aufgebaute Flair des Films nahezu vollständig zum Einsturz (auch wenn es ohne ihn eine der stärksten Szenen im Film, Stichwort: Smartphones, gar nicht gäbe). Das ist schade, denn Regisseur John R. Leonetti legt ansonsten ein bereits in den «Conjuring»-Filmen, für die er die Kamera führte, und seiner Regiearbeit «Annabelle» bewiesenes Gespür für Spannung und Stimmung hin. «The Silence» sieht gut aus und hört sich gut an. Schade, dass die sprunghafte Geschichte da nicht immer mithalten kann und die clever agierenden Figuren die wesentlich weniger smarten Entwicklungen nicht vollständig ausgleichen können.

• A Quiet Place • Bird Box • The Silence • Birdemic • Kindeswohl • Transformers • Patient Zero • Chernobyl Diaries • Conjuring • Annabelle
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
15.05.2019 12:12 Uhr 1
15.05.2019 19:33 Uhr 2
15.05.2019 19:33 Uhr 3