Die Kino-Kritiker

«Nachts im Museum - Das geheimnisvolle Grabmal»

von

In der zweiten Fortsetzung der beliebten Filmreihe verlagert Regisseur Shawn Levy den Schauplatz von New York nach London und lässt das Team aus Menschen und Museumsartefakten wieder allerhand Abenteuer bestehen.

Filmfacts: «Nachts im Museum - Das geheimnisvolle Grabmal»

  • Kinostart: 18. Dezember 2014
  • Genre: Komödie
  • FSK: 6
  • Laufzeit: 97 Min.
  • Kamera: Guillermo Navarro
  • Musik: Alan Silvestri
  • Buch: David Guion, Michael Handelman
  • Regie: Shawn Levy
  • Darsteller: Ben Stiller, Robin Williams, Owen Wilson, Rebel Wilson, Steve Coogan, Ricky Gervais, Dan Stevens, Ben Kingsley, Skyler Gisondo
  • OT: Night at the Museum: Secret of the Tomb (USA/UK 2014)
Die «Nachts im Museum»-Reihe gehört zu ebenjenen Franchises, die vor Fertigstellung des aller ersten Streifens überhaupt nicht als mehrteilige Geschichte angelegt waren. 2006 fiel Regisseur Shawn Levy («Sieben verdammt lange Tage») das gleichnamige Kinderbuch zum Auftakt der Museumsabenteuer in die Hände, der die Story um einen Nachtwächter und seine lebenden Artefakte als bunte Mischung aus CGI-Spektakel und liebevoller Selbstfindungs-Tragikomödie arrangierte. An den Kinokassen erwies sich diese Herangehensweise als überraschend rentabel: Bei Kosten von rund 110 Millionen US-Dollar spielte «Night at the Museum», wie Teil eins im Original heißt, über eine halbe Milliarde Dollar ein und ebnete somit den Weg für eine Fortsetzung. 2009 nahm Levy erneut auf dem Regiestuhl Platz, bekam vom verantwortlichen Studio 20th Century Fox prompt mehr Geld an die Hand und verließ sich bei der Inszenierung von «Nachts im Museum 2» auf dieselben Erfolgsfaktoren wie bereits drei Jahre zuvor. Offenbar einen Tick zu sehr, denn trotz eines erhöhten Budgets von nunmehr 125 Millionen Dollar gingen das internationale Einspiel leicht zurück; an den deutschen Kinokassen lösten fast eine Million Zuschauer weniger ein Ticket für die Fortsetzung denn noch für das Kultpotential aufweisende Original.

So wundert es kaum, dass man sich mit der Ankündigung eines weiteren Sequels vier Jahre Zeit ließ, eh man «Nachts im Museum – Das geheimnisvolle Grabmal» sogar erst Ende 2014 und somit ganze fünf Jahre nach Teil zwei auf die großen Leinwände entlässt. Fans seiner beiden Vorgänger werden sich auch am neuesten Ausflug ins nächtliche Naturkundemuseum von New York erfreuen, denn Shawn Levy hat die Erfolgsformel seiner ersten beiden Filme einmal mehr nur übersichtlich variiert. Gleichzeitig gibt «Nachts im Museum 3» wenig auf aktuelle Trends, verzichtet trotz angebrachter Thematik gar auf 3D-Effekte. Man möchte also fast ins nostalgische Schwärmen geraten, wenn der Regisseur und seine Darsteller beweisen, wie zeitlose Unterhaltung funktioniert: frei von der Berücksichtigung des von medialen Gadgets und technischen Spielzeugen geprägten Zeitgeists. Vielleicht ist «Nachts im Museum» sogar die letzte reinrassige Abenteuerfilmreihe Hollywoods?

Als sich die Ausstellungsstücke des New Yorker Naturhistorischen Museums, die nachts zum Leben erwachen, plötzlich merkwürdig zu benehmen beginnen, muss Larry (Ben Stiller), der inzwischen zum Chef des Nachtbetriebs im Museum aufgestiegen ist, herausfinden warum. Er stellt fest, dass die altägyptische Tafel, die auf mysteriöse Weise die Exponate zum Leben erweckt, nach und nach zerfällt und wohl nur im British Museum in London restauriert werden kann. Larry, der alles tun würde, um seine „Museumsfamilie” zu retten, reist mit seinem Sohn Nick (Skyler Gisondo) und den anderen Artefakten von New York in die britische Hauptstadt, um das Geheimnis der antiken Tafel zu enträtseln.

Obwohl zwischen «Nachts im Museum» und «Nachts im Museum – Das geheimnisvolle Grabmal» etwa acht Jahre liegen, möchte man meinen, den Zauber, den einst die Eröffnung der «Night at the Museum»-Reihe ausstrahlte, noch immer zu spüren. Dazu tragen insbesondere Ben Stiller und sein einmal mehr furioses Ensemble bei, das sich innerhalb der insgesamt drei Teile nur in kleinsten Nebenrollen veränderte. So bekommt man Ben Stiller («Das erstaunliche Leben des Walter Mitty») in seinem neuesten Film nun in einer Doppelrolle zu sehen, während sich Rebel Wilson («Pitch Perfect») als gefrustete Museumswächterin und Dan Stevens («Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones») als überambitionierter, jedoch im falschen Jahrhundert befindlicher Ritter Lancelot ordentlich bis hervorragend in das gefestigte Team integrieren. Auch ein geschrumpfter Owen Wilson («Grand Budapest Hotel») und sein bester, nicht minder kleiner Winzlings-Freund Steve Coogan («Philomena») sind einmal mehr mit an Bord dieses bunten Treibens und schlagen sich, das Geschehen immer wieder süffisant kommentierend, auf ihre ganz eigene Art durch das aufbrausende Abenteuer. Und natürlich wäre da auch noch dieser ganz besondere Auftritt der in diesem Jahr verstorbenen Schauspiellegende Robin Williams («Der Club der toten Dichter»). Schon in «Nachts im Museum 1 und 2» gehörte er als lebende Wachsfigur des einstigen US-Präsidenten Roosevelt nicht nur zu den humoristischen, sondern erwartungsgemäß auch zu den schauspielerischen Highlights. In «Das geheimnisvolle Grabmal» ist es Williams‘ ansteckende Ruhe, die seiner ohnehin würdevollen Rolle noch ein gutes Stück mehr Respekt, aber auch Liebenswürdigkeit und Motivation einverleibt. Williams macht den unnahbaren Präsidenten zu einem echten Abenteurer, den man sich auf geheimer Mission unabdingbar an die Seite wünscht. Umso tragischer der Moment, in welchem der Plot auf das etwaige Ableben der Filmfigur zusteuert und der Streifen ein Finale auffährt, das nicht zwingend zu einer weiteren Fortsetzung einlädt.

Innerhalb der Story hat somit nicht jede Figur denselben Stellenwert. Während sich Comedy-Wuchtbrumme Rebel Wilson zwar nicht aufdrängt, als mal hysterisch keifende, mal überdeutlich ihre Rundungen betonende und immer wieder Grimassen schneidende Figur aber auch nicht zwingend die inhaltlich stärksten Akzente setzt, beweisen die Drehbuchautoren David Guion und Michael Handelmann («Dinner für Spinner») mit der Einführung anderer Charaktere ein besseres Händchen für die maximale Auslotung noch so kleiner Nebenfiguren. Dan Stevens gefällt sich sichtlich in seiner zwischen Machoattitüden und Abenteuerlust schwankenden Rolle des leibhaftigen Ritters und auch die Doppelbesetzung von Ben Stiller hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht, ist aber durchaus für den einen oder anderen Lacher gut. Einzig das Verhältnis zwischen Larry und seinem rebellierenden Sohn Nick erhält neben einem mühselig aufgebauten Durchschnittskonflikt eine ebensolche Alibiauflösung, der dem ansonsten so ehrlichen Film noch jene Prise Moral beimengt, den schon die ersten beiden Teile innehatten. Dafür entschädigt stattdessen der großartige Cameo-Auftritt eines Hollywoodstars, der in seiner entwaffnenden Ehrlichkeit auch von dem «21 Jump Street»-Duo Phil Lord und Chris Miller hätte stammen können.

Mit Ausnahme einiger übergroßer Logiklöcher, die insbesondere im Prolog des Films zu finden sind, fährt «Nachts im Museum 3» all das auf, womit schon seine beiden Vorgänger punkten könnten. Der Schauplatz verlagert sich zwar von New York in die britische Hauptstadt London, doch sieht man von dem neuen Setting, an dem zu weiten Teilen auch in der Realität gedreht wurde, und den unzähligen neuen, bravourös am Computer animierten Artefakten, mit denen der Regisseur wieder einmal allerhand Kurioses anstellt, einmal ab, bietet «Das geheimnisvolle Grabmal» eine klassische Abenteuergeschichte. Der Konfliktpunkt der langsam rostenden Steintafel ist klar definiert, der Weg zur Lösung ist gespickt mit kurzgeschichtenartig aneinandergereihten Szenerien, wie dem Ausbruch der Miniatur-Versions des Vulkans Pompeji oder dem Duell mit einem mehrköpfigen Drachendämon. Das alles ist kurzweilig, perfekt animiert, bietet dem anspruchsvolle Filmkost suchenden Publikum allerdings wenig Neues. Doch besinnt man sich auf den Zweck einer Produktion dieses Kalibers, so lässt sich zusammenfassen, dass Shawn Levy mit «Nachts im Museum – Das geheimnisvolle Grabmal» wieder einmal alles richtig gemacht und einen Film für jede Altersklasse inszeniert hat, dessen Charme man sich aus so vielen Gründen schlicht nicht entziehen kann.

Fazit: Innovativ geht anders. Trotzdem beweist Shawn Levy mit seiner neuesten Regiearbeit ein wahres Händchen für zeitlos romantisches Abenteuerkino für die ganze Familie.

«Nachts im Museum – Das geheimnisvolle Grabmal» ist ab sofort bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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