Tatsächlich die Ehrlichkeit dahinter. Im Ratschläge-Geben sind wir alle sehr gut, aber wenn es um unsere eigenen blinden Flecken geht, wissen wir uns selber ganz oft nicht zu helfen oder trauen uns nicht, um Hilfe zu bitten.
Caro ist selbstbewusst, schlagfertig und erfolgreich, gerät aber ausgerechnet durch ihre eigenen Gefühle ins Wanken. Wie haben Sie diese Gegensätze angelegt?
Ich fand es spannend, die Geschichte so zu erzählen, dass sie zwar ins Wanken gerät, sich dann aber ganz klar für die Frau und die Freundschaft entscheidet. Eine Frau, in der sie etwas sieht, was sie berührt und der sie helfen möchte.
Ihre Figur lebt davon, das Beste in anderen Menschen zu sehen. Glauben Sie, dass wir im Alltag oft zu schnell urteilen, anstatt genauer hinzuschauen?
Absolut! Das Urteilen, das Sich-von-anderen-Abheben-Wollen oder gar von oben herab zu urteilen, führt am Ende immer zur Trennung. Ich kann von jeder Person etwas lernen, wenn ich mich auf mein Gegenüber tatsächlich einlasse – und genau damit schaffe ich Verbindung.
Der Film stellt die Frage, ob man Beruf und Gefühle wirklich voneinander trennen kann. War das für Sie der spannendste Konflikt der Geschichte?
Ich glaube nicht, dass man Beruf und Gefühle voneinander trennen kann. In allem, was man als Mensch tut, sind immer Gefühle dabei. Ich kann mich nie von meinen Gefühlen trennen. Ich kann versuchen, professionell zu bleiben, aber meine Gefühle sind immer mit dabei – egal, was für Entscheidungen ich treffe.
Mit Tom Beck spielt Caro ausgerechnet den Mann, den sie eigentlich für eine andere Frau gewinnen soll. Wie haben Sie die gemeinsame Dynamik entwickelt?
Wir haben viel geprobt, improvisiert, und immer wieder verschiedenste Situationen ausprobiert, um herauszufinden, wie die Figuren zueinander stehen. Es ist immer wieder faszinierend, wie viel man plötzlich über seine eigene Figur erfährt.
Gleichzeitig gerät Caros Familienleben aus den Fugen: Ihre Tochter möchte die Schule abbrechen und ihr Ex-Mann mischt sich wieder ein. Wie wichtig war Ihnen diese familiäre Ebene neben der Liebesgeschichte?
Die hat mich tatsächlich sehr berührt. Ich fand diesen „Nebenschauplatz“ ganz wichtig, weil er das echte Leben und das Gefühlschaos von Caro noch einmal tiefer erzählt. Sie muss nun anfangen, auf ganzer Ebene loszulassen – ein notwendiger und doch immer wieder schmerzhafter Prozess.
Caro ist keine klassische romantische Heldin, sondern bringt Lebenserfahrung, Ecken und Kanten mit. Ist das eine Figur, die heutigen Herzkino-Geschichten besonders guttut?
Ich finde es grundsätzlich wichtig und richtig, gute Frauenfiguren zu erzählen. Wenn sie dann auch noch Ecken und Kanten haben dürfen, umso schöner. Es wird Zeit, Frauen in all ihrer Pracht zu erzählen – mit allem, was sie mitbringen. Diversität auf allen Ebenen.
«Eine Wingwoman verliebt sich nicht» verbindet romantische Komödie mit ernsteren Themen wie Trennung, Patchwork-Familie und Selbstzweifeln. Was hat Ihnen an dieser Mischung besonders gefallen?
Dass es das echte Leben erzählt. Wir Frauen sind Multitasking-Talente. Wir dürfen einer Frau dabei zusehen, wie sie all diese Baustellen manövriert, und hoffentlich einen Impuls dafür setzen, dass das Innehalten manchmal die bessere Variante ist, als durch das Leben zu rauschen und sich selbst dabei zu vergessen.
Wolfgang Eißler hat bereits zahlreiche erfolgreiche Fernsehfilme inszeniert. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihm erlebt?
Das war voller Energie und Überraschungen. Wolfgang hat viel mit uns geprobt und ausprobiert. Oft hat er einem von uns etwas ins Ohr geflüstert, ohne dass das Gegenüber Bescheid wusste. So sind immer wieder überraschende Momente entstanden.
Im Film geht es immer wieder darum, authentisch zu bleiben und sich nicht für andere zu verstellen. Ist das eine Botschaft, die Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt?
Ich denke, dass es vor allem wichtig ist, vulnerabel zu bleiben. Wenn wir uns wirklich, ehrlich und wahrhaftig begegnen wollen, müssen wir bereit sein, uns zu zeigen.
Herzkino lebt von großen Gefühlen, aber auch von Leichtigkeit und Humor. Worauf dürfen sich die Zuschauer an einem unterhaltsamen Sonntagabend besonders freuen?
Auf das Zusammentreffen von sehr viel Spielfreude, die jeder Einzelne mitgebracht hat, sowie auf viele lustige, skurrile und emotionale Momente. Alle Figuren bringen etwas ganz Essenzielles mit: die Suche nach sich selbst.
Danke für das Gespräch!
«Eine Wingwoman verliebt sich nicht» ist am Sonntag, 30. August, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. Der Film ist bereits seit 21. August im ZDF streambar.







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