Filme des Grauens

«Cool as Ice»

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Mit „Ice Ice Baby“ wurde Vanilla Ice praktisch über Nacht zum Weltstar. Hollywood wollte den Erfolg sofort ausnutzen und baute mit «Cool as Ice» einen ganzen Film um den Rapper.

Es gibt Filme, die eine erfolgreiche Karriere krönen sollen, aber stattdessen deren Ende einleiten. «Cool as Ice» gehört zweifellos in diese Kategorie. Das 1991 veröffentlichte Musikdrama wurde vollständig auf den damaligen Ruhm des Rappers Vanilla Ice zugeschnitten. Die Geschichte, die Figuren und selbst die Bildsprache sollten ihn als coolen Rebellen, romantischen Helden und musikalischen Superstar inszenieren. Doch das Publikum blieb fern, die Kritiker reagierten mit Spott und Vanilla Ice wurde kurz darauf zu einem Symbol für die Kurzlebigkeit des frühen 1990er-Jahre-Popgeschäfts.

Vanilla Ice, der mit bürgerlichem Namen Robert Van Winkle heißt, hatte zuvor mit „Ice Ice Baby“ einen enormen Erfolg gefeiert. Das Lied wurde zu einem der bekanntesten Rap-Hits seiner Zeit, sein Album „To the Extreme“ verkaufte sich millionenfach. Die Verantwortlichen seines Plattenlabels wollten die Popularität möglichst schnell auf die Kinoleinwand übertragen. Nachdem bekannt geworden war, dass Ice Cube in John Singletons Drama «Boyz n the Hood» mitwirkte, sollte auch Vanilla Ice ein eigenes Filmprojekt erhalten. Der entscheidende Unterschied bestand jedoch darin, dass «Boyz n the Hood» eine ernsthafte Geschichte erzählte, während «Cool as Ice» in erster Linie ein ausgedehntes Werbevideo für seinen Hauptdarsteller war.

Vanilla Ice spielt Johnny Van Owen, einen umherreisenden Rapper, der mit seiner Motorradgruppe von Stadt zu Stadt zieht. Zu Beginn tritt Johnny in einem Club auf, rappt, tanzt und präsentiert sich genau so, wie das Publikum Vanilla Ice aus seinen Musikvideos kannte. Während der Fahrt durch eine Kleinstadt fällt ihm die junge Kathy Winslow auf, die gemeinsam mit ihrem Freund Nick unterwegs ist. Johnny springt mit seinem Motorrad über ein Hindernis und landet beinahe direkt vor Kathy. Seine romantische Annäherung beginnt also nicht mit einem Gespräch, sondern mit einer gefährlichen Motorradaktion.

Als eines der Motorräder seiner Freunde repariert werden muss, bleibt die Gruppe in der Stadt. Johnny nutzt die Gelegenheit, um Kathy zu verfolgen und ihr deutlich zu machen, dass sie ihren bisherigen Freund verlassen sollte. Bei einem Clubbesuch unterbricht Johnny kurzerhand die auftretende Band, übernimmt die Bühne und führt gemeinsam mit seiner Gruppe einen eigenen Song auf. Kathy ist beeindruckt, Nick dagegen gedemütigt. Es folgen Schlägereien, Motorradausflüge und eine Beziehung, die nahezu ausschließlich daraus besteht, dass Johnny sich aufdringlich verhält und Kathy dies irgendwann als romantisch empfindet.

Gleichzeitig versucht der Film, eine Kriminalgeschichte zu erzählen. Kathys Vater Gordon lebt mit seiner Familie unter falscher Identität. Früher war er Polizist und sagte gegen zwei korrupte Kollegen aus. Diese haben ihn nun wiedergefunden und beginnen, die Familie zu beobachten. Schließlich entführen sie Kathys jüngeren Bruder Tommy und fordern Geld. Johnny erkennt anhand eines Geräusches auf einer Tonbandaufnahme, dass der Junge an einer Baustelle festgehalten wird. Gemeinsam mit seinen Freunden rettet er Tommy, gewinnt das Vertrauen von Kathys Vater und darf mit seiner neuen Freundin in den Sonnenuntergang fahren.

Bereits diese Zusammenfassung zeigt das zentrale Problem von «Cool as Ice»: Der Film kann sich nicht entscheiden, was er sein möchte. Teilweise wirkt er wie ein langes Musikvideo, dann wie eine harmlose Teenagerromanze und schließlich wie ein Kriminalfilm über Zeugenschutz und korrupte Polizisten. Die einzelnen Bestandteile passen kaum zusammen. Besonders die Entführungsgeschichte wirkt, als sei sie nachträglich ergänzt worden, damit Johnny im Finale nicht nur cool aussehen, sondern auch noch ein echter Held sein kann.

Auch die Liebesgeschichte funktioniert kaum. Johnny besitzt keine erkennbare Entwicklung. Er taucht in der Stadt auf, beleidigt Kathys Freund, verfolgt sie, steigt ungefragt in ihr Leben ein und erwartet, dass sie sich in ihn verliebt. Seine berühmteste Lebensweisheit lautet sinngemäß: „Lass das Nichts fallen und komm zum Helden.“ Dieser Satz wurde zum Sinnbild für die unbeholfenen Dialoge des gesamten Films.

Vanilla Ice spielte im Grunde keine Figur, sondern eine übersteigerte Version seines damaligen Bühnenimages. Seine Kleidung, Frisur, Motorräder und Tanzbewegungen stehen stärker im Mittelpunkt als die Geschichte. Jede Einstellung soll vermitteln, wie außergewöhnlich cool Johnny angeblich ist. Gerade diese permanente Selbstinszenierung erreicht jedoch das Gegenteil. Weil der Film nie Distanz zu seinem Hauptdarsteller entwickelt, wirkt er heute wie ein unfreiwillig komisches Dokument eines sehr kurzen Popkulturmoments.

Hinzu kam, dass Vanilla Ices Image bereits während der Produktion Risse bekam. Medienberichte stellten Teile seiner sorgfältig aufgebauten Biografie infrage. Sein Plattenlabel räumte später ein, den Musiker zu stark vermarktet und übermäßig präsent gemacht zu haben. Aus dem gefeierten Rapstar wurde innerhalb kurzer Zeit eine Zielscheibe für Spott. Als «Cool as Ice» am 18. Oktober 1991 in die amerikanischen Kinos kam, war die Begeisterung für Vanilla Ice bereits deutlich abgeklungen.

Finanziell geriet der Film zu einem schweren Flop. Die Produktion kostete rund sechs Millionen US-Dollar, spielte in Nordamerika aber nur knapp 1,2 Millionen Dollar ein. Am Eröffnungswochenende kamen lediglich etwa 639.000 Dollar zusammen. Der Film startete zudem nur in 393 Kinos und erreichte in den Wochencharts gerade einmal den 14. Platz. Auch die Kritiken waren verheerend. Bemängelt wurden die dünne Handlung, Vanilla Ices begrenztes schauspielerisches Talent und die offensichtliche Absicht, lediglich einen Musikstar zu vermarkten. Bei Rotten Tomatoes kommt der Film auf nur wenige positive Rezensionen, während Metacritic einen Wert von 24 von 100 Punkten ausweist. Bei der Goldenen Himbeere war «Cool as Ice» unter anderem als schlechtester Film, für die schlechteste Regie und das schlechteste Drehbuch nominiert. Vanilla Ice gewann den Preis als schlechtester neuer Star. Regisseur David Kellogg distanzierte sich später sogar von seinem eigenen Film.

Für Vanilla Ice kam der Film genau im falschen Moment. Sein Aufstieg war äußerst schnell verlaufen, doch ebenso rasch sank seine Popularität. «Cool as Ice» war nicht allein für diesen Absturz verantwortlich, wurde aber zum sichtbarsten Symbol dafür. Ein geplanter Übergang vom Musiker zum Filmstar fand nicht statt. Stattdessen galt Vanilla Ice viele Jahre als Relikt und Pointe der frühen 1990er Jahre. Vollständig verschwunden ist er allerdings nicht. Vanilla Ice veröffentlichte weitere Musik, trat in Filmen und Realityshows auf und baute sich ein zweites Standbein im Immobilienbereich auf. Seine Renovierungssendung «The Vanilla Ice Project» lief neun Staffeln lang. Auch 2026 tritt er weiterhin bei Nostalgiekonzerten auf und vermarktet erfolgreich sein Image als Ikone der 1990er Jahre.

Kristin Minter, die Kathy spielte, war später in zahlreichen Serien und Filmen zu sehen. Bekannt wurde sie unter anderem als Randi Fronczak in «Emergency Room». Michael Gross, der Kathys Vater verkörperte, hatte bereits zuvor mit «Familienbande» großen Erfolg und blieb vor allem durch seine Rolle als Waffenliebhaber Burt Gummer in der «Tremors»-Reihe präsent. Kathryn Morris, die in «Cool as Ice» nur eine kleine Rolle übernahm, wurde Jahre später mit der Krimiserie «Cold Case» zum Fernsehstar. Auch hinter der Kamera entwickelte sich mindestens eine bemerkenswerte Karriere: Kameramann Janusz Kamiński arbeitete später regelmäßig mit Steven Spielberg zusammen und gewann Oscars für «Schindlers Liste» und «Der Soldat James Ryan».

Gerade diese Beteiligung macht «Cool as Ice» rückblickend noch kurioser. Einige Bilder des Films sind tatsächlich auffällig gestaltet. Leuchtende Farben, ungewöhnliche Einrichtungen und stark komponierte Einstellungen sorgen dafür, dass die Produktion teilweise besser aussieht, als es das Drehbuch verdient. Die extravagante Werkstatt, in der Johnnys Motorrad repariert wird, wirkt wie eine Mischung aus Kunstinstallation, Comicwelt und Musikvideokulisse. Visuell besitzt der Film deshalb mehr Eigenständigkeit als viele andere gescheiterte Musikprojekte.

Das Ergebnis ist kein gewöhnlich schlechter Film, sondern eine eingefrorene Momentaufnahme eines Hypes. «Cool as Ice» dokumentiert, wie schnell ein Star aufgebaut, ausgebeutet und anschließend fallengelassen werden kann. Der Film wollte Vanilla Ice unsterblich machen, beschleunigte aber den Absturz seines Images. Künstlerisch und finanziell war das Werk ein Desaster. Als unfreiwillige Komödie und Zeitkapsel der frühen 1990er Jahre ist es dagegen bis heute kaum zu übertreffen.

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