Rund eineinhalb Jahre hat die Verlängerung von «Achtsam Morden» bei Netflix gedauert. Hinter dem Projekt steht auch weiterhin Constantin Film. Die Produktion punktet erneut mit stimmungsvollen Schauplätzen und einer hochwertigen Optik. Die knapp viereinhalbstündige zweite Staffel erschien Ende Mai 2026 und lässt sich problemlos an einem Nachmittag am Stück konsumieren. Damit die Zuschauer auch nicht zu lange warten müssen, wurde bereits im Januar 2026 die dritte Staffel versprochen.Zu Beginn der neuen Runde macht Björn (Tom Schilling) mit seiner Frau Katharina (Emily Cox) und seiner Tochter Emily (Pamuk Pilavci) Urlaub in Österreich. Das Bergpanorama sorgt sofort für Urlaubsstimmung. Die Bilder sind so einladend, dass man am liebsten selbst in die Gondel steigen und auf der Alm einen Kaiserschmarrn bestellen würde. Doch da die meisten Menschen sich diesen Spontanausflug nicht erlauben können, muss die Serie weitergesehen werden. Und diese Situation hatten wir alle schon einmal: eine Hütte in Betrieb, aber der Kellner ignoriert mich. Das ist vor allem für Björn und seine Familie unerquicklich, schließlich scheint sich der Wirt auch keine Mühe zu geben. Bevor die Familie bestellen kann, dürfen andere Menschen sich über Aufmerksamkeit freuen. Andere Gäste werden bevorzugt bedient, während Björn, Katharina und ihre Tochter warten müssen.
Björn dreht durch und fasst den Kellner auch noch an. Seine Frau Katharina bittet ihn, ein paar Meter über den Gipfel zu laufen, um einen kühlen Kopf zu bekommen. Das macht Björn, allerdings zieht es ihn dann doch noch einmal ins Wirtshaus. Dort gibt es eine Gondel für Getränke. Dort präpariert Björn die Szenerie so, dass der Kellner das nächste Mal eine harte Landung bekommt. Für Björn nimmt die Situation jedoch eine unerwartete Wendung: Der Kellner verletzt sich nicht nur schwer am Knie, sondern stirbt auch an den Folgen des Sturzes. Katharina merkt, dass etwas nicht stimmt, und schickt ihren Ehemann zum Psychologen Joschka Breitner (Peter Jordan), der mit ihm die früheren Gefühle bespricht.Es stellt sich also ziemlich schnell heraus, dass Björn selbst nie den Traum von einer Hüttengastronomie erleben durfte. Er wanderte zwar mit seinen Eltern auf solche Almen, allerdings war sein Vater streng und wollte auch kein unnötiges Geld ausgeben: Statt Kaiserschmarrn gab es nur belegte Brote, Wasser statt Almdudler. Diese Erfahrung aus der Kindheit führte dazu, dass er sein inneres Kind zum Leben erwecken sollte.
Zum Start der neuen Staffel stellen Björn und Sascha (Murathan Muslu) fest, dass Boris (Luca Maric) nicht mehr in seiner Zelle im Keller steckt. Er scheint ausgebrochen zu sein, auch wenn er bereits nach einiger Zeit wieder eingefangen werden kann. Der Gangster Boris ist in einem Kinder-Spielhaus im Keller eingesperrt, mit Hilfe eines medizinischen Tropfs bleibt er über viele Stunden bewusstlos. Während also Boris bewusstlos im Keller wieder in seine Zelle kommt, findet zwei Stockwerke höher eine Versammlung des Elternbeirats statt, denn am Ende der Woche ist ein Elternabend der Kita. Natürlich möchten die Mütter ein paar unnötige Veränderungen: Das bereits vorhandene Plastikgeschirr wegschmeißen und stattdessen auf andere Teller setzen. Die Kita soll beispielsweise klimaneutral werden, weshalb die Ölheizung angeschaut werden muss. Das Problem dabei: Zwei Stockwerke tiefer wird zeitgleich ein gefürchteter Gangster gefangen gehalten.Im Anschluss an den Beiratsabend macht eine alleinerziehende Mutter Björn schöne Augen. Kompliziert wird die Situation allerdings durch ihren Bruder Kurt, dessen Geschäfte alles andere als sauber erscheinen. Im Gegensatz zu den Romanen ist Kurt kein Familienmitglied, sondern eben der Bruder der Alleinerziehenden. Dieser scheint ein Geschäftsmann zu sein, der den Berliner E-Roller-Markt dominiert. Was allerdings komisch ist: Kurt mietete mit Absicht eine Adresse, die zu Boris gehört. Denn eigentlich wollte Kurt auf Boris treffen, weil ein dunkles Geheimnis die beiden verbindet.
Dann gibt es noch den Clan namens Holgersons. Dieser arabische Clan verliert zwei Mitglieder, die durch eine erzwungene Überdosis sterben. Immer wieder taucht die Polizistin und Kita-Mutter Nicole Egmann (Britta Hammelstein) auf, die von Björns dunklen Machenschaften ahnt. Doch sie hat keine Fakten, auch wenn der Österreich-Urlaub und die vielen Toten im Berliner Clan-Milieu doch eine eindeutige Handschrift sprechen.
Genau in diesen Momenten zeigt sich die größte Stärke von «Achtsam Morden». Die Serie verbindet weiterhin die Absurditäten des Familienalltags mit den Mechanismen der organisierten Kriminalität. Während andere Krimiformate ihre Spannung aus Verfolgungsjagden oder Schusswechseln beziehen, entsteht sie hier aus der Frage, wie lange Björn seine beiden Welten noch voneinander trennen kann.
Dass dieses Konzept funktioniert, liegt vor allem an Tom Schilling. Sein Björn erscheint gleichzeitig sympathisch, berechnend und moralisch fragwürdig. Immer wieder ertappt man sich dabei, ihm die Daumen zu drücken, obwohl seine Entscheidungen häufig katastrophale Folgen haben. Auch Murathan Muslu überzeugt erneut als Sascha. Seine Darstellung bewegt sich gekonnt zwischen Bedrohlichkeit und trockenem Humor und gehört zu den prägenden Elementen der Serie.Karsten Dusse sowie die Autoren Max Zähle und Martina Plura gelingt es erneut, den besonderen Ton der Vorlage einzufangen. Die zweite Staffel wirkt stellenweise etwas kleiner und konzentrierter als die erste Runde, verliert dabei jedoch nichts von ihrem Reiz. Vielmehr profitiert die Serie davon, dass sie ihre Figuren stärker in den Mittelpunkt rückt und die Konflikte zwischen Familienleben, Selbstfindung und kriminellen Geschäften konsequent zuspitzt.
Der besondere Charme von «Achtsam Morden» liegt weiterhin darin, dass alltägliche Situationen binnen weniger Augenblicke in tödliche Katastrophen umschlagen können. Genau dieses Spannungsfeld aus schwarzem Humor, Krimi und Familiendrama macht auch die zweite Staffel sehenswert. Dass die viereinhalb Stunden so schnell vergehen, spricht letztlich für die Qualität der Produktion. Die Wartezeit auf Staffel drei dürfte vielen Zuschauern daher deutlich länger vorkommen als die anderthalb Jahre zwischen den ersten beiden Staffeln.
Die zweite «Achtsam Morden»-Staffel ist seit 28. Mai 2026 bei Netflix abrufbar.







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