Die Kino-Kritiker

«Mike & Nick & Nick & Alice» überrascht mit Tempo und Witz

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Mike arbeitet für den Kredithai Nick. Allerdings will er seinen gewalttätigen Job an den Nagel hängen. Nick willigt ein, wenn Mike einen letzten Job erledigt. Er soll jemanden entführen. Und dieser Jemand ist Nick. Aber der Nick aus dem Hier und Jetzt, nicht der Nick aus der Zukunft …

Mike & Nick & Nick & Alice

Regie: BenDavid Grabinski; Drehbuch: BenDavid Grabinski; Produktion: Andrew Lazar; Kamera: Larry Fong; Schnitt: Tim Squyres; Musik: Joseph Trapanese; Szenenbild: Rick Carter; Kostümbild: Kasia Walicka-Maimone; Casting: Rich Delia; Darsteller: Vince Vaughn (Nick), James Marsden (Mike), Eiza González (Alice), Keith David, Jimmy Tatro; Produktionsfirma: 20th Century Studios, Mad Chance Productions. USA 2025
Zugegeben, der Einstieg klingt etwas seltsam. Aber genau das ist die Prämisse von Hulus «Mike & Nick & Nick & Alice», einer Actionkomödie, die wie so viele Filme ein wenig unter dem Radar bei Disney+ gestartet sein dürfte. Wer erklärt dem Streamer, dass man seine Titel von Zeit zu Zeit auch mal bewerben muss? Wie dem auch sei, worum geht es denn jetzt genau? Nach sechs Jahren hinter Gittern kehrt Jimmy Boy in die Freiheit zurück. Jimmy Boy ist der Adoptivsohn des Syndikatsbosses Sosa, der es sich nicht nehmen lässt, die Heimkehr seines Sohnes mit einer pompösen Feier im Kreise seiner Gefolgschaft zu zelebrieren. Nicht jedoch, ohne anzukündigen, dass er den Verräter, der seinen Sohn im zarten Alter von 21 Jahren ins Gefängnis gebracht hat, bald schon zur Rechenschaft ziehen und umbringen wird.

Quick Draw Mike hat derweil ganz andere Sorgen. Er ist so etwas wie die rechte Hand des Kredithais Nick (der wiederum für Sosa arbeitet). Sein Spitzname „Quick Draw“ (Schnellschütze) spricht Bände. Niemand ist schneller, wenn es darum geht, bleihaltige Argumente für eine Kreditrückzahlung vorzulegen. Aber Mike will nicht mehr. Er möchte aussteigen und ein ganz normales Leben neben der Frau führen, in die er sich verliebt hat. Das Problem: Alice, seine große Liebe, ist die Frau von Nick. Trotz dieser prekären Ausgangssituation bittet er Nick, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Zu seiner großen Überraschung hat Nick gegen Mikes Wunsch nichts einzuwenden. Unter einer Voraussetzung: Es gibt da einen letzten Auftrag, den er für ihn erledigen soll. Es ist kein großes Ding. Er soll in ein Haus eindringen und den Besitzer mit Chloroform betäuben. Mehr nicht. Wenn er das erledigt hat, ist er frei.

Mike stimmt zu; sie verlassen Sosas Party und fahren los. Die erste seltsame Wendung nimmt der Auftrag, als Nick seinen Wagen vor seinem eigenen Haus abstellt. Die zweite Wendung erlebt Mike, als ihm nach dem Anklopfen niemand anderes als Nick die Tür öffnet. Also der Nick, der doch eigentlich hinter ihm im Wagen sitzt. Wie dem auch sei, Auftrag ist Auftrag. Dementsprechend stürzt sich Mike auf Nick und führt seinen Auftrag aus. Warum Nick ihn diesen Auftrag ausführen ließ, ist einfach zu erklären: Hätte er ihm erklärt, dass er aus der Zukunft kommt, hätte Mike ihm dies mit größter Wahrscheinlichkeit nicht geglaubt. Mike musste also mit eigenen Augen sehen, dass es Nick zweimal gibt: Den Gegenwarts-Nick und den Zukunfts-Nick. Der Zukunfts-Nick hat zwar auch keine Ahnung, wie das mit der Zeitmaschine funktioniert, die er betreten und die ihn in die Vergangenheit katapultiert hat, aber ehrlich gesagt ist ihm das auch egal. Er hat jetzt nämlich die Chance, die Vergangenheit wieder ins Lot zu bringen. Eine Vergangenheit, in der Sosa glaubt, dass Mike der Verräter ist und ihn umbringen wird. Dass Mike was mit seiner Ehefrau hat … darüber werden sie bei Gelegenheit sprechen müssen, aber nicht jetzt, denn Zeitreise hin oder her, die Zeit drängt.

Kein Wissenschaftsthriller


«Mike & Nick & Nick & Alice» hat wenig bis gar kein Interesse daran zu erklären, wie das mit der Zeitreise eigentlich genau funktioniert. Sie ist hier ein Gadget, finanziert durch einen Kredit bei einem gewissen Kredithai, denn wer sonst würde so etwas finanzieren? Bestimmt nicht die Sparkasse. Und genau dieser Kreidthai, also jemand, der mit Wissenschaft, Technik oder Ethos so gar nichts zu tun hat, wird plötzlich mit der Chance konfrontiert, einen Fehler in der Vergangenheit zu korrigieren. Man muss diese Prämisse so hinnehmen, dann … wird es spaßig. Vince Vaughn hat jedenfalls Spaß an seiner Rolle als Kredithai und Zeitreisender. Interessant sind die Nuancen, die den alten Nick vom Zukunfts-Nick unterscheiden; es ist eine Nachdenklichkeit, die dem alten Nick fehlt und die beiden Charaktere sauber voneinander trennt. Die Mexikanerin Eiza González ist in der Rolle der Alice ein wenig unterfordert. Als Hauptdarstellerin von Netflix' «3 Body Problem» hat sie bewiesen, dass sie schwierige Formate tragen kann, hier findet die große Interaktion zwischen den Männern statt. Es ist anzunehmen, dass sie eher engagiert wurde, weil sie in Mexiko einen guten Namen hat, was dem Film in Mittel-, aber auch Südamerika vielleicht etwas Aufmerksamkeit bringt.



Der Star des Films ist ohnehin James Marsden. Der ist derzeit auf dem Weg, Tom Cruise als ewigen Jungspund abzulösen. Bei den Dreharbeiten hat er seinen 51sten Geburtstag gefeiert (er ist jetzt 53) und, verdammt, er sieht besser aus als je zuvor. Sein Aussehen ist deshalb für die Handlung von Belang, als dass Mike aufgrund seines tadellosen Aussehens automatisch die Assoziation weckt, ein charmanter, intelligenter Typ sein zu müssen. Tatsächlich wirkt er smooth, allerdings ist er nicht gerade „die hellste Kerze auf der Torte“, was immer wieder amüsant thematisiert wird. Die Spielfreude, die er in die Rolle einbringt, schwappt direkt ins Wohnzimmer. David Keith darf darüber hinaus Gangsterboss Sosa als wahrhaft üblen Drecksack darstellen, dessen Lächeln mehr Angst macht als ein Wutanfall, denn bei einem Wutanfall weiß man zumindest, woran man ist …

«Mike & Nick & Nick & Alice» hat Tempo und bedient unterschiedliche Humorpaletten. Allzu viel Tiefe darf man nicht erwarten. Dafür bietet er 107 Minuten Spaß und erwachsene Action.

Seit 27. März bei Disney+.

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