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Alexander Kluge ist tot

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Mit seiner Produktionsfirma dctp schuf Alexander Kluge über Jahrzehnte einzigartige Räume für Kultur, Theorie und Gespräche im Privatfernsehen.

Mit Alexander Kluge ist eine der prägenden Figuren der deutschen Medien- und Kulturgeschichte gestorben. Der Filmemacher, Autor und Fernsehproduzent starb am 25. März 2026 im Alter von 94 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf die Familie mitteilte. Viele Nachrufe werden nun zu Recht auf den Mitbegründer des Neuen Deutschen Films, den Schriftsteller und Theoretiker blicken. Für das Fernsehen aber war Kluge nicht minder bedeutend: Er war einer der wenigen, die das Privatfernsehen nie bloß als Markt, sondern als geistigen Raum begriffen.

Als Kluge 1987 die dctp gründete, schuf er eine Konstruktion, die in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte singulär blieb. Mit ihr sicherte er sich im kommerziellen Fernsehen eine Plattform für unabhängige Programme und bewies, dass Kultur, Theorie, Filmgeschichte und lange Gespräche auch dort ihren Platz haben konnten, wo sonst Reichweite, Tempo und Verwertbarkeit regieren. Sein erklärtes Ziel war es, „das Fernsehen offen zu halten für das, was außerhalb des Fernsehens stattfindet“ – ein Satz, der heute wie die Quintessenz seines gesamten Schaffens wirkt.

Unter dem Dach der dctp entstanden Sendungen wie «10 vor 11», «Prime Time/Spätausgabe», «News & Stories», das «Mitternachtsmagazin», «dctp Reportage» oder «Die Stunde der Filmemacher». Vor allem «10 vor 11», das 1988 bei RTL startete und von dctp selbst als ältestes Kulturmagazin des deutschen Privatfernsehens beschrieben wird, wurde zu einem Symbol für Kluges Fernsehidee: kein Magazin im klassischen Sinn, sondern ein assoziativer Denkraum aus Interviews, Fundstücken, Literatur, Musik, Oper, Politik und Philosophie. Kluge stellte keine Ware her, sondern Gegenwelten – kleine Inseln des Nachdenkens in einem Medium, das sich immer stärker auf Verkürzung, Zuspitzung und Eindeutigkeit verließ.

Kurz-URL: qmde.de/170207
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