Seit Jahren schauen Millionen am Freitagabend «Fastnacht in Franken». Wie haben sich die Quoten bei allen Zuschauern, wie auch bei den 14- bis 49-Jährigen entwickelt?
«Fastnacht in Franken» feiert nächstes Jahr 40. Geburtstag, und hat sich über die vielen Jahre zu einem Quotenhit entwickelt – seit den 1990er-Jahren ist es die erfolgreichste Sendung im BR Fernsehen überhaupt. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, pendelt der Marktanteil rund um die überragende 50 Prozent-Marke*, das heißt rund die Hälfte aller bayerischen Zuschauerinnen und Zuschauer entscheidet sich an diesem Abend Jahr für Jahr für den Frankenfasching. Bei den 14- bis 49-Jährigen sind die Quoten ebenfalls hervorragend, in den letzten Jahren schaltete rund jeder Dritte «Fastnacht in Franken» ein. Auch deutschlandweit ist die Sehbeteiligung mit insgesamt über drei, teils sogar über vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern kontinuierlich auf sehr hohem Niveau – seit vielen Jahren ist «Fastnacht in Franken» die erfolgreichste Sendung aller Dritten Programme.
*Eine niedrigere Resonanz hatten lediglich die beiden Sendungen der Corona-Jahre (2021 und 2022), in denen unter eingeschränkten Bedingungen und nicht live gesendet wurde.
Die Mainfrankensäle in Veitshöchheim platzen seit Jahren aus allen Nähten. Wie geht man produktionell und organisatorisch mit diesen extrem beengten Verhältnissen um – und wo stößt das Format inzwischen ganz konkret an physische Grenzen?
Das Produktionsteam und das Management der Mainfrankensäle haben die technischen Bedarfe und Abläufe so optimiert, dass zuverlässig und effektiv gearbeitet werden kann. Am Veranstaltungstag werden alle räumlichen Ressourcen bis in den letzten Winkel genutzt. Grenzen gibt es bei der Erfüllung der vielen Kartenwünsche und der Platzierung von Gästen, die möglichst alle in der ersten Reihe sitzen wollen.
Angesichts der enormen Popularität stellt sich die Frage: Warum hält der BR so konsequent am vergleichsweise kleinen Veranstaltungsort fest, statt die Sitzung in eine größere Halle zu verlegen?
In der Verdichtung und kuscheligen Enge liegt auch ein besonderer Charme, mit einer sympathischen Nähe zwischen Künstlern und Publikum, der sich auch auf die TV-Bildschirme in ganz Deutschland überträgt. Diesen intimen Charakter soll die Fastnacht in Franken auch behalten, als eines der wenigen verbliebenen "Lagerfeuer" im Fernsehen. Fastnacht soll sich als besonderes Brauchtumsgenre auch klar von klassischen Fernsehshows unterscheiden.
«Fastnacht in Franken» ist seit Jahrzehnten die erfolgreichste Sendung des BR. Warum wird dieses Ausnahmeereignis dennoch nicht ins Erste ausgelagert, obwohl dort regelmäßig deutlich kleinere Formate laufen?
Sowohl im BR Fernsehen als auch in der ARD Mediathek erreicht «Fastnacht in Franken» die Menschen bundesweit. Die ARD hat zudem eine Regionen-Offensive in der Mediathek gestartet, mit dem Ziel, regionale Produktionen sichtbarer zu machen. Davon profitiert auch die «Fastnacht in Franken».
Ist die bewusste Bindung an das BR Fernsehen eher Ausdruck regionaler Identität – oder auch ein Zeichen dafür, dass Föderalismus im ARD-System manchmal Reichweite begrenzt?
Der Fastnacht-Verband Franken als Veranstalter fühlt sich im BR zu Hause. Hier ist über die Jahre ein vertrauensvolles Miteinander gewachsen, das auch den Künstlerinnen und Künstlern eine kreative Heimat und Arbeitsatmosphäre gibt. Ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, Brauchtum und Ehrenamt zu unterstützen, gehört zu den wichtigen Aufgaben des BR. Insofern ist eine Sendung wie «Fastnacht in Franken» Teil des Wesenskerns des Senders.
Die Sendung lebt stark von Ritualen, festen Stars und wiederkehrenden Figuren. Wie schwer ist der Spagat zwischen Tradition und Erneuerung, ohne das Stammpublikum zu verlieren?
Es ist für alle Beteiligten jedes Jahr eine reizvolle Herausforderung, ein attraktives Programm zu entwickeln, um das Publikum immer wieder zu überraschen. Vertrautes und Beliebtes mischt sich mit frischen, neuen Ideen, bewährte Fastnachtstars mit Newcomern. Das gelingt seit Jahren sehr gut, und die breite inhaltliche Aufstellung spiegelt sich auch in den Publika von jung bis alt.
Mit Blick auf jüngere Zuschauer: Wie gelingt es dem BR, ein klassisches Fastnachtsformat attraktiv zu halten für Generationen, die kaum noch lineares Fernsehen schauen?
Wir flankieren die lineare Sendung seit Jahren sehr erfolgreich mit digitalen Angeboten auf verschiedenen Plattformen, wie Youtube, Instagram, Facebook oder Tiktok und bieten dort speziell auf die Zielgruppe zugeschnittene Inhalte. Das Thema Gardetanz haben wir beispielsweise mit einem Podcast aus einer neuen Perspektive betrachtet. Im Fernsehen sieht man den perfekten Tanz – wir haben den Blick hinter die Kulissen gerichtet und die jungen Tänzerinnen selbst erzählen lassen, wie viel Ausdauer, Druck aber auch Freude und Zusammenhalt das ganze Jahr über hinter diesem Leistungssport steckt. Das kam gut an.
Erfreulicherweise sind die Einschaltquoten der linearen Sendung aber auch bei der jungen Generation kontinuierlich hoch.
Büttenreden kommentieren seit jeher Politik und Zeitgeist. Hat sich die politische Schärfe in den vergangenen Jahren verändert – auch vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Polarisierung?
Das beobachten wir bei unseren Künstlern nicht. Der Obrigkeit wird der Spiegel vorgehalten, alle kriegen ihr Fett weg. Aber auf respektvolle, menschenwürdige Art und Weise – ohne Hass und Hetze!
«Fastnacht in Franken» ist live – mit allen Risiken. Wie viel Spontaneität ist heute noch erlaubt, und wo greifen redaktionelle Leitplanken stärker ein als früher?
Die Künstlerinnen und Künstler werden redaktionell begleitet, genießen aber künstlerische Freiheit. Es steht ihnen auch frei, spontan zu sein, was die einen mehr, die anderen weniger einsetzen. Die Auftritte von Waltraud und Mariechen leben von der Spontaneität, andere Nummern sind genau geplant und strukturiert.
Die Sendung vereint Tanzsport auf Spitzenniveau, Kabarett und Volkstheater. Wie wichtig ist diese stilistische Vielfalt für den anhaltenden Erfolg – und wo gibt es interne Debatten über Gewichtung?
Die Vortragsformen in der Fastnacht sind vielfältig: Büttenrede, Sketch, Kokolores, Musik, Gesang und Tanz. Die Auswahl beginnt bei einem Sommer-Casting, den sogenannten Anschau-Sitzungen. Dabei bewerten Verband und Redaktion Qualität, Kreativität und Neuigkeit der Nummern. Es ist also ein intensiver Prozess über Monate. Beim Tanz können wir in Franken aus dem Vollen schöpfen: mit den Deutschen Meistern im Gardetanz und sehr vielen Vereinen, die auf hohem Niveau unterwegs sind.
Seit 1987 ist die Sitzung live auf Sendung. Gab es jemals ernsthafte Überlegungen, das Format zu verkürzen, zu teilen oder stärker digital zu verlängern – etwa über Mediathek oder Social Media?
Mittlerweile ist die digitale Präsenz gewachsen und ergänzt auf verschiedenen Kanälen die lineare Fernsehsendung, die aber nach wie vor das Hauptformat ist und das größte Publikum erreicht.
Mit der Begleitdokumentation «Veitshöchheim außer Rand und Band» öffnet der BR bewusst die Kulissen. Ist diese Transparenz auch ein Mittel, die emotionale Bindung zum Publikum weiter zu stärken?
Angesichts der Popularität der Sendung bietet sich an, weitere Formate daraus zu entwickeln und auch einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Das kommt beim Publikum sehr gut an und ist auch eine synergetische Zweitverwertung.
Wenn man 2026 und darüber hinausblickt: Was muss sich verändern, damit «Fastnacht in Franken» auch in zehn oder zwanzig Jahren noch ein mediales Großereignis bleibt – jenseits von Nostalgie?
Die Sendung entwickelt sich seit Jahren immer weiter und nimmt aktuelle Strömungen auf. Das Interesse an Brauchtum, Tradition und Vereinsleben ist gerade im ländlichen Raum wieder stark vorhanden. Die Jugendarbeit in den Vereinen muss weiterhin gefördert werden, um Nachwuchs zu generieren. Allerdings entwickeln sich die Sehgewohnheiten weiter vom linearen Fernsehen hin zur digitalen Nutzung. Wir richten unser Angebot entsprechend aus und gehen dorthin, wo die Menschen sind und uns suchen.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
BR Fernsehen zeigt «Fastnacht in Franken» am Freitag, den 6. Februar, ab 19.00 Uhr. Ab 17.30 Uhr wird live vom roten Teppich gesendet.







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