Die Serie aus der Feder des «Haus-des-Geldes»-Schöpfers um einen Mann mit Doppelleben mag sich mit dem Bechdel-Test schwer tun, gerät aber trotzdem angenehm feministisch – und ist noch dazu stringent erzählt.
Da denkt man, man hat alles erreicht: Gerade hat Alejandra Leyva (Verónica Sánchez) einen Multimillionendeal für ihr Architekturbüro in Valencia an Land gezogen und feiert diesen Umstand ausgiebig mit ihrer Kollegin und besten Freundin, als auch noch das Privatleben freudige Fortschritte macht: Denn als Ehemann Óscar (Álvaro Morte) zum Gratulieren aus dem fernen Frankfurt anruft, wünscht er sich herrlich sentimental Nachwuchs. Kann das Leben schöner sein? 
Mit „Haus des Geldes“ hat der spanische Autor und Produzent Álex Pina eine der erfolgreichsten europäischen TV-Produktionen geschaffen und über Netflix ein weltweites Millionenpublikum begeistert.
Mit dieser oft leiseren, eher betrachtenden Serie hat Álex Pina das Terrain, das ihn berühmt gemacht hat, ein wenig verlassen und sich von der schier manischen Crash-Boom-Bang-Dramaturgie des betont zügig erzählten «Haus des Geldes» verabschiedet. Um trotzdem genug narrativen Vorwärtsdrang zu erzeugen, bleiben die Todesumstände des doppellebenden Ehemannes natürlich betont mysteriös. Damit findet das Format zu einer recht angenehmen Balance aus Rätseldramaturgie und psychologischer Betrachtung, wobei letzterer Aspekt inhaltlich der wesentlich interessantere ist. Denn obwohl sich «The Pier» mit dem Bechdel-Test ziemlich schwer tun dürfte, funktioniert die Serie doch als feinsinnige Betrachtung über die Vielgestaltung weiblicher Lebensentwürfe, bei der die Enttarnung des betrügenden Mannes schlicht den Anstoß der tiefgreifenden Reflexion darstellt.
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