Die Kino-Kritiker

«The Founder»

von

Michael Keaton spielt in diesem Biopic den selbsternannten Gründer des Fast-Food-Giganten McDonald's. Und wie so manche Speise der Imbisskette ist «The Founder» ein Produkt, das trotz Vorzeigbarkeit zu wünschen übrig lässt.

Filmfacts «The Founder»

  • Regie: John Lee Hancock
  • Produktion: Don Handfield, Karen Lunder, Jeremy Renner, Aaron Ryder
  • Drehbuch: Robert D. Siegel
  • Darsteller: Michael Keaton, Nick Offerman, John Carroll Lynch, Linda Cardellini, Patrick Wilson, B. J. Novak, Laura Dern
  • Musik: Carter Burwell
  • Kamera: John Schwartzman
  • Schnitt: Robert Frazen
  • Laufzeit: 115 Minuten
  • FSK: ohne Altersbeschränkung
Aller Kritik und seit einiger Zeit wackligen Wachstumszahlen zum Trotz: McDonald's ist ein überdimensionaler Konzern, der seine Konkurrenz immer wieder Staub schlucken lässt. In einer einzelnen Sekunde verkauft McDonald's 75 Hamburger an seine hungrige Kundschaft. Weltweit arbeiten mehr Menschen für das Unternehmen als in Luxemburg leben. Und tagtäglich ernährt sich ein Prozent der Weltbevölkerung von Produkten des Fast-Food-Giganten. All dies ist der Verdienst (oder, wenn man so will: das Verschulden) eines Mannes – Ray Kroc. So will es jedenfalls die von ihm Zeit seines Lebens aufrecht erhaltene Legende. Und tatsächlich war es Kroc, der aus einem höchst effizienten Burgerstand eine außerordentlich einträgliche und mächtige Kette gemacht hat. Doch entgegen seiner Beteuerungen war es nicht Kroc, der all dies losgetreten hat. Diese Ehre gebührt den Brüdern Richard und Maurice McDonald. Sie haben Standardisierung und hohes Arbeitstempo im Gastrogewerbe zwar keinesfalls erfunden, aber in neue Sphären getrieben.

Die Geschichte, wie aus der Burgerbraterei zweier Brüder ein ausgefuchster Großkonzern wurde, wird in «The Founder» auf eine Art und Weise nacherzählt, die ironischerweise dem Systemgastronomen gerecht wird: Inszenatorisch ist die Arbeit von John Lee Hancock («Saving Mr. Banks», «Blind Side») vorzeigbar – die 25-Millionen-Dollar-Produktion hat wenig ästhetischen Mehrwert, jedoch auch keine negativ hervorstechenden visuellen Makel.

Narrativ derweil stellt sich bei der leicht fiktionalisierten Zusammenfassung der Ereignisse in den Anfangsjahren des McDonald's-Konzerns durch Drehbuchautor Robert D. Siegel («The Wrestler») nur kurzfristig ein Sättigungsgefühl ein: Das Drama adressiert den Ursprung der durchchoreografierten Arbeitsabläufe bei McDonald's, die Aspekte, die Counterbedienung in den USA an Drive-Ins hat vorbeiziehen lassen, die Differenzen zwischen den Restaurantgründern und Kroc sowie das Erfolgsgeheimnis des Franchising-Modells hinter McDonald's.

Aber kaum ist der Film vorbei und das Kino verlassen, macht sich wieder Hunger breit. Denn die annähernd zwei Stunden Laufzeit von «The Founder» sind mit unergiebigen Sequenzen und Subplots gestreckt. Laura Dern hat in der Rolle von Krocs unglücklicher Ehefrau praktisch gar nichts zu tun, dennoch zeigt Hancock mehrmals ausführlich den immer gleichen Ablauf, wenn sich die Krocs mal sehen. Gleichwohl überspringt «The Founder» einige spannende Fragen – so droht Kroc etwa mit Konsequenzen für Lizenznehmer, die am McDonald's-Modell herumschrauben. Wir sehen, dass einige Partner Krocs dies missachten, die Konsequenzen bleiben unerwähnt.

Auch bleibt Krocs Persönlichkeit bestenfalls zweidimensional skizziert: Er ist ein raffgieriger, anfangs völlig erfolgloser Typ, der durch das Klauen fremder Ideen eines Tages einen raketenhaften Aufstieg hinlegt. Michael Keatons Darbietung ist trotzdem bemerkenswert – er füllt diese Beinahe-Karikatur mit Gravitas und schafft es, zumindest zwischendurch sein rücksichtsloses Verhalten so rüberzubringen, dass Krocs Entscheidungen nachvollziehbar sind. Höhepunkt ist aber sein irrationales Zusammenspiel mit Linda Cardellini in der Rolle der Gattin eines von Krocs Geschäftspartnern. Heftig fremdflirtende Blicke austauschend, machen sie so etwas Banales wie eine Dialogszene über Milkshake-Pulver zu einer prickelnd-sinnlichen Angelegenheit. Nick Offerman und John Carroll Lynch als McDonald-Brüder wiederum dienen zwar fast schon als Comic Relief, haben aber mit ihrer glühenden Nacherzählung ihrer Anfänge die herzlichste Szene dieses insgesamt doch recht formelhaft umgesetzten Films zu bieten.

Hancocks Drama ist vor allem daher so eine ernüchternde Sache, weil der Regisseur mehrmals einen sehr ernsten, geradlinigen Tonfall anschlägt – von besagten Ausnahmen abgesehen. Weder gibt es einen bissig-satirischen Kommentar auf Krocs Handeln, noch Pepp in den meisten Montagesequenzen. Stattdessen ertränkt die betont schwerfällige Originalmusik des Komponisten Carter Burwell das keineswegs tiefgreifende Geschehen – so, als tunke man pappige Pommes in einer viel zu mächtigen Mayo.

Fazit: Michael Keatons Schauspiel und einige, wenige ausgefeilte Szenen retten das insgesamt nährwertarme, pappige Drama «The Founder» auf ein annehmbares Niveau.

«The Founder» ist ab dem 20. April 2017 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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