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Til Schweiger: Der Erfolgsregisseur mit dem sinkenden Schauspielstern

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Dieser Mann macht seine Hits selber: Während seine Regiearbeiten zumeist große Kassenschlager darstellen, liegen Schweigers Publikumsrenner als Schauspieler nunmehr einige Jahre zurück.

Schweigers rasanter Aufstieg


Die Jahre des Aufstiegs

  • Anzahl an Kinorollen: 5*
  • Größter Erfolg: «Der bewegte Mann» (1994), 6,57 Mio. Besucher
  • Besucherschnitt: 2,92 Mio. Kinogänger
  • *zu «Ebbies Bluff» liegen keine Besucherzahlen vor, daher wurde er an dieser Stelle nicht mitgezählt
Besucherschnitt: Durchschnittliches Ergebnis aller Realfilme, in denen Til Schweiger mehr als nur einen Cameo geleistet hat, und die nicht streng limitiert veröffentlicht wurden
Til Schweigers Leinwanddebüt konnte sich, zumindest hinsichtlich der Besucherzahlen, sehen lassen: Die Actionkomödie «Manta, Manta» lockte 1991, also noch während Schweigers Zeit in der «Lindenstraße», 1,03 Millionen Menschen an. Fünf Jahre später ging es für Schweiger steil bergauf: «Der bewegte Mann» machte ihn zum Superstar und bescherte ihm mit 6,57 Millionen Interessenten den ersten Überblockbuster in seiner Schauspielvita. 1996 und 1997 ging es dann mit «Männerpension» und «Knockin‘ On Heaven’s Door» Schlag auf Schlag weiter – beide Filme durchbrachen mühelos die Drei-Millionen-Besucher-Marke.

1998 machte derweil klar, dass der Name Schweiger nicht zwangsweise die Menschen in Scharen in die Kinos lockt. In der US-Produktion «The Replacement Killers» übernahmen er und Jürgen Prochnow Nebenrollen, aber Antoine Fuquas Actioner kam in der Bundesrepublik nur auf etwas mehr als 150.000 verkaufte Tickets – damit übertraf er aber noch immer ganz deutlich Claude-Oliver Rudolphs Regiearbeit «Ebbies Bluff» von 1993. Der Boxfilm ging vollkommen unter und generierte, von miesen Kritiken begleitet, nicht einmal eine fünfstellige Besucherzahl.

Nach dem Regiedebüt, doch vor dem Megahit


Zwischen «Eisbär» und «Keinohrhasen»

  • Anzahl an Kinorollen abseits Schweigers eigener Regiearbeiten: 10
  • Größter Erfolg: «(T)Raumschiff Surprise - Periode I» (2004), 9,17 Mio. Besucher
  • Besucherschnitt abseits Schweigers eigener Regiearbeiten: 1,37 Mio. Kinogänger
Besucherschnitt: Durchschnittliches Ergebnis aller Realfilme, in denen Til Schweiger mehr als nur einen Cameo geleistet hat, und die nicht streng limitiert veröffentlicht wurden
1998 begann mit der Tarantino-Hommage «Der Eisbär» Til Schweigers Regiekarriere – die er erst wieder 2005 mit dem tragikomischen Romantik-Roadtrip «barfuss» fortsetzen sollte. Sein Glück bei der Rollenauswahl in deutschen Produktionen ließ in der Zwischenzeit nach: Bernd Eichingers Romanadaption «Der große Bagarozy» kam auf 263.497 Interessenten, «Was tun, wenn’s brennt?» immerhin auf etwas mehr als 400.000. Nebenher bemühte sich Schweiger, daran anzuknüpfen, was er mit «The Replacement Killers» begonnen hat: Er hat versucht, in Hollywood Fuß zu fassen. Der Publikumszuspruch fiel zunächst allerdings sehr überschaubar aus: Der Rennfahrerfilm «Driven» wurde nicht nur brutal verrissen, sondern scheiterte auch knapp an der Viertelmillion-Besucher-Grenze.

Mit Schweigers Wechsel ins Fach Blockbusteraction fiel dann aber doch noch die Millionenmarke: «Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens» sprang 2003 knapp über diese Hürde, Schweigers erneute Zusammenarbeit mit «Training Day»-Regisseur Antoine Fuqua, das Schlachtenepos «King Arthur», brachte es ein Jahr später sogar auf mehr als 1,5 Millionen losgeschlagene Eintrittskarten.

Mit Komödien fuhr Schweiger in seiner mittleren Schaffensperiode unterdessen wirtschaftliche Achterbahn: Unter der Regie von Michael 'Bully' Herbig genoss der Schauspieler mit «(T)Raumschiff Surprise – Periode I» seinen bislang größten Kassenschlager (9,17 Millionen Kinobesucher), die US-Komödie «Deuce Bigalow – European Gigalo» fiel dagegen brutal auf die Nase – nur 72.719 Tickets wurden verkauft. Auch die paneuropäische Comicadaption «Die Daltons gegen Lucky Luke» floppte total (30.285 Kinogänger), wohingegen der deutsche Film «Wo ist Fred?» mit 0,84 Millionen Interessenten sehr solide lief. Anfang 2007 kam es für Schweiger dann zur Ruhe vor dem Sturm: Der deutsch-kanadische Thriller «One Way» (201.199 Interessenten) wurde medial wirksam abgeschrieben – aber im Winter desselben Jahres konterte Schweiger mit einem Film, der seine Karriere neu definieren sollte.

Schweiger, der Erfolgsregisseur mit sprunghafter Rollenwahl


Ab «Keinohrhasen»

  • Anzahl an Kinorollen abseits Schweigers eigener Regiearbeiten: 10
  • Größter Erfolg: «Inglourious Basters» (2009), 2,15 Mio. Besucher
  • Besucherschnitt abseits Schweigers eigener Regiearbeiten: 0,89 Mio. Kinogänger
Besucherschnitt: Durchschnittliches Ergebnis aller Realfilme, in denen Til Schweiger mehr als nur einen Cameo geleistet hat, und die nicht streng limitiert veröffentlicht wurden
Til Schweiger – Romantikkomödienexperte. Eine Beschreibung, die vor «Keinohrhasen» noch ungewöhnlich klang, wurde schlagartig selbstverständlich. Neben Schweigers 6,34-Millionen-Besucher-Hit und dessen 4,26 Millionen Kinogänger ansprechender Fortsetzung machten auch der RomCom-Familiendramedy-Mix «Kokowääh» (4,32 Millionen verkaufte Tickets) den gebürtigen Freiburger zu einem äußerst populären Regisseur – und zu einem gefragten Darsteller in diesem Metier. Denn auch die beiden «Männerherzen»-Filme fanden großen Anklang: Das Original lockte 2009 2,12 Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser, die Fortsetzung legte 2011 mit 1,35 Millionen nach.

Doch Schweigers Prominenz als Filmemacher brachte dem Schauspieler noch immer keine Erfolgsgarantie ein – was bei seiner zunehmend eklektischen Rollenwahl abseits seiner eigenen Filme in vergleichsweise niedrige Zahlen mündete. Das Drama «Phantomschmerz» reizte 2009 nur ca. 95.000 Filmfreunde, Uwe Bolls Actionfarce «Far Cry» schmierte ein Jahr zuvor mit 72.790 Interessenten noch schlimmer ab. Im selben Jahr flog zudem «Der rote Baron» (252.944 Interessenten) wesentlich niedriger als zuvor erwartet. Zwei weitere Hollywood-Ausflüge brachten Schweiger 2011 mit 603.074 (die Action-RomCom «Das gibt Ärger») und 752.351 (die Episoden-RomCom «Happy New Year») indes akzeptable (aber nicht an seine deutschen Spaßromanzen heranreichende) Besucherzahlen, die jedoch neben Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» (2,15 Millionen verkaufte Eintrittskarten) von 2009 geradezu verblassen.

Und offenbar braucht es einen Tarantino, um einen mit Knarren hantierenden Schweiger zu stattlichen Besucherzahlen zu verhelfen, denn «Tschiller: Off Duty» brachte es Anfang 2016 in den deutschen Kinos nur auf 277.256 Zuschauer. Nun versucht sich Schweiger in «Conni & Co.» erstmals als Nebendarsteller in einem Kinderfilm – ob dies seinen Besucherschnitt verbessern wird?

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Es gibt 12 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
17.08.2016 14:59 Uhr 1
Ich bin nach wie vor ein Til Schweiger Fan....
P-Joker
17.08.2016 15:19 Uhr 2
Und mir ist das völlig egal. Ich war und bin vieles, aber keine Schweiger-Fan.
kauai
18.08.2016 11:16 Uhr 3
Ich würde mich freuen, wenn bald auch seine Regie-Sachen floppen und man ihn dann bald gar nicht mehr ertragen muss. Im Idealfall nimmt er seine nervigen Kinder gleich mit in die Versenkung und alles ist gut!
Vittel
19.08.2016 13:57 Uhr 4
@kauai



Erst kürzlich habe in in der Boulevardpresse eine Überschrift aufgeschnappt, dass sich eine Tochter aus dem Geschäft erst mal zurückziehen wolle. Finde ich gut, wenn Leute erkennen, dass ihre Kompetenz in anderen Bereichen liegt. Die Schweiger Töchter mögen niedlich sein, aber mit Schauspiel hatte das nie was zu tun.
logan99
19.08.2016 17:16 Uhr 5

Inwiefern musst du es denn ertragen? Zwingt man dich mit Waffengewalt seine Film anzusehen, oder weshalb kannst du nicht einfach was anderes schauen?



Den "Hate" auf Schweiger konnte und kann ich noch immer nicht so wirklich nachvollziehen. Seine Regie-Arbeiten sind bemessen am sonstigen Durchschnitt hierzulande sehr sehenswert und seine Filme als Schauspieler sind meist recht unterhaltsam. Habe die Tage erst Tschiller: Off Duty gesehen und die harschen Kritiken kann ich in keinsterweise nachvollziehen - klasse Action-Thriller, der sehr hochwertig produziert wurde. Und für die Rolle des Tschillers braucht es nun keine große Schauspielkunst, von daher völlig ok, wenn Schweiger mit seiner typischen Art ihn verkörpert - und diesmal war sogar Luna (?) Schweiger halbwegs anständig in ihrer Rolle.
kauai
22.08.2016 10:31 Uhr 6


Seine Filme muß ich zum Glück nicht ertragen. Dafür könnte man mir Geld bieten und ich würde nicht dafür ins Kino gehen! Aber manchmal ist es schon schwer um einen Herrn Schweiger herum zu kommen, wenn er Mal wieder meint, zu einem aktuellen Thema seinen Senf in irgendeiner Sendung abzugeben.



Eins noch zu Tschiller: guter Actionfilm :lol: Vielleicht das Original 96 Hours mit Liam Neeson, aber doch nicht dieser billige Abklatsch!
LittleQ
22.08.2016 13:32 Uhr 7


Naja, wenn man seine Beteiligungen an Filmen, in denen er Regie führt UND eine Rolle hat, außen vor lässt, könnte man das so sehen. Schau ich mir jetzt aber mal seine ersten 10 Jahre und seine letzten 10 Jahre an, kann ich da nicht erkennen, dass seine Publikumsrenner schon einige Jahre zurückliegen (*hust* Honig im Kopf).



Dass die meisten seiner jüngeren Erfolge als Schauspieler die Filme waren, in denen er Regie geführt hat: so wird ein Schuh drauß.



Ansonsten, finde ich, hat der zu allen Zeiten immer wieder an Projekten mitgewirkt, die kein Schwein kennt.
logan99
22.08.2016 15:55 Uhr 8

Du darfst mir gern deutsche Alternativ-Filme nennen, die in Sachen Kamera, Production-Value, Optik und Actions-Szenen auf gleichem oder höheren Niveau spielen.



Wobei du das natürlich gar nicht beurteilen kannst, da du ja vermutlich keinen der Filme gesehen hast :lol:
Sid
22.08.2016 18:22 Uhr 9


Genau das ist die Prämisse des Artikels, wie darin auch beschrieben. Dem widerspricht ja nicht, dass "Honig im Kopf" ein großer Erfolg war. Was ich auch nicht bestreiten will, ganz im Gegenteil: Daher ja auch die These im Teasertext, dass Schweiger seine Schauspielerfolge einfach selber macht. :wink:
Sentinel2003
22.08.2016 20:54 Uhr 10




Ich kann diesen Hass auf ihn auch nicht nachvollziehen....und, das sich Emma mit ihren 14 Jahren erstmal ein wenig zurück ziehen möchte,, ist doch auch klar, vielleicht hat Sie ja in 1 oder 2 Jahren wieder Bock drauf.

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