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Alexander Bommes: „Endlich hatte ich wieder eine Mannschaft“

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Der «Sportschau»-Moderator war für Das Erste mehrere Wochen in Paris und berichtete über die EM. Warum eine Zeit lang weder in Deutschland noch in Frankreich die Stimmung absolut euphorisch war, wie er das Ausscheiden der Löw-Elf bewertet und wie er sich auf sein nächstes großes Event, die Olympischen Sommerspiele, vorbereitet, hat uns der 40-Jährige verraten.

„Du kriegst mich zwar aus Kiel heraus, Kiel aber nicht aus mir“. -«Sportschau»-Moderator Alexander Bommes ist ein waschechtes Nordlicht und fiebert entsprechend sowohl im Fußball als auch im Handball mit den Kieler Vereinen mit.


Sportrechte werden für Fernsehsender wichtiger und wichtiger: Große Events haben auch heute noch die Kraft, ganze Familien und Cliquen zum Live-Erlebnis vor den Fernseher zu holen. Doch auch hier befindet sich das Medium Fernsehen im Wandel: Rechte werden teurer und teurer und neue und innovative Player drücken auf den Markt. Eines haben alle gemeinsam: Ihre Sendungen lassen sie von Menschen machen, die ihren Sport leben, lieben und so emotional begleiten wie es sonst selten ist in der TV-Landschaft. Die, die lieben und leiden, wollen wir in dieser neuen Reihe zu Wort kommen lassen.

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Alexander Bommes als „Profi-Fußballer“

  • Wunsch-Position: „Ich war immer Mittelstürmer, würde nun aber wohl ein bisschen schräg nach hinten verlagert spielen. Ich bin auch deshalb ein Fan von Andre Schürrle. Ich weiß aber auch, was ich als Profi bei der EM niemals machen würde. Vor allem nicht bei einem so wichtigen Tor bei einer Heim-EM gegen den amtierenden Weltmeister. Nämlich nach 0,5 Sekunden einen inszenierten Torjubel aufführen, Herr Griezmann.“
  • Wunsch-Nummer: „Ich hatte immer die 19.“
  • Wunsch-Trainer: „Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes, also eher die väterlichen Figuren. Ich mag Trainer, die ihren Spielern auch mal Vertrauen geben. Zwar kenne ich den Spruch, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, bei mir war das aber nie der Fall. Vielleicht auch, weil ich mir selbst immer höchste Ansprüche stelle.“
  • Wunsch-Liga: „Das ist zwar sehr hypothetisch, aber ich würde ein ausverkauftes Bundesliga-Stadion jeder Liga dieser Welt vorziehen.“
Wie würde Alexander Bommes antworten, wäre er ein begehrter Top-Fußballer..
Es ist der Morgen nach dem EM-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft. „Ich habe nicht das Gefühl, dass Deutschland nach dem Halbfinal-Aus nun das große Trauerland geworden ist“, sagt Moderator Alexander Bommes, der für Das Erste in den ersten Wochen der Euro direkt aus dem internationalen Sendezentrum aus Paris berichtete. Der große Titel vor zwei Jahren im Rücken sei in manchen Punkten wohl doch eine Hemmschwelle gewesen. „Der WM-Titel hat wohl auch dazu beigeführt, dass bis zuletzt nicht die ganz große EM-Euphorie aufkommen wollte“, meint der 40-jährige «Sportschau»-Moderator. Und entsprechend sei die etwas verfrühte Heimreise der deutschen Mannschaft vielleicht auch in der Tat nicht so schlimm. „Ich muss aber sagen, dass die Deutschen die stärkste Mannschaft in diesem Turnier waren und der Donnerstag so ein typischer Tag im Leben eines Sportlers war, an dem einfach nichts gepasst hat.“

Dieser Spruch könnte auch sinnbildlich stehen für die kompletten vergangenen vier Wochen – für die Zeit einer Europameisterschaft in Frankreich, die nicht durch sensationelle Stimmung im Gastgeberland überzeugte und schon gar nicht durch das spielerische Niveau. Von einer mäßigen EM zu sprechen wäre laut Bommes gar noch wohlwollend formuliert. „Ich erinnere mich noch an Wales gegen Nordirland und fand die Fans im Stadion schlicht sensationell: Mit welcher Leidenschaft sie ein Spiel auf dem Niveau einer mäßigen Drittliga-Partie da begleitet haben“, meint er. Und auch wenn dann Taktikfüchse teilweise zumindest von Leckerbissen in diesem Bereich sprechen – Bommes kann sich an eher ermüdendem Ball-hin-und-her-Geschiebe nicht wirklich erfreuen.

„Auch auf den Straßen in Paris wollte bis zu meiner Abreise nach dem Achtelfinale nie wirklich Stimmung aufkommen. Es gab kaum Kneipen, aus denen in hoher Lautstärke der Kommentator eines Spiels dröhnte,“ sagt er und fügt an. „Und Besuche auf großen Fanmeilen sind ohnehin nicht meins.“ Angst vor Anschlägen hatte der «Sportschau»-Moderator derweil zu keiner Zeit. Im Vorfeld hätte er sich, wie er sagt, über dieses Thema schon seine Gedanken gemacht, spätestens nach dem Stadionbesuch der Partie Deutschland gegen Polen, eingestuft als Hochsicherheitsspiel, wären diese aber verflogen gewesen.

Und so konnte er sich frei von unbehaglichen Gedanken auf seine Aufgabe als Moderator der frühen Spiele aus dem IBC in Paris konzentrieren. EM-Neuling Bommes präsentierte die Rahmeberichte dabei mit seinem Kollegen Arnd Zeigler und wechselnden Gästen wie Thomas Hitzlsperger, Stefan Effenberg oder Guus Hiddink. „Ohne sich um ein klares Ranking gezielt drücken zu wollen. Alle meine Gäste waren hervorragend“, erinnert er sich. Die Zusammenarbeit mit Thomas Hitzlsperger, den der 40-Jährige schon aus seinem «Sportschau Club» kennt, sei ohnehin immer äußerst angenehm, aber auch die neuen Bekanntschaften etwa mit Stefan Effenberg seien sehr erfreulich gewesen.

„Bei Stefan Effenberg hat mich seine sehr klare Analyse beeindruckt. Ich habe unglaublich viel von ihm noch zusätzlich über Fußball gelernt“, meint Bommes. Auch in der Redaktion kam der Auftritt des Ex-Trainers des SC Paderborn so Champions League-Siegers 2001 mit dem FC Bayern so gut an, dass „Effe“ zum Achtelfinale noch einmal wieder kommen durfte. Und natürlich: Auch Guus Hiddink, zuzuordnen der Kategorie Welttrainer, hinterließ bleibenden Eindruck beim Ersten. „Das ist ein echter Mann von Welt, der rein kommt, und erst mal nach Privatem fragt. Er war der Erste, der unserer Maskenbildnerin zum Geburtstag gratuliert hat“, zeigt sich Bommes beeindruckt.

Es gab sie also – die wirklichen Highlights und unvergessenen Momente für den «Sportschau»-Mann, nur, dass diese eben meist neben dem Platz zu finden waren. Es liege aber auch ein bisschen im Naturell des Moderators, dass er diese Zeit in Frankreich so genossen hat. „Endlich hatte ich wieder eine Mannschaft“, berichtet er.

Bommes war bis lange Zeit aktiver Handballer, spielte bei TSV Bayer Dormagen und dem VfL Gummersbach in der Bundesliga. „Eigentlich ist es so, dass ich seit ich fünf bin und bis vor sieben Jahren immer eine Mannschaft hatte.“ Dieses Mannschaftsgefühl hätte Bommes zuletzt durchaus mehr und mehr gefehlt. Und jetzt zur EM – da war es wieder da. Wenn auch nur für drei Wochen. „Es gab da in Paris echt alles, was es in Sportmannschaften auch gibt. Die, die absolut positiv überraschen zum Beispiel.“ Vieles hätte ihn in der Zusammenarbeit an ein funktionierendes Team erinnert – nur, dass es in der Kabine nicht so stinke wie beim aktiven Sport, lacht der 40-Jährige.

Zurück im Norden Deutschlands hat Bommes zuletzt etwas durchgeschnauft. Er habe eine der ganz seltenen Wochen hinter sich, in denen er nicht ständig in seinen Kalender schauen musste. Fußball schauen, Zeit für seine Familie haben – ein bisschen Urlaub, bevor die nächsten Aufgaben anstehen. Kommende Woche geht es wieder zu seiner Talkshow «Tietjen und Bommes», zudem will er sich für Olympia fit machen. Im August wird er für Das Erste zwei Wochen lang aus Rio von den Sommerspielen berichten. „Da muss ich mich schon ein bisschen einlesen“, meint er. Seiner Hoffnung nach, werde er dann rund zwei Wochen lang zu mindestens 90 Prozent über Sportliches berichten. Er sagt das mit dem Wissen, dass andere Themen durchaus auch auf der Agenda stehen. Das Thema Doping war bereits hochgekocht, die Aufregung darüber, die Spiele überhaupt nach Rio zu vergeben war sowieso immer vorhanden. „Allen, die sich aufregen und sagen: Wie könnt ihr nur die Spiele dort hin vergeben, sage ich: Gerade deshalb. Weil wir genau hinschauen werden,“ meint Bommes, der sich dennoch auf ein tolles Olympia-Erlebnis freut und den Handballern, Hockey-Spielern und Leichtathleten besonders viel zutraut.

Und dann geht es schon wieder weiter: Nach Olympia ist für Bommes vor der Bundesliga und vor der neuen Staffel seiner ARD-Quizshow «Gefragt – gejagt». Die Vorfreude war dem Kieler hierauf mehr als deutlich anzumerken. Es gibt also keine Anzeichen, dass der ehemalige Handballer in nächster Zeit seinen Terminkalender wieder in die Ecke legen kann.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
10.07.2016 13:26 Uhr 1
Sehr gutes Interview Manuel!!

Ich hatte auch die ganzen 4 Wochen hier in Berlin den Euíndruck, das die ganz große Stimmung zur EM einfach gefehlt hat....gerade als Florian David Fitz im TV - Vodeotext zitiert wurde mit: "Ich hänge noch immer an der WM Stimmung und habe irgendwie keinen Bock auf diese EM" wurde mir auch klar, die DEutschen sind gedanklich noch immer irgendwie in Brasilien, diese EM kommt einfach für viele entweder total zu früh oder ungelegen...

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