Hingeschaut

«Völkerball-Meisterschaft»: Bitte wieder einbuddeln!

von   |  5 Kommentare

Ein großes Entertainment-Sportevent ohne Stefan Raab, aber mit der gewohnten C-Promi-Riege - kann sowas Spaß machen? Nach Sichtung der «Völkerball-Meisterschaft» lässt es sich klar verneinen.

Über viereinhalb Stunden lang dauerte es, bis die große «ProSieben Völkerball-Meisterschaft» um kurz vor ein Uhr nachts ihren Sieger fand. Ja, es war ein ganz schön dicker Happen, den der Privatsender seinem Publikum am Samstagabend servierte - das allerdings kannte man auch vom großen Stefan Raab, der diese XXL-Sportevents als Subgenre der Primetime-Unterhaltungskunst mehr oder minder im Alleingang hierzulande etablierte. Doch während der Sender erst vor Wochenfrist mit der Neuauflage von «Schlag den Star» unter Beweis stellte, dass auch ohne den Raabinator gutes Fernsehen möglich ist, zeigte sich nun umso deutlicher, dass dies eben doch keine Selbstverständlichkeit ist. Die Sendung war zäh, spannungsarm, irrelevant und bot eine Variante des Völkerballs dar, mit der dieses Spiel wohl niemals zu einem Klassiker des Sportunterrichts geworden wäre.

Denn statt des anarchischen Kuddelmuddels, unter dem man Völkerball normalerweise kennt, versuchte man hier bemüht seriöse Regeln wie ein sofortiges Ausscheiden des Spielers zu etablieren, sobald dieser die Außenlinie übertritt. Die ausgeschiedenen Spieler dürfen dann nicht mehr versuchen, sich über einen Treffer an der Seitenlinie wieder reinzuspielen, sondern müssen das Spielfeld komplett verlassen. Ein Spiel ist nicht erst dann zu Ende, wenn ein Team komplett eliminiert ist, sondern wenn die Spielzeit von zwei Minuten und 30 Sekunden abgelaufen ist. Das alles sind kleine Stellschrauben, an denen zugunsten einer besseren Planbarkeit der Spielzeiten gedreht wurde - die allerdings dummerweise dem Spiel auch allesamt ein Stückchen Reiz absorbierten und letztlich zu einem oftmals drögen, einseitigen und statischen Spielgeschehen führten.

Auch sonst machte die Show nicht viel her: Optisch wirkte die große Halle, in der das Event stattfand, wie ein völliger Gegensatz zur sehr kleinen Spielfläche, die Moderatoren Thore Schölermann und Esther Sedlaczek fielen in erster Linie dann auf, wenn sie Regeländerungen im Vorfeld eines Spiels verkündeten, die dann aber gar nicht umgesetzt wurden und blieben ansonsten auf hinnehmbarem Niveau blass. Die Kommentatoren mühten sich redlich darum, das Geschehen auf der Bühne so spannend wie möglich zu reden und konnten dabei anfangs auch noch auf die Unterstützung des Publikums setzen, das sich lange Zeit als ziemlich dankbar erwies. Als dann aber auch nach über drei Stunden noch immer kein Ende der viel zu lang gezogenen Vorrunde in Aussicht stand, bekam die Euphorie von Helmer Litzke und Florian Schmidt-Sommerfeld zunehmend unfreiwillig komische Züge - was nach dem Finale in der Aussage gipfelte, man habe hier "kein großes Kino gesehen, sondern ein ganzes Filmfestival".

Wie hat Ihnen der Auftakt der «ProSieben Völkerball Meisterschaft» gefallen?
Sehr gut, würde mir weitere Ausgaben wünschen.
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War in Ordnung, da kann man zumindest mal reinschauen.
23,2%
Ganz mies, das muss ich nicht noch einmal sehen.
55,6%
Habe es (noch) nicht gesehen.
11,0%


Es ist sicherlich nicht abzustreiten, dass die Raab-Events gerade in ihren letzten Jahren auch beileibe nicht mehr mit Innovation glänzten und oft genug auch zu sehr in die Länge gezogen wirkten. Doch Raab gelang es zumindest immer mal wieder mit spektakulären Auftritten, dem einen oder anderen Regelkniff oder wenigstens seiner bloßen Präsenz, ein wenig Schwung in die Bude zu bringen. Das fehlte bei der «Völkerball-Meisterschaft» vom drögen Einstieg bis hin zum egalen Ende. Der Ablauf war steif, es gab keine Reizfigur, an der sich die Geister schieden und wenn sich die jeweiligen Spielpaarungen nicht überraschend als Selbstläufer entpuppten, hatte man schlicht das Gefühl, bei der Betrachtung seine Lebenszeit für gar nicht mal so kurzweilige Unterhaltung zu verplempern.

Und in Zeiten, in denen schon die Raab-Sportevents zum größten Teil bereits dem Senderschnitt immer näher kamen und von immer mehr Fans für dröge befunden wurden, hätte man sich doch etwas mehr gewünscht als eine Sparversion dessen mit einem Regelwerk, das dem Originalspiel eher den Reiz absorbiert als ihm neuen zu verschaffen. Man darf gespannt sein, ob die Quoten zumindest ausreichen, um noch eine zweite «Völkerball-Meisterschaft» in die Wege zu leiten - und wäre gar nicht mal so traurig, sollte es keine Fortsetzung geben.

Wir haben die «Völkerball-Meisterschaft» den gesamten Abend lang im Liveticker begleitet. Hier können Sie das Geschehen des Abends noch einmal rekapitulieren: Live-Ticker zur Show

Kurz-URL: qmde.de/85008
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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
tommy.sträubchen
17.04.2016 13:53 Uhr 1
Also die zusätzlichen Regeln waren wirklich Spielflussstörend (wasn Wort :-)) aber hätte man "normal" gespielt wäre die Sendung bis 5uhr gegangen. Ich fand zwischenzeitlich war es ganz ok aber Völkerball gehört für mich zu den Spielen, dass beim selber spielen echt Spaß macht aber beim zugucken echt an Wirkung verliert.
profizocker
17.04.2016 14:18 Uhr 2
Ich fand die Sendung an sich super. Nur haben mir weder die Moderatoren noch die Kommentatoren gefallen. Bei fast jedem Team haben die gesagt: Das Team ist Favorit. Es hätten sowohl ein Moderator und ein Kommenator gereicht. Und ich denke auch, dass einige Spiele tatsächlich deutlich länger gegangen wären, hätte es kein Zeitlimit gegeben. Auch wenn es zwischenzeitlich, aufgrund der Stärke eines Teams, etwas kurzweilig war, würde ich mich über einen Fortsetzung im nächsten Jahr freuen.
Blue7
17.04.2016 15:18 Uhr 3
Sei froh das Florian blabla Schmidt nicht wie bei ran NFL wie gestört und gekünstelt rumgeschrien hat.
Scooter
17.04.2016 15:46 Uhr 4
Das stimmt. Hätte man nach den normalen Regeld gespielt so dass sich auch ausgeschiedene wieder ins Spiel "werfen" können wäre die Sendung erst um 6 Uhr zu Ende^^
Fernsehfohlen
17.04.2016 15:51 Uhr 5
Man hätte ja auch nicht zwingend mit gleich acht Promi-Teams a sechs Spielern agieren müssen. Oder in jedem Spiel bis zum Gewinn eines zweiten Satzes weiterspielen. Da war schon Potenzial vorhanden, um ein bisschen was zu kürzen. ;)

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