First Look

«Bordertown»: Nach «Family Guy» kommt der Absturz

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Ein neuer Impuls für den Animation-Domination-Abend bei FOX. «Bordertown» geriert sich noch schräger, noch zynischer, noch seelenloser als «Family Guy»

Seth MacFarlane wird oft dafür gescholten, dass seine Serien – ob «Family Guy», «The Cleveland Show» oder «American Dad» – kaum Interesse daran haben, Geschichten über mehr oder weniger nahbare Charaktere zu erzählen, sondern eher als eine Aneinanderreihung bezugloser Gags funktionieren (oder eben nicht). Das stehe im krassen Gegensatz zum anderen Eckpfeiler des animierten Sonntagabends FOX, nämlich den «Simpsons», die in erster Linie eine warmherzige – und dabei freilich gerne auch ironische oder manchmal gar bitter sarkastische – Familienserie über starke, unveränderliche Figuren sind.

Doch wer schon ob der mangelhaften oder fehlenden inhaltlichen Kontur von Peter, Lois, Stewie und Brian mit «Family Guy» und seinen Schwesterserien nichts anfangen kann, dem dürfte bei «Bordertown», dem Neuzugang am traditionellen Animation-Domination-Abend bei FOX, das kalte Grausen kommen.

Mehr als einen kurzen Handlungsabriss braucht es nicht: Im fiktiven grenznahen US-Staat Mexifornia leben zwei Familien Tür an Tür: Die Buckwalds um den Pater Familias Bud, der als Grenzkontrolleur mitten im Nirgendwo arbeitet und politische Ansichten vertritt, die nicht einmal Donald Trump teilen würde. Und die Gonzalez‘, eine mexikanisch-amerikanische Familie, die es in den USA zu Erfolg und Wohlstand gebracht hat. Während die Buckwalds das alte, abgewirtschaftete und von der Moderne zurückgelassene Amerika verkörpern sollen, sind die Gonzalez‘ die Inkarnation des American Dream. Es dürfte wenig überraschend sein, dass Bud seine hispanischen Nachbarn nicht ausstehen kann.

Als Tochter Becky ihm beichtet, dass sie sich mit J.C. Gonzalez von nebenan verlobt hat, explodiert Bud glatt der Kopf. Buchstäblich. Doch, genau so stellt sich «Bordertown» seine Gags vor. Diese Serie kennt keine Figuren, sondern nur Karikaturen. Ach was, nicht einmal das. Sie sind Gagmaschinen, mit allenfalls sehr begrenzten charakteristischen Eigenschaften, die eigentlich nur kurze Reference Points für oberflächliche Konflikte bieten sollen, um so zu tun, als erzähle man neben der Dauerbeschallung vorhersehbarer wie wenig innovativer Witzchen noch eine Geschichte. Bud ist ein Reaktionär, seine Frau eine gute Seele, seine jüngste Tochter eine Parodie auf Honey Boo Boo Child (die auch als einzige Figur der Familie in einem Südstaatenakzent spricht), während J.C. Gonzalez als ein progressiv-linker, aber wirtschaftlich unproduktiver College-Student gezeichnet ist, der Skandale sucht, wo keine sind, und mit grenzenlosem Aktionismus und einer beschränkten Toleranz für sinnige Gegenargumente die Welt verbessern will.

Aber das müssen Sie eigentlich gar nicht wissen. Die meiste Zeit geht es um schale Witze über Buds Unfähigkeit in seinem Job, über seinen inzestuösen Redneck-Nachbarn, den er mit seiner Tochter verkuppeln will, um Aliens, die seinen wenig attraktiven und noch weniger gebildeten Kollegen entführen, um pseudo-metafiktionelles Getue, wenn der Name der Show fällt. «Bordertown» ist «Family Guy» in Extrem. Und das ganz im schlechten Sinne.

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