360 Grad

Fiction vs. Fiction für die Hälfte

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Sat.1 will im September eine neue Soap am Vorabend etablieren. Die direkte Konkurrenz zur selben Sendezeit: Scripted-Reality. Ein Duell aus Fiction und Fiction für die Hälfte...

Bei Soaps galt früher eine einfache Regel: Laufen sie erst, sind sie so gut wie nicht mehr totzukriegen.

Die Urgesteine bestätigen diesen Trend: «Gute Zeiten Schlechte Zeiten» befindet sich im 23. (!) Jahr seines Bestehens, «Unter Uns» im 21., «Alles was zählt» darf nächstes Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Die (mittlerweile abgesetzten) Dauerbrenner des Ersten, «Marienhof» und «Verbotene Liebe» brachten es jeweils auf rund zwanzig Jahre, während das nachmittägliche «Rote Rosen» bereits seit neun Jahren läuft.

Eine neue Soap zu programmieren, hat also einen sehr offensichtlichen Reiz. Ist sie einmal etabliert, hat man durch die gute Planbarkeit und ein verlässliches, meist sehr loyales Publikum auf Jahre Ruhe.

Ruhe und Planbarkeit ist derweil genau das, was Sat.1 am Vorabend sucht. Dort scheiterte – das dürfte niemandem neu sein – seit Jahren ein Format nach dem anderen; vor kurzem dann ein besonders schmerzlicher Rückschlag: die teure, groß aufgezogene Reality-Produktion «Newtopia», die – hätte sie funktioniert und beim Publikum Anklang gefunden – auf lange Zeit für Stabilität gesorgt hätte.

Ab September soll es auf dem 19.00-Uhr-Sendeplatz nun eine seit längerem geplante Soap richten: «Mila» mit Susan Sideropoulos in der Hauptrolle. Dass man ins direkte Duell mit dem etablierten «Alles was zählt» und dem RTL II-Dauerbrenner «Berlin – Tag & Nacht» geht, kann gut und gerne schon der erste Fallstrick sein, der dem Format massiv schaden könnte.

Vor allem die Performance im Vergleich zu letztgenanntem Format, einer Scripted-Reality, dürfte interessant zu beobachten werden. Schließlich gab es diese Programmfarbe im deutschen Fernsehen zumindest noch nicht in Soap-Hybrid-Form, als die letzte (nicht gescriptete) Soap erfolgreich etabliert wurde.

Will sagen: Kann sich eine klassisch erzählte Soap überhaupt noch gegen das Geschrei und Gepolter von «Berlin – Tag & Nacht» und «Köln 50667» behaupten, oder ziehen nur noch Lautstärke und Skandal? Haben eine sanftere, romantischere und vielleicht auch reifere Erzählweise und entsprechendes Figurenpersonal überhaupt noch eine Chance gegen Ole ohne Kohle und seine tätowierten Freunde? Kann der langsamere, vielleicht heutzutage fast schon altmodischere Rhythmus einer Daily-Soap mit dem rasanten, aber gleichzeitig noch viel oberflächlicheren «Berlin – Tag & Nacht» mithalten, wo Figuren nicht mehr nur Karikaturen, sondern schon (unbeabsichtigte) Persiflagen auf sich selbst sind?

Scheitert «Mila», wäre das ein weiterer Triumph für Scripted-Reality als populäre Erzählform – und vielleicht, eine Gelegenheit für manchen Fernsehmacher, sich von dem Trugschluss hinreißen zu lassen, Fiction gehe auch für die Hälfte.

Dann sieht sie nämlich auch so aus.

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