Popcorn & Rollenwechsel

Hollywood und seine sexistischen Altersvorstellungen

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Maggie Gyllenhaal wurde neulich bei einem Filmprojekt abgewählt, weil sie zu alt sei, um als Freundin eines 55-Jährigen zu überzeugen.

Hollywood und sein Frauenbild – Teil MMXV. Heute mit der Frage: Welches Alter ist für die Lebenspartnerin eines 55-Jährige angemessen? Antwort: Keine Ahnung, aber auf jeden Fall sollte die Frau jünger sein als 37. Das musste zumindest die Oscar-nominierte Maggie Gyllenhaal erfahren. Wie Gyllenhaal im Gespräch mit dem Branchenportal The Wrap verriet, wurde sie jüngst bei einem Hollywood-Film abgelehnt, weil sie zu alt sei, um die Partnerin des 55-jährigen, männlichen Hauptdarstellers zu spielen. Sofern Maggie Gyllenhaal sich nicht in einem Anflug geistiger Umnachtung für ein Projekt beworben hat, bei dem ein radikaler Altersunterschied zwischen den Hauptfiguren thematisiert wird, ist dies ein skandalöses Paradebeispiel für die verschobenen Geschlechterrollen in Hollywood. Und da Maggie Gyllenhaal eine smarte Frau ist, darf bezweifelt werden, dass sie tatsächlich für einen «Lolita»-haften Film vorgesprochen hat und sich nun wundert, dass sie nicht dem gewünschten Alter entspricht.

Gyllenhaal durchlief, verständlicherweise ein Wechselbad der Gefühle, als sie abgelehnt wurde: „Es war für mich unbegreiflich. Ich habe mich schlecht gefühlt, ich war wütend, und dann musste ich einfach lachen.“ Atypisch ist so etwas in Hollywood traurigerweise aber nicht. Die 'Alliance of Women Film Journalists' verleiht Jahr für Jahr im Rahmen ihrer Filmawards eine Auszeichnung für den drastischsten Altersunterschied zwischen dem Frontmann eines Films und seiner sogenannten 'Love Interest'. Vergangenes Jahr etwa machten «Magic in the Moonlight» mit 28 Jahren zwischen Emma Stone und Colin Firth, «Draft Day» mit 17 Jahren zwischen Jennifer Garner und Kevin Costner und «Edge of Tomorrow» mit 21 Jahren Unterschied zwischen Emily Blunt und Tom Cruise auf sich aufmerksam.

Durchgehend ist dieser Filmpreis allerdings kein verlässlicher Messgrad darüber, wie wirr Hollywood tickt. Die 33 Jahre, die zwischen Abigail Breslin und Dermot Mulroney klaffen, wurden in «Im August in Osage County» sehr wohl kritisch thematisiert und sind somit zwar auffällig, aber nicht besorgniserregend. Die 17 und 19 Jahre, die zwischen Tom Cruise – der Gute mal wieder – und seinen Leinwandpartnerinnen in «Oblivion» liegen, sind da schon wieder problematischer. Und waren 2013 trotzdem nicht ganz vorne mit dabei: Den Preis der 'Alliance of Women Film Journalists' für die drastischste Altersdifferenz hatte «Last Vegas» aufzuweisen, wo 36 Jahre zwischen Michael Douglas und Bre Blair lagen – und darüber ob es thematisch von Relevanz war, lässt sich in diesem Fall fürstlich streiten.

Da verwundert es nicht, dass Rebel Wilson laut diversen Berichten bislang hinsichtlich ihres Alters gelogen und sich als 29-Jährige ausgegeben hat, obwohl sie bereits 35 Länze zählen soll. Denn in Hollywood gilt eine Gruppe von Frauen zwischen 31 und 47 Jahren bereits als alt – wie der Cast des kommenden «Ghostbusters»-Films, bei dem Wilson angeblich als Verjüngungsmaßnahme angeheuert wurde. Bei Frauen zählen in Hollywood oftmals die nackten Zahlen, die dann noch obendrein übertrieben kritisch gegen sie ausgelegt werden. Ein Tom Cruise derweil gilt aufgrund seines fitten Aussehens als ewig jung – obwohl er älter ist als der älteste weibliche Ghostbuster in spe. Na halleluja ...

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