Popcorn & Rollenwechsel

50 Shades of Sex in Cinema

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Teil I: Im ersten Part dieser zweiteiligen Kolumne stellen wir Ihnen 25 Filme vor, die ihrerzeit als anrüchig betrachtet wurden.

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1934: Der Abenteuerfilm «Tarzans Vergeltung» deutet überdeutlich an, dass Tarzan und Jane ihre Zeit im Dschungel weitestgehend mit Sex verbringen. Das Produktionsstudio lässt eine Szene mit Jane, die ein Nacktbad nimmt, in zahlreichen Fassungen drehen, damit Kinos wählen können, welche Version am ehesten den Zensurrichtlinien in ihrem Staat entspricht.

1942: Aufgrund immer strengerer Zensurbestimmungen greift Regisseur Irving Rapper in «Reise aus der Vergangenheit» auf visuelle Doppeldeutigkeiten zurück, um darzustellen, dass zwei Figuren miteinander schlafen werden. Schauspieler Paul Henreid nimmt zwei Zigaretten in den Mund, zündet sie an und reicht eine davon an Bette Davis weiter – und popularisiert so die Idee der Zigarette danach.

1943: Der Western «Geächtet» kommt nach einem drei Jahre langen Kampf mit der Zensurbehörde in die Kinos. Grund der Beanstandung: Hauptdarstellerin Jane Russell hat zu große Brüste, die (obwohl stets bedeckt) zu auffällig in Szene gesetzt seien. Der Kinostart wird von einer Marketingkampagne begleitet, die sich auf sinnliche Aufnahmen Russells stützt. Zum Ärger aller Moralapostel wird der Film zu einem Publikumsmagneten.

1946: Alfred Hitchcock nutzt Schlupflöcher in den Bestimmungen der US-Zensurbehörde und baut in seinen Thriller «Berüchtigt» die bis dahin längste Kussszene der Filmgeschichte ein. Ungeachtet der Beschwerden einer lauten Minderheit wird «Berüchtigt» ein Erfolg bei Kritikern und beim zahlenden Publikum.

1950: Die französische Theaterverfilmung «Der Reigen» schildert zehn Episoden über Sex, Betrug und körperliche Begierde. In den USA wird sie für zwei Oscars nominiert – und bis zum Obersten Gerichtshof getragen.

1951: Das Drama «Endstation Sehnsucht» bringt die Themen Ehebruch und Sexsucht zurück in den US-Mainstream. Subplots über Homosexualität und häusliche Gewalt fallen vor Kinostart jedoch der Schere zum Opfer, rund vier Minuten werden gekürzt. Eine Vergewaltigungsszene bleibt in rudimentärer, symbolischer Form enthalten.

1953: Die Romantikkomödie «Wolken sind überall» wird ohne Segen der Production Code Administration in die Kinos entlassen und löst einen Sturm der Entrüstung aus, weil Wörter wie „Jungfrau“, „verführen“ und „schwanger“ benutzt werden. Mehrere US-Staaten verbieten es, den Film vorzuführen.

1956: Brigitte Bardot ist in «Und immer lockt das Weib» in zahlreichen anzüglichen Bildern zu sehen, unter anderem werden ihre Brüste in einem transparenten Kleid in Szene gesetzt. Das Kunstdrama wird zum international größten Kinoerfolg der 50er-Jahre, der nicht aus den USA stammt, und wird wegen seiner Sinnlichkeit in vielen Ländern heftig gekürzt. Außerdem inspiriert es unzählige Nachahmerfilme die mit immer mehr nackten Tatsachen locken und ihre (pseudo-)intellektuelle Story nutzen, um dennoch nicht in Pornokinos, sondern in Arthouse-Kinos veröffentlicht zu werden.

1956: Im Filmdrama «Baby Doll – Begehre nicht des anderen Weib» verbringt eine in Babyklamotten gekleidete, am Daumen lutschende 19-Jährige einen Großteil ihres Tages in ihrer Wiege. Ihr volljähriger Gatte, ein armer Baumwollfarmer, wartet sehnsüchtig auf ihren 20. Geburtstag, um endlich die Ehe vollziehen zu können. Doch eine Auseinandersetzung mit einem wohlhabenden Nachbarn macht dem Farmer die Wartezeit zur Tortur. Kinos, die dieses Drama zeigten, werden mit Bombendrohungen bedacht und die Kirche wettert medienwirksam gegen diesen tiefschwarzen Blick auf die Unterschicht Amerikas. Gleichwohl wird durch diesen Kinofilm das Babydoll-Nachthemd über Nacht zum Verkaufsschlager, zudem löst der Film einen kurzen, aber in mannigfaltigen Medien ausgeschlachteten nationalen „Frauen in Babykrippen“-Fetisch aus.

1957/1958: Die Bestsellerverfilmung «Glut unter der Asche» reißt Themen wie Ehebruch, Inzest, uneheliche Schwangerschaft und Abtreibung an – wobei alles nur in vagen Worten besprochen wird und kaum etwas gezeigt. Mit neun Oscar-Nominierungen und enormen Kinoeinnahmen (in den USA wird dies zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres 1958) löst Mark Robsons kurz vor Weihnachten veröffentlichtes Drama eine Diskussion über Sinn und Unsinn der rigiden Zensurbestimmungen des Hays Codes aus.

1959: William Wyler möchte mit «Ben-Hur» die Geschichte eines römisch-jüdischen Schwulenpaars erzählen, fürchtet aber sowohl die US-Zensur als auch die Reaktion des Hauptdarstellers Charlton Heston. Dennoch spielt Nebendarsteller Stephen Boyd seine Rolle so, als sei sie homosexuell.

1959: Die französisch-japanische Koproduktion «Hiroshima, mon amour» handelt von einer französischen Schauspielerin und einem japanischen Architekten, die während einer Affäre ihre Kriegs-Traumata verarbeiten. Kritiker feiern den Film für seine bahnbrechende, nonchronologische Erzählweise, Moralhüter nehmen an der „Rassengrenzen“ überschreitenden Liebesgeschichte Anstand.

1959: Alfred Hitchcock erfindet die nunmehr oft parodierte visuelle Doppeldeutigkeit eines Zuges, der in einen Tunnel fährt, um trotz strenger Zensurauflagen verdeutlichen zu können, dass zwei der Figuren in «Der unsichtbare Dritte» miteinander schlafen.

1959: Da Bettszenen selbst mit komplett bekleideten Darstellern bei der Zensurbehörde zumeist Beanstandung finden, zeigt Michael Gordon in «Bettgeflüster» Doris Day und Rock Hudson, wie sie via Telefon flirten, während sie jeweils in ihrem eigenen Bett liegen. Mittels Splitscreen werden die Darsteller in diesen Szenen nebeneinander gezeigt.

1960: Alfred Hitchocks «Psycho» wird in vielen Regionen der USA gekürzt, um sämtliche Szenen zu entfernen, in denen Janet Leigh in einem Bra zu sehen ist.

Kommende Woche blicken wir auf 25 weitere Skandalfilme.

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