Hingeschaut

Der innovative Musik-W-App-bewerb

von

Die neue Musikshow «Keep Your Light Shining» hat ihre Weltpremiere hinter sich. Und zeigte mit ihr, dass App-basierte Unterhaltungsshows funktionieren.

Eine Weltpremiere

Anders als etwa bei «The Voice of Germany» oder «Got to Dance» kann ProSieben bei «Keep Your Light Shining» nicht auf Erfahrungen aus dem Ausland zurückgreifen: Die Produktion von Tresor TV basiert zwar lose auf einer israelischen Showidee, wurde so aber bislang noch nicht umgesetzt.
Ein Abend, zwei mit Apps verknüpfte Liveshows: Während Das Erste mit dem Promispecial seiner Ratesendung «Quizduell» ins Stolpern geriet, lief bei ProSieben alles glatt. Die neue Musiksendung «Keep Your Light Shining» feierte ihre Weltpremiere, verließ sich bei ihrem Zuschauervoting ohne größere Erklärungen allein auf eine App (sowie auf mit Facebook verknüpfte Browser-Votes) – und manövrierte sich, auf technischer Seite, reibungslos durch den Abend. Das allein war schon die halbe Miete. Doch auch ohne den „Die App funktioniert!“-Bonus schlug sich das neue Format hervorragend und sollte ProSieben in dem Gedanken bestätigen, nicht andauernd darauf zu warten, ob ein Projekt im Ausland funktioniert. An «Keep Your Light Shining» lässt sich durchaus noch ein wenig feilen, das Gesamtbild von Konzept und Umsetzung stimmt trotzdem schon jetzt. Man braucht also auch abseits des steten Showinnovators Stefan Raab im Showsektor keine internationalen Erfahrungswerte.

Ein großer Pluspunkt: Die «Keep Your Light Shining»-Macher scheinen zu wissen, wie simpel die hinter der Sendung stehende Idee ist, und verzichteten daher darauf, die Regeln immer wieder ausgedehnt zu erläutern. Neun Talente stehen auf der Bühne, ein Song wird bestimmt, ab dann müssen sie der Reihe nach singen, jeder für 30 Sekunden. So lange, bis das Lied zu Ende ist. Derweil stimmen die Zuschauer live ab: Bekommt der gerade zu hörende Interpret einen Daumen nach oben oder einen nach unten? In dieser digitalen Gladiatorenarena für Musikanten gilt: Wer nach dem letzten Takt mit dem geringsten Anteil an positiven Stimmen dasteht, fliegt raus. Sieben weitere Runden folgen, der im Finale seinem Konkurrenten vorgezogene Sänger gewinnt den Abend. Ein Konzept, das in der Praxisausführung erstaunlich intuitiv ist – und daher bietet es sich an, auf all zu viel Schnickschnack zu verzichten.

Vor der ersten Abstimmungsrunde durften jedoch die zwei prominenten Musikexperten, begleitet von den neun Kandidaten, ihren jeweils größten Hit anstimmen. Nach den Performances von Alina Süggeler und Ricky Martin ging es aber ohne Umschweife weiter: Moderatorin Annica Hansen führte rasch in die Showidee ein, schon startete die erste Abstimmungsrunde. Welcher der Kandidaten beginnt, wurde vor jeder Runde von Ricky Martin und Alina Süggeler bestimmt, sonst hatten die Promis nicht viel zu melden. Stimmgewalt haben sie gar keine, und aus Sympathie mit den Teilnehmern weigerten sie sich in der Premiere auch, auf Annica Hansens Fragen nach ihren Favoriten zu antworten.

Da zumindest Ricky Martin redlich von der Showidee begeistert wirkte und auch mehrfach ungefragt Lob an die Kandidaten verteilte, darf die Jury gerne Teil der Show bleiben, jedoch wird sie noch ihren richtigen Platz in der Showidee finden müssen. So sympathisch es ist, aus Prinzip jedem Kandidaten das Weiterkommen zu gönnen (erst recht, wenn die Jury ehrlich hinter diesem Urteil steht), irgendeine weitere konkrete Funktion darf sie künftig gerne erfüllen. Und sei es, dass sie neben gelegentlichen Kommentaren auch die Songauswahl von sich gibt.

Aber selbst, wenn die Jury in kommenden Ausgaben nur schmückendes Beiwerk bleiben sollte: Das Live-Zuschauervoting funktioniert, auch dank der übersichtlichen (und dennoch nie verstaubt wirkenden) Kamera- und Regieführung, die stets ermöglicht, die Lichtbalken auf der Showbühne im Blick zu behalten, die die positiven Votes repräsentieren. So flott die Gesangsrunden aufgrund der flüssigen Kandidatenwechsel und der (vor dem Finale) in Echtzeit bekannt gegebenen Stimmergebnissen allerdings sein mögen: Es ginge noch temporeicher. Ab Runde zwei bekamen die übrig gebliebenen Kandidaten in der Showpremiere vor Start der Nummer 60 Sekunden Verschnaufpause gegönnt. In dieser Ruheminute wurden aus dem Off vorab aufgezeichnete Kommentare der Sängerinnen und Sänger eingespielt – ein etwas bemühter dramaturgischer Kniff und unnötiger Leerlauf in der Show. Sollte die Pause nur dazu dienen, den Kandidaten kurz Gelegenheit zu geben, sich den zuvor bekannt gegebenen Song in Erinnerung zu rufen, darf die Pause durchaus im Ablauf bleiben. Dann wäre es fürs Tempo des Formats jedoch von Vorteil, wenn das Publikum währenddessen andere Inhalte präsentiert bekommt. Vielleicht etwas mehr Interaktion zwischen Hansen und der Jury?

Die obligatorischen Einspieler über die Showteilnehmer, die ab der zweiten Runde lose verteilt durch den Abend führen, sind stylisch, prägnant und zudem frei von Tränendrüsendrückerei – dieses Element sitzt also. Die offenbar beliebig gewährten Einblicke in die genauen Votingergebnisse (wer landete auf welchem Platz?) wirken in der bisherigen Form dagegen wie Lückenfüller – wenngleich nicht sonderlich störende. Ärgerlicher ist die überreizte Wartezeit zwischen Ende der Finalrunde und Bekanntgabe des Showgewinners – angesichts des sonstigen Tempos von «Keep Your Light Shining» ein unschöner Stilbruch.

Die Musikauswahl ist derweil noch recht konservativ. Zwar warb «Keep Your Light Shining» vorab damit, dass jeder alles singen muss und sich daher Schlagerfans auch mal durch Metal gröhlen müssen und Rocker Schnulzen zu trällern haben, dennoch orientierte sich die Premiere primär am Radio-Pop der vergangenen paar Jahre. Einziger Ausreißer: Nirvanas Grunge-Klassiker „Smells Like Teen Spirit“, ein längst in der musikalischen Mitte angekommener Randalesong. Dafür begeistert die Liveband, die alle Nummern peppig zum Besten gibt. Moderatorin Annica Hansen rundet das Gesamtbild ab: Spürbar von der Showidee überzeugt, führte sie fähig durch den Premierenabend – teils etwas überengagiert, aber das dürfte sich gewiss noch einpendeln.

Kurzum: Die Technik läuft, das Konzept macht Spaß und stellt den Gesang in den Vordergrund, die inhaltlichen Baustellen sind überschaubar. Sofern die Zuschauer dieses schnelle, interaktive Format auch auf Dauer akzeptieren, darf sich ProSieben als Trendsetter feiern. Gut genug für solch einen Erfolg ist «Keep Your Light Shining» allemal.

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