Die Kritiker

«Polizeiruf 110: Käfer und Prinzessin»

von

Die neue Ausgabe der Krimireihe «Polizeiruf 110» überzeugt mit kinoreifer Optik und der subtilen, facettenreichen Zeichnung einer Öko-Kommune.

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Regie: Robert Thalheim
  • Kamera: Henner Besuch
  • Buch: Clemens Murath
  • Kostüm: Nici Zinell
  • Produzentin: Heike Streich
Kommissarin Olga Lenski und Polizeihauptmeister Krause werden auf einen Öko-Bauernhof gerufen: Ein Mitglied der dort lebenden Kommune wurde tot in der Jauchegrube aufgefunden, und es gilt zu klären, ob es ein Unfall, die Folge einer fahrlässigen Tötung oder gar ein Mord war. Da der Verstorbene der Lebensgefährte einer früheren Schulfreundin Olgas war, geht der Polizistin der Fall wesentlich näher als er es sollte. Darüber hinaus muss die Ermittlerin jedoch einsehen, dass ihre gute Freundin bei ihrer Aussage einen sehr verdächtigen Eindruck macht – weiß sie etwa mehr als sie preisgibt? Und was hat der gestrenge Kommunenleiter Harry zu verbergen?

Darsteller


Maria Simon («Herzversagen») als Hauptkommissarin Olga Lenski
Horst Krause («Wir können auch anders…») als Polizeihauptmeister Krause
Fritzi Haberlandt («Transpapa») als Ruth
Peter Lohmeyer («Die Abenteuer des Huck Finn») als Harry Wacker
Niels Bruno Schmidt («Der Baader Meinhof Komplex») als Martin Jahn
Fabian Busch («Der Untergang») als Paul
Helene Grass («Futschicato») als Sabine

Kritik


Kinoregisseur Robert Thalheim, unter anderem verantwortlich für «Westwind» und «Am Ende kommen Touristen», ist eine ebenso atypische wie auch willkommene Ergänzung des bisherigen «Polizeiruf 110»-Rasters. Der mehrmals prämierte Berliner verleiht seinem Debüt im Bereich der öffentlich-rechtlichen Sonntagskrimis eine dunkle, erdige visuelle Komponente, die hervorragend die Tristesse des vermeintlichen Öko-Paradieses unterstreicht, ohne durch ein Übermaß an Farbfiltern künstlich zu wirken. Zudem tun Thalheim und Drehbuchautor Clemens Murath den Schauplatz dieses «Polizeiruf 110»-Falls nicht eindimensional als gesellschaftsfernen Sündenpfuhl ab, sondern unterstreichen mit der Finesse, die die Schattenseiten der Kommune betont, auch die idyllischen Aspekte des alternativen Bauernhofs. Reizvolle Folkklänge untermalen die ruhigeren Szenen dieses Krimis und die Kommunenmitglieder üben sich nicht in den klischeehaften Öko-Alternative-Floskeln, sondern in geschliffenen, geistreichen Dialogen.

Das Milieu ist der deutliche Star dieser «Polizeiruf 110»-Ausgabe, da es ambivalenter und tiefschürfender charakterisiert wird, als man es von der Darstellung alternativer Gesellschaftsentwürfe im gebührenfinanzierten Fernsehen sonst gewohnt ist. Durch die Verbindung der weiblichen Hauptfigur Olga, effizient und empathisch gespielt von Maria Simon, zum wildromantischen, dennoch makelbehafteten Setting dieses Krimis ist auch ausreichend Raum für privatere, emotionalere Zwischentöne gegeben, selbst wenn in dieser Hinsicht dennoch weniger subtil gearbeitet wird als in der Milieuzeichnung.

Darüber hinaus gelingt es diesem Neunzigminüter aber auch, einen spannenden Kriminalfall zu entwerfen, der das Publikum zum Mitraten einlädt. Die Auflösung ist hinter zahlreichen falschen Fährten clever versteckt, gleichwohl ist sie so plausibel, dass der geneigte Zuschauer auf sie kommen könnte – womit der ärgerliche „Das hat man sich doch aus der Nase gezogen, um am Ende überraschen zu können!“-Faktor ausbleibt. Mit spitzer Feder verschränkt Murath in seinem Skript spießige Eifersuchtstaten, griffige Prinzipsentscheidungen und politischen Kommentar zu einem einladenden sowie bissigen Stück Fernsehunterhaltung. Gegen Ende wirkt die Ambivalenz des Falls gewiss überbetont, doch dies ist bloß ein kleines Problem eines sonst sehr guten TV-Krimis.

«Polizeiruf 110: Käfer und Prinzessin» ist am 6. April 2014 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/69931
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