Die Kritiker

«Was machen Frauen morgens um halb vier?»

von

Brigitte Hobmeier sorgt für Natürlichkeit und Pepp in einer sonst eher mäßigen Degeto-Kinokomödie.

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Regie: Matthias Kiefersauer
  • Drehbuch: Martina Brand
  • Musik: Rainer Bartesch
  • Kamera: Thomas Etzold
  • Schnitt: Silvia Nawrot
Franzi Schwanthaler weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht: Die alleinerziehende Mutter, die in einem bayerischen Dorf gemeinsam mit ihrem Vater Josef voller Tatkraft eine Bäckerei betreibt, verliert nach und nach ihre Kunden. Grund dafür ist die neue Konkurrenz durch eine mit Dumping-Preisen auftrumpfende, internationale Discount-Backkette. Dass immer mehr Einwohner seines geliebten Dorfes die billigen Preise der Backkette den mit Liebe gemachten Backwaren seiner Familienbäckerei vorziehen, schmerzt Josef dermaßen, dass er einen Herzinfarkt erleidet. Sehr zum Leidwesen von Franzi reist daher ihre ältere Schwester Carmen aus ihrer Wahlheimat Berlin an, um nach dem Rechten zu sehen und Franzi mit Ratschlägen zu bombardieren.

Carmens Vorschläge erscheinen der gutmütigen Franzi überaus kaltherzig: Sie soll in die Großstadt ziehen, einen neuen Job suchen und die Familienbäckerei als dem Untergang geweihte, schuldenzerfressene Altlast zurücklassen. Franzi will aber nicht aufgeben und schmiedet stattdessen wagemutige Pläne: Wieso nicht in den arabischen Raum expandieren?

Darsteller


Muriel Baumeister («Spreewaldkrimi – Eine tödliche Legende») als Carmen
Julia Eder («Der Kaiser von Schexing») als Sonja Bierbichler
Sebastian Edtbauer («Wege zum Glück») als Seppi Maier
Samir Fuchs («Iron Sky») als Dolmetscher
Brigitte Hobmeier («Sommer in Orange») als Franzi
Peter Lerchbaumer («Der Doc und die Hexe») als Josef

Kritik


Es geschieht überaus selten, dass ein deutscher Fernsehfilm als so gut erachtet wird, dass ihn die hinter ihm stehenden Verantwortlichen bundesweit in die Kinos bringen. Mitunter kommt es vor, dass ein Film daher ohne Kinoauswertung auskommen muss, obwohl er sich stilistisch und qualitativ eine solche verdient hätte. Man denke etwa an das kongeniale Liebesdrama «Grenzgang», das als Standardware versendet wurde. Wenn ein als Fernsehfilm geplantes Projekt dann doch in die Kinos wandert, darf der interessierte Zuschauer also umso gespannter sein, um was für ein Werk es sich dabei wohl handeln muss.

Um die Spannung nicht unnötig aufzubauschen: Die im November 2012 im Kino gezeigte Degeto-Produktion «Was machen Frauen morgens um halb vier?» ist kein Wunderwerk der deutschen Fernsehfilmgeschichte und Jahr für Jahr dürfte es ein Leichtes sein, eine Handvoll TV-Filme zu finden, die eher eine Kinoauswertung verdient hätten als diese recht unscheinbare Komödie. Gleichwohl ist immerhin kein typisch plattes Degeto-Machwerk gewürdigt worden, sondern ein leicht überdurchschnittlicher Schwank, der neben allerlei Stereotypen und Plattitüden auch so manche gut sitzende Gags zu bieten hat. Trotzdem: Regisseur Matthias Kiefersauer baut seine bayerisch angehauchte Komödie auf einigen Degeto-Grundbausteinen auf, die nicht nur abgenutzt sind, sondern auch einen schalen Beigeschmack haben. Hier die heile, kleine Welt auf dem Ländle, da die abgezockte, eingebildet-moderne Welt der Städter. Nach kurzen, tragischen Zwischentönen spaziert die Handlung stramm in Richtung Wohlfühl-Eskapismus. Und all dies in einem seichten Tonfall getaucht – zu aufgedreht, zu dramatisch, zu quirlig darf es schließlich nicht zugehen, das wäre nicht mehr massentauglich.

Aufgepeppt wird die nach Schema F zusammenkonstruierte Geschichte aber durch locker verteilte Seitenhiebe auf die Qualitätsunterschiede zwischen Familien- und Massenbäckereien. Jeder, der gute Backwaren zu würdigen weiß (egal ob nun vom Land oder in einer guten Stadtbäckerei), wird daher sicher über Anspielungen auf „Fertigklump aus Tschechien“ und geschnittenes Brot vom Fließband schmunzeln können. Gleichermaßen bekommt auch die naive Weltsicht so manches Kleinbetriebes ihr Fett weg: Die von Brigitte Hobmeier mit viel Energie dargestellte Franzi versucht, einen arabischen Kronprinzen mit allerhand Klischeedenken für Christstollen zu begeistern – und Kiefersauer spielt diese und ähnliche Szenen mit treffsicherer Ironie aus.

Die Darstellung der Araber wiederum tänzelt nah an der negativen Karikatur vorbei, doch durch die besagten, vereinzelten Gags, bei denen klar Franzi das Opfer darstellt, wird deutlich, dass die Filmemacher nur versuchen, den karikierten Dorfbewohnern Figuren gegenüberzustellen, die ihren Erwartungen entsprechen. Höhepunkt sind trotzdem die Dialoge zwischen Franzi und ihrer Schwester, die mit Natürlichkeit und feschem Timing punkten. Diese Frische ist es letztlich, die auch über die trägen, ausgetretenen Degeto-Klischeemomente halbwegs hinwegtäuschen kann.

«Was machen Frauen morgens um halb vier?» ist am Mittwoch, dem 18. Dezember 2013, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/67981
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