Die Kino-Kritiker

«The Counselor»

von

Ein Cast, bei dem man nur mit der Zunge schnalzen kann. Ein Regisseur, der sein Handwerk versteht – und trotzdem ist der Drogenthriller nicht der große Wurf geworden.

Filmfacts «The Counselor»

  • Kinostart: 28. November 2013
  • Genre: Thriller
  • Laufzeit: 117 Min.
  • FSK: 16
  • Musik: Daniel Pemberton
  • Autoren: Cormac McCarthy
  • Regie: Ridley Scott
  • Darsteller: Michael Fassbender, Javier Bardem, Brad Pitt, Cameron Diaz, Penélope Cruz, Bruno Ganz, Rosie Perez, Toby Kebbell, Rubén Blades
  • OT: The Counselor (USA 2013)
Mit seinem «Alien»-Prequel «Prometheus» zeigte Ridley Scott im vergangenen Jahr, dass er trotz seiner mittlerweile 76 Jahre längst nicht zum alten Regie-Eisen Hollywoods gehört. So verwundert es auch kaum, dass die schauspielerische Champions League der Traumfabrik für sein neues Projekt Schlange stand. Natalie Portman sollte zunächst eine Rolle übernehmen. Angelina Jolie hatte schon zugesagt, musste dann aber doch passen. Auch Bradley Cooper und Jeremy Renner waren im Gespräch. Letztlich erhielten Penélope Cruz, Cameron Diaz, Brad Pitt, Javier Bardem und Michael Fassbender die Zuschläge. Auf Darsteller-Seite punktet «The Counselor» also schon mal auf ganzer Linie.

Für das Drehbuch zeichnet Cormac McCarthy verantwortlich. Seine Romane „No Country for Old Men“ und „The Road“ wurden bereits für die große Leinwand adaptiert. Nun legt der amerikanische Schriftsteller sein Filmdebüt ab. Das handelt von einem Anwalt (Fassbender), der nur Counselor genannt wird, dessen Habgier immer größere Ausmaße annimmt. Um an noch mehr Geld zu gelangen, geht er einen riskanten Drogendeal ein. Dieser soll dem Counselor rund 20 Millionen Dollar einbringen und sein Verlangen nach Reichtum befriedigen. Aber dann geht etwas schief und der Anwalt gerät in die Bredouille. Doch nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner hübschen Verlobten Laura (Cruz) steht auf dem Spiel. Seine Vermittler lassen ihn unterdes sitzen.

Dass die Handlung über lange Zeit kaum aus den Puschen kommt, hängt sicherlich nicht an Scotts Inszenierung. Der Regisseur liefert aalglatte Bilder mit teuren Luxusvillen, schick angezogenen Menschen und erotischen Frauen. Hier glänzt und glitzert es an jeder Ecke und dank dieser Impressionen sieht man gerne zu, wie sich Cameron Diaz und Penélope Cruz am Pool über ihre sexuellen Neigungen auslassen oder Geparden in der Wüste Kaninchen jagen. Optisch weiß der Thriller zu gefallen.

Doch die betörenden Einstellungen können die lahme Geschichte nicht überblenden. Es geht einfach nicht voran und es gibt kaum spannende Anhaltspunkte. Es wird viel über Drogen gesprochen. Lange Gespräche, in denen auch schon oft gehörte Phrasen aufgetischt werden. Das andere Thema ist Sex und eine der skurrilsten Szenen ist jene, in der Cameron Diaz im Spagat über die Windschutzscheibe eines Autos rutscht, um sich vor den Augen Javier Bardems selbst zu befriedigen und für den Betroffenen dabei aussieht „wie die Fische, die ein Aquarium sauberlutschen“. Zum Geschehen tragen solche Nummern freilich herzlich wenig bei und dienen lediglich zur Stimulierung des (männlichen) Zuschauers. Ein billiges Mittel, dass immer noch funktioniert.

Trotz der sehr einfach gestrickten Story gibt das Darsteller-Ensemble alles. Fassbender brilliert als unter Strom stehender Anwalt, Penélope Cruz als sexy Verlobte. Cameron Diaz gibt eine zwielichtige Femme Fatale, bei der niemand so genau weiß, woran er ist. Brad Pitts kurze Präsenz hat es ebenfalls in sich. Und Javier Bardem mimt einen abgedrehten Lebemann, dessen Herz für seine beiden großen „Katzen“ schlägt. Dank des erstklassigen Cast wird der Besucher bei der Stange gehalten.

Denn an Spannung mangelt es McCarthys Drehbucherstling merklich. Mehr noch: Es lässt den Zuschauer kalt. Die Protagonisten sind – bis auf Laura – wenig sympathisch gezeichnet, so dass mitfiebern quasi unmöglich ist. Genau das wäre aber dringend nötig, da es so recht egal ist, was mit dem Counselor schlussendlich passiert. Zudem schuldet McCarthy viele Antworten, die er dem Zuschauer vorhält. Das gehört zwar zu seinem Schreibstil, funktioniert in diesem Fall aber leider nicht ganz so gut.

Wer sich die Top-Stars Hollywood in schwülen, geleckten und staubigen Bildern, eingefangen von «Prometheus»-Kameramann Dariusz Wolski, ansehen möchte, ist hier vollkommen richtig. Wem etwas an einer packenden Erzählung mit Spannungsmomenten und Adrenalin gelegen ist, sollte sich einen Kinobesuch zwei Mal überlegen.

«The Counselor» startet am 28. November in den deutschen Kinos.

Kurz-URL: qmde.de/67563
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