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„Joko & Klaas“-Produzent Schneppenheim: „No Risk. No Fun“

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Am 25. Februar startet «Circus Halligalli», die neue Show von Joko und Klaas bei ProSieben. Endemol-Comedychef Arno Schneppenheim sprach vor dem Start über Parallelen zu «TV Total» sowie einem bisher unbekannten Quotendruck und das TV-Phänomen «Dschungelcamp»…

Arno Schneppenheim, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Joko und Klaas?
Mein Job ist es, Künstler zu finden, mit denen man etwas aufbauen kann. Den habe ich gemacht. Es gibt da wirklich kein einzelnes spektakuläres Ereignis für die Chroniken. Es war eine Frage des richtigen Timings, lange bevor alle über sie geredet haben, und nicht eine Frage des Scheckbuchs. Wir haben uns getroffen und gefunden, könnte man sagen. Mit Joko und Klaas habe ich mich menschlich und inhaltlich sehr schnell verstanden. Auch unternehmerisch. Die Endemol Idee der Kreativ-Joint Venture hat ihnen gefallen. Vor einem Jahr haben wir uns entschieden, eine gemeinsame Firma aufzumachen. Florida TV gehört zu 51 Prozent Endemol und zu 49 Prozent Joko und Klaas. Wir produzieren darin alle Formate von Joko und Klaas. Was uns von Anfang an geholfen hat war, dass es neben den beiden auch ein kleines, aber eingespieltes Team gab. Die Leute, die «MTV Home» oder später «neoParadise» gemacht haben, sind nach wie vor an Bord.

Der Wunsch etwas Neues gemeinsam aufzubauen zeigt, dass Sie mit Herzblut dabei sind – trotz steigendem Druck in der Funktion als Comedy-Geschäftsführer…
Das Neue ist mein Antrieb, daraus schöpfe ich Energie auch für bereits laufende Projekte. Klar, ich arbeitete bei einem internationalen Unternehmen, das Geld verdienen möchte. Aber ich habe ohnehin den Ehrgeiz, dass eine gute Idee auch einen Sendeplatz findet, also gibt es da keinen Widerspruch. Das bedeutet natürlich, dass man nicht nur an die Superstars von übermorgen denken kann, sondern schaut, was morgen geht. Wenn ich nur herumprobieren würde wie in einer Schüler AG, würde auch mein Chef irgendwann sagen: Du hast einen Knall! Gezielt Neues aufbauen, auch mal unkonventionelle Wege gehen und nicht nur verwalten, das macht Freude und ist übrigens auch mit schon fest etablierten Stars möglich wie beispielsweise Paul Panzer. Auch wenn dieser Weg mit größerem Risiko verbunden ist und auch schon mal in die Hose gehen kann. Aber: no risk, no fun! Man muss der eigenen Linie folgen, wie bei Joko und Klaas, von deren Weg wir alle überzeugt sind, ohne wenn und aber. Wie auch bei der Puppengeschichte, der «Wiwaldi-Show» mit dem genialen Martin Reinl. Da hat man uns bei den ersten Pitches angeguckt wie Außerirdische. Jetzt haben wir eine eigene Late-Night und Martins Puppen sitzen sogar immer öfter bei RTL.

Sie begannen als Autor und Producer unter anderem bei «TV Total»
Ja, früher als ich noch Autor war, war das natürlich anders. Da war man hundertprozentig in einem Projekt drin, heute kümmert man sich um mehrere Sendungen parallel. Zugegeben: Ein neue Sendung ist wie eine neue Liebe und natürlich verdient «Circus Halligalli» so kurz vor dem Start meine besondere Aufmerksamkeit. Das ist unser jüngstes Baby. Da ist ein Spirit beim gesamten Team zu spüren, der ist einfach großartig und erinnert mich an meine eigenen Anfänge. Das Team ist eine Wucht! Das gibt mir viel für alle meine anderen Projekte.

Holt Sie dabei nicht auch die harte Fernseh-Realität ein?
Ja, klar. Nehmen wir mal das Beispiel «Joko und Klaas – Das Duell um die Welt», wo es im Spätsommer neue Folgen geben wird. Bei diesem Format kann man das ganz gut sehen: Da kommen unsere jungen Redakteure und Autoren der neuen aufstrebenden Generation, die Fernsehen aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Die werden in zehn Jahren das Business mitgestalten, das dann sicherlich wieder anders aussehen wird. Von denen werden Ideen gesponnen, wie man so eine Sendung machen könnte. Dabei schweift man dann auch schon einmal ins sehr Absurde ab. Dann muss ich natürlich eingreifen und sagen: Wir brauchen ein klares Regelwerk mit einem klaren Ziel. Anarchie ist gut, aber mit einem Leitfaden, auch Revolutionen brauchen Regeln. Da muss ich dann eben einmal den bösen Onkel spielen, der bremst. Wir müssen dem Zuschauer ein Format bieten mit zumindest einer groben Anleitung. Du hast da viele Schrauben und Holz liegen und am Ende hast du einen Tisch. Aber eben keinen konventionellen.

Getreu dem Motto „Wer die Regeln beherrscht, darf sie auch brechen…“?
Das trifft es ganz gut. Dann weißt du nämlich, worauf du dich zurück besinnen musst. Verwirren mit Verstand. Das ist auch bei unserer Sendung mit Joko und Klaas so. Die wird viele Regeln brechen. Aber die Leute, die jetzt an der Sendung arbeiten, wissen, was zu tun ist. Auf der anderen Seite haben auch alle gehörigen Respekt. Denn sie begleiten Joko und Klaas seit vielen Jahren: Die haben «MTV Home» gemacht, da war die Quotenvorgabe egal. Die haben «neoParadise» gemacht, da war die Quotenvorgabe auch nicht die oberste Prämisse. Klaas sagt selber: Da gucken vielleicht mal 100.000 Leute zu und ZDFneo sagt: Wow, super Erfolg! Jetzt brauchen wir aber deutlich mehr Zuschauer. Da werden viele Leute einschalten, die den Humor anders auffassen als die Hardcore-Fangruppe. Die müssen wir von unseren Ideen begeistern. Wenn die das erst mal gar nicht so schlecht finden, was wir machen, bin ich schon zufrieden. Dinge müssen sich entwickeln können, Sendungen genauso wie Fans.

Quotendruck war bisher also unbekannt. Wie sind da die Erwartungen?
Senderschnitt ist da gerne das Zauberwort. Es wäre aber auf Dauer auch nicht befriedigend, wenn du unter dem Radar fliegst. Um viertel nach zehn brauchst du schon den Senderschnitt. Es gab damals bei «TV total» zu Startzeiten ebenfalls diese Diskussion: Da kommt ein Typ von VIVA. Die eine Hälfte der Nation findet den blöd, die andere Hälfte sagt: Der ist witzig, aber kann so einer mit einer Kuhfellhose und einem Abercrombie-Hemd die Massen begeistern? Da waren alle kritisch und skeptisch. Dann holte «TV total» ungefähr 18 Prozent und alle drehten durch vor Ungläubigkeit. Das jetzt als Ziel rauszugeben, wäre vermessen, Stefan Raab und «TV total» sind ein Ausnahmephänomen. Aber natürlich darf sich Geschichte hier gerne wiederholen (lacht).

Und passenderweise startete «TV total» auf demselben Sendeplatz wöchentlich, montags um 22.15 Uhr wie jetzt Joko und Klaas und wurde dank des Erfolges auf vier Tage die Woche ausgeweitet…
Wir sind vielleicht manchmal ein bisschen verrückt, aber sicher nicht vermessen. Wir wollen erst mal eine gute Sendung nach der anderen machen und hoffentlich so viele Leute erreichen, dass kein Druck aufkommt. Wenn wir darüber hinausgehen, ist das natürlich umso besser.

Durch den Wechsel zu ProSieben wird die Bühne größer. Wurde auch das Team erweitert?
Ja, wir haben das bewährte Team in die Florida TV integriert und auch an den entsprechenden Stellen erweitert. Es sind um die 20 Leute, die jeden Tag um Kreativchef Thomas Schmitt arbeiten. Mit dieser Aufstellung müssen wir es schaffen – und werden es auch schaffen.

Inwieweit ist «Circus Halligalli» eine Weiterentwicklung von «neoParadise»?

Eine Personalityshow wird sich immer an den handelnden Personen orientieren. Die entwickeln sich weiter, werden reifer, somit auch deren Show. Das ist bei Harald Schmidt so, der ja schon auf vielen Sendern zu sehen war oder auch bei Stefan Raab, der immer wieder neue Akzente setzt. Aber es wäre von uns ja total dumm, Sachen die bereits gut sind, einfach aufzugeben. Also zum Beispiel „Wenn ich Du wäre“ bzw. „Wenn ich Sie wäre“, wie es jetzt heißt. Oder auch diese Schulzkowski-Geschichte. Das sind bestehende Rubriken der letzten Monate, die gut waren.

Apropos reifer: Wird man sich weiterhin diese typischen „Blödeleien“ leisten können?
Da halte ich es gerne mit Joko und Klaas: Wir brauchen von ProSieben nicht die Erlaubnis, Blödsinn zu machen, sondern wir müssen auch abseits des ganzen Quatsch Raum haben für unterhaltende Elemente, die so vielleicht bisher eher selten zusammen in einer Sendung zu sehen waren.

Das heißt, es gibt keine strengeren Vorgaben vom Sender als zuvor im Nischenprogramm?

Genau. Der Sender sagt: Macht einfach gute Sendungen. Ich weiß natürlich aus eigener Erfahrung: Wenn die Quote nicht stimmt, wird der Sender Fragen stellen zu den guten Sendungen (lacht). Aber wir bleiben erst einmal inhaltlich offen. Da steht kein Redakteur oder Senderchef hinter uns und sagt: Um Gottes Willen, dieses Wort dürft ihr nicht nennen!

Also kein Index, immerhin läuft die Sendung auch erst nach 22 Uhr…
Noch haben wir tatsächlich keinen Index, das ändert sich vielleicht noch (lacht). Die beiden sind nicht dumm, da wird es schon eine Selbstkontrolle geben. Es wird aber nicht so sein, dass der Sender sagt, in der ersten Sendung muss auf jeden Fall jemand aus der neuen «Topmodel»-Jury zu Gast sein, weil bald die nächste «Topmodel»-Staffel beginnt. Das müsste dann schon inhaltlichen Sinn machen.

Cross-Promotion ist mittlerweile bei allen Sendern beliebt, was man bei ProSieben beispielsweise bei «TV total» sieht…
Klar, dem kann man sich nicht verschließen. Man sollte aber gute Zugänge finden. Das bei «TV total», einer täglichen Sendung, viele Promo-Gäste auftreten ist normal. Die Sendungen müssen ja auch irgendwie voll werden. Rückblickend lief die erste Staffel «TV total» sogar fast ganz ohne Promi-Gast ab, glaube ich. Der erste Promi war Westerwelle irgendwann am Ende der Staffel. Das waren aber auch noch ganz andere Zeiten.

Für «Circus Halligalli» ist bisher kein Staffelende definiert…
Nein. Wir produzieren erst mal dieses Jahr und gucken, wie wir uns bis Ende 2013 entwickeln. Wolfgang Link (ProSieben-Geschäftsführer, Anm. d. Redaktion) hat gesagt, dass man dem Format Zeit geben muss. Aber sind wir ehrlich: Wenn wir zehn Sendungen mit desaströsen Quoten machen, müssen wir natürlich auch mal mit dem Sender reden, was da falsch gelaufen ist. Aber wir glauben an die Sendung. Also haben wir uns commited, das auf jeden Fall bis Ende des Jahres durchzuziehen. Im Sommer werden wir ein erstes Zwischenfazit ziehen.

Drücken wir die Daumen, dass die Sendung ähnlich gute Marktanteile erntet wie das «Dschungelcamp», an dem derzeit kein TV-Macher vorbeikommt…
Ja, das ist unfassbar! Bevor der Dschungel begann, haben alle gesagt, grandios den Helmut Berger mitzunehmen. Unglaublich geile Promo im Vorfeld: Helmut Berger beschimpft Stewardessen und macht Radau. Das sagen alle: Wow, das gucke ich mir an! Nachher im Camp war Helmut Berger ein Totalausfall, aber das war auch egal. Die Sendung hat es geschafft, von einem schlechten zu einem guten Image zu kommen. Die Sendung ist Talk of the Town. Es gibt Radio-Comedys dazu, die Presse greift es täglich auf - nicht nur die BILD sondern auch Feuilleton-Zeitungen. Die Sendung ist ein gesellschaftliches Ereignis. Die Leute schalten ein, um dabei zu sein. Das ist so wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft, wo plötzlich 80 Prozent der Frauen oder auch Leute, die sonst kein Fußball schauen, mitgucken - nur um dabei zu sein. Das ist ein Phänomen, das der Dschungel geschafft hat, wovor ich nur den Hut ziehen kann. Die Quote ist unglaublich. Über 46 Prozent Marktanteil, das muss man sich mal vorstellen! Wer macht denn das heutzutage noch außer einem Fußballspiel? Das ist super gemacht. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Promis nicht alle entscheidend sind. Auch wenn Sie oder ich oder sonst irgendjemand anderes unserer Kollegen, neben Keyplayern wie Fiona Erdmann oder Joey versteht sich, als Nummer 9 oder 10 einziehen würden in dieses Camp, würden die Leute das trotzdem gucken.

So ist auch ein Teil von ProSieben im Camp dank Ex-«Topmodel»-Kandidatin Fiona Erdmann, die sicherlich diese Staffel mitprägt…
Auch eine Art von Crosspromo (lacht). Man braucht eben, wie gesagt, immer einige Keyplayer bei solchen Formaten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihren Formaten alles Gute und danken für das Gespräch, Arno Schneppenheim.

Kurz-URL: qmde.de/61610
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