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Verlieren Nachrichtenflaggschiffe immer mehr an Zuspruch?

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Hat die «Tagesschau» nun Einbußen zu verzeichnen oder nicht? Und wie läuft es für das «heute-Journal»? Ein Überblick über den Nachrichtenmarkt im deutschen Fernsehen.

Die Nachrichtenflaggschiffe haben es in diesen Tagen nicht leicht. Zwar informieren sich nach wie vor viele Menschen vor dem Fernseher, im Vergleich zu früher sind die Zuschauerzahlen aber doch deutlich zurückgegangen. Das ist zwar längst kein Geheimnis mehr, wurde in der vergangenen Woche aber noch einmal zum Thema. Eine von Media Control veröffentlichte Mitteilung hat nämlich gezeigt, dass alle Nachrichtensendungen, darunter nicht nur die von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern auch von RTL und Sat.1, an Zuschauern und Marktanteilen einbüßen mussten.

Insbesondere die «Tagesschau» soll es hart getroffen haben - im Schnitt kam man im ersten Quartal des Jahres auf 4,92 Millionen Zuschauer und damit auf so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Nicht berücksichtigt wurden die Zuschauer, die die Nachrichten nicht im Ersten, sondern auf den dritten Programmen gucken. Bezieht man diese Personen mit in die Rechnung ein, kam die «Tagesschau» in den ersten drei Quartalen 2012 auf insgesamt 8,70 Millionen Zuschauer. Will heißen: 3,78 Millionen verfolgen die Sendung zeitgleich in den Dritten oder auf Sendern wie 3sat, Phoenix und tagesschau24. Zum Vergleich: 1992 war die 20-Uhr-Ausgabe im Jahresschnitt auf täglich 8,76 Millionen Zuschauer gekommen.

Der federführende NDR wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Zuschauerinteresse an der «Tagesschau» somit unverändert stabil geblieben sei. Und das in einem Zeitraum von 20 Jahren betrachtet. Dennoch: Zu der ganzen Wahrheit gehört auch, dass sich das Sehverhalten der Deutschen in puncto Nachrichten geändert hat – im Zeitalter des Internets vielleicht nicht ganz unverständlich. Geht man mal vom großen Ganzen weg und konzentriert sich nur auf die Werte des Oktobers, wird deutlich, dass die «Tagesschau» im Ersten auch jüngst weiter verloren hat. Sahen im Vorjahreszeitraum (01.10.-25.10.) noch 5,28 Millionen Menschen die 20-Uhr-Ausgabe, waren es in diesem Jahr nur noch 4,80 Millionen. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum ging von 18,1 auf 16,3 Prozent zurück. Bei den 14- bis 49-Jährigen sind die Verluste hingegen nur minimal, von 1,29 Millionen (12 %) ging es hier auf 1,24 Millionen (11,7 %) hinab.

Anders sieht das bei den «Tagesthemen» aus, die Das Erste für gewöhnlich nach 22.15 Uhr zeigt. Hier kamen sogar ein paar Zuschauer hinzu. Im vergangenen Jahr sahen durchschnittlich 2,46 Millionen Zuschauer zu, in diesem Jahr waren es 2,69 Millionen. Der Marktanteil steigerte sich von 10,6 auf 11,2 Prozent. Ähnliche Quoten gab es für das «heute-journal» im ZDF, das im Regelfall gut eine halbe Stunde früher auf Sendung geht. 3,52 Millionen Menschen sahen 2011 zu, 2012 belief sich die Reichweite der bis dato gezeigten Oktober-Sendungen auf 3,85 Millionen. Der Marktanteil schoss von 12,6 auf 13,7 Prozent nach oben – das ZDF profitiert hier aber von Tagen, an denen Claus Kleber und Co. in Halbzeitpausen von Fußballspielen senden, beispielsweise während der reichweitenstarken Champions League.

Diese Zahlen sind hochinteressant, zeigen sie doch, dass das Publikum abends, also zu einer Zeit, wo sich die Nachrichtenlage entspannt hat, mehr Lust auf Nachrichten hat als beispielsweise noch vor einem Jahr. Während die «Tagesthemen» und das «heute-journal» also Zuwächse verzeichnen konnten, hatten die Hauptnachrichtensendungen zu früherer Stunde mit sinkenden Quoten zu kämpfen – besonders dramatisch ist die Quotenentwicklung der ZDF-«heute»-Nachrichten.

Schalteten diese 1992 noch 6,99 Millionen Menschen ein, kommen die Mainzer heutzutage nur noch knapp auf die Hälfte dessen. Von fast 35 Prozent Marktanteil ging es seither auf 15 Prozent bergab. Dies belegen auch die Oktober-Werte, die 2011 noch etwas höher waren. 3,37 Millionen (14,8%) sahen 2011 zu, 3,33 Millionen (14,5 %) waren es 2012. Auch wenn sich der Rückgang hier in Grenzen hielt: Fakt bleibt, dass das ZDF bislang noch keine Lösung gegen den Zuschauerschwund gefunden hat. Letztendlich blieben Erneuerungen, wie beispielsweise die neue Studio-Technik, ohne Wirkung.

Letzten Endes ist RTL weiterhin erfolgreicher als das ZDF. So kam «RTL Aktuell» im Oktober 2012 auf 3,59 Millionen Zuschauer und 16,8 Prozent Marktanteil. Aber auch die Kölner können sich nicht ganz zurücklehnen, denn 2011 hatte es auch hier mit im Mittel 3,75 Millionen Zuschauern und 17,6 Prozent ein Stück weit besser ausgesehen. Freilich: Bei den jüngeren Zuschauern ist RTL weiterhin unschlagbar. Hier verzeichnete die Nachrichtensendung mit Peter Klöppel im Schnitt 17,7 Prozent Marktanteil in diesem Jahr. Zum Vergleich: Die «Sat.1 Nachrichten» mussten sich mit 6,3 Prozent zufrieden geben.

Das bedeutete für den Münchner Privatsender gleichzeitig neue Verluste, denn 2011 haben immerhin noch 7,8 Prozent der Umworbenen zugesehen. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass man im Oktober 2011 mit «K11» einen stärkeren Vorlauf hatte, während man sich zumindest in den ersten Wochen des diesjährigen Monats noch mit «push» herumschlagen musste. Das tägliche Magazin lief aus Quotensicht wesentlich schlechter als «K11» und riss eben auch die «Sat.1 Nachrichten» mit in die Schieflage. Auch beim Gesamtpublikum war Sat.1 daher der größte Verlierer: Von 1,99 Millionen Zuschauern ging es auf 1,52 Millionen hinab.

Ohne Frage: Die meisten Nachrichtensendungen mussten quotentechnisch Federn lassen. Natürlich spielt bei den Quoten auch die Themenlage eine Rolle. Doch sieht man mal von diesem Faktor ab, wird man sich bei den Sendern wohl über kurz oder lang darüber Gedanken machen müssen, wie man das Publikum bei der Stange halten kann. Ob das mit guten Nachrichten alleine gelingen wird?

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