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Weißt du noch, als Sat.1 mit dem «Talk der Woche» einen Talkflop hinlegte?

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Auch Roger Schawinski versuchte sich an einer Wiederbelebung des «Talk im Turms». Teilweise sahen aber nur zweieinhalb Prozent der Werberelevanten zu, sodass 2005 nach nur zehn Folgen wieder Schluss war.

„Vielleicht war es damals wirklich ein fataler Fehler gewesen, «Talk im Turm» einzustellen. Aber es Jahre später mit «Talk der Woche» nochmals zu versuchen, war noch unsinniger, wie wir kleinlaut zur Kenntnis nehmen mussten. Eherne TV-Gesetze lassen sich selbst durch ein noch so hohes Engagement und besonders hehre Zielsetzungen nicht umstoßen“. Das schrieb der ehemalige Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski in seinem Buch „Die TV-Falle“. Schawinski versuchte nach seinem Amtsantritt den politischen Talk in Sat.1 wieder salonfähig zu machen – Ähnliches hatte er in der Schweiz geschafft.

Das Konzept des «Talk der Woche» war vergleichsweise einfach erklärt: „Im Gegensatz zu den übrigen Talkshows würden wir nicht nur ein einziges Thema breit auswalzen, sondern in schnellem Rhythmus drei oder vier Themen der Woche aus mehreren Bereichen diskutieren“. Als Moderatorin holte Schawinski Bettina Rust (Foto unten), die im Nachhinein kritisch beäugt wurde. Sie hatte viel Radioerfahrung, machte dort auch einen guten Job, fand sich aber nie wirklich in ihre TV-Sendung hinein.

Die Quoten sprachen bei der Premiere im August 2005 eine klare Sprache; obwohl Harald Schmidt bei der Auftaktsendung zu Sat.1 zurückkehrte, kam man in der Zielgruppe nicht über 5,9 Prozent Marktanteil hinaus. Schawinski schreibt dazu: „Ein Großteil unseres Publikums zwischen 14 und 49 Jahren verweigerte sich komplett und war nicht bereit, sich überhaupt mit unserem neuen Konzept auseinander zu setzen“.

Die Quoten zeigen zudem: Sonderlich zufrieden war das Premieren-Publikum damit auch nicht: In Woche zwei schalteten fast eine halbe Million Menschen weniger ein, die Reichweite krachte auf 880.000 Zuschauer herab. Nur noch 4,4 Prozent insgesamt und 4,6 Prozent in der Zielgruppe wurden erzielt. Mit der Sendung ging es immer weiter bergab: Nach einem Monat sahen nur noch etwas mehr als 600.000 Menschen sonntags ab etwa 22.15 Uhr zu, die Quoten lagen im mehr als peinlichen Bereich. Teilweise kam man nur noch auf Werte in Höhe von rund zweieinhalb Prozent.

Nach zehn Folgen musste Sat.1 deshalb den Stecker ziehen. Im Schnitt kam der «Talk der Woche» nicht über 4,5 Prozent Marktanteil hinaus. Das Problem waren dabei gar nicht die Werbeunterbrechungen: Das Problem bestand wirklich darin, dass das Publikum direkt nach dem Ende des Spielfilms abschaltete – sie wollten diese Sendung schlicht nicht sehen.

Dass Sat.1 seit dieser Woche wieder auf eine politische Sendung setzt und damit die Tradition von «Talk im Turm» fortsetzen will, ehrt die Programmmacher. Sie werden damit nur aller Wahrscheinlichkeit nach wieder auf die Nase fallen. Wegen der späten Sendezeit nicht so schmerzhaft wie 2009 mit «Ihre Wahl!» oder 2005 mit der Bettina Rust-Sendung. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte «Eins gegen Eins»-.Moderator Claus Strunz (Foto): „Sicher, das wird nicht einfach. Das wissen Sender, Produzent, Redaktion, und ich bin mir darüber auch im Klaren. Aber die Sendung ist ja journalistisch gerade deshalb so wichtig, weil wir Menschen erreichen können, die sich nicht jeden Tag mit Politik beschäftigen, aber dennoch nach politischen Vorgängen interessiert sind, weil diese etwas für ihr tägliches Leben bedeuten.“

Der Blick auf die Quote wird – in den ersten Wochen – kein Qualitätskriterium für Strunz sein. Reinhold Beckmann werde das Match in dieser Woche gewinnen, sagt der Moderator, der auch schon für n-tv und N24 Politsendungen moderierte. Bei den 14- bis 49-Jährigen aber erwartet Strunz ein engeres Duell. Die Ankündigungen von «Eins gegen Eins» erinnern doch deutlich an die vor dem «Talk der Woche»: Strunz aber sendet im geschützten Bereich; nach Drittsendeverpflichtungen am späten Montagabend um 23.30 Uhr. Da darf dann auch mal etwas schief gehen.

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