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Fernsehpreis und die Crux der Doppelnominierungen

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Am 26. September wird der deutsche Fernsehpreis verliehen. Fabian Riedner kommentiert.

Am Mittwochabend veröffentlichte die Deutsche Fernsehpreis GmbH die Nominierungen für den 11. Deutschen Fernsehpreis, der am 26. September 2009 live bei Sat.1 zu sehen ist. Die Preisverleihung ist durch eine Kooperation von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 entstanden und hat die bisherigen Preise Telestar und Goldener Löwe von Radio Luxemburg abgelöst. Der „Fernseh-Oscar“, wie er von Laien hin und wieder fälschlicherweise genannt wird, ist schon seit Jahren eine mittlere bis größere Katastrophe.

Deutschlands erfolgreichste und auch vielleicht qualitativ hochwertigste Reihe, der «Tatort», kann seit über elf Jahren nicht mit einem Preis ausgezeichnet werden. Statt jährlich neue, fragwürdige Kategorien wie „Beste tägliche Serie“ oder „Bester Fernsehcoach“ einzuführen, fehlt der Platz für die qualitativ hochwertigste Reihe. Der «Tatort» wird daher nur noch in Personenkategorien ausgezeichnet.

Solche Regeln verhindert aber schlicht, dass jedes Jahr wirklich das beste Format gewinnt, was eigentlich nicht Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung sein sollte. Obendrein fehlen auch viele weitere und nur auf den ersten Blick nicht ganz so wichtig erscheinende Kategorien. Wo sind die Komponisten, die Cutter, die Bildmischer? Bei den Filmen werden diese noch ausgezeichnet, aber haben die Serienmenschen so einen Preis nicht auch verdient? Statt einer langen und ausführlichen Preisverleihung soll in Deutschland die ganze Welt des Fernsehens in 19 Kategorien passen. Es können zwar bis zu 27 Kategorien angelegt werden, doch acht wurden in diesem Jahr nicht gefüllt - warum auch immer?

Im Jahr 2009 gibt es zudem wieder einige merkwürdig anmutende Nominierungen. Die Jury, angeführt von Bettina Böttinger, machte seltsame Vorschläge für den Fernsehpreis als beste deutsche Serie. Dass «Der Lehrer» im August noch auf Sendung ging, dürfte die Redaktion wohl gefreut haben. Neben die schwachen Vorschläge «Franzi» und «Lasko – Die Faust Gottes» reiht sich eben die RTL-Sitcom, die mehrere Jahre im Archiv lag.



Und sonst? «Willkommen bei Mario Barth» gehört zu den drei besten Unterhaltungssendungen, die in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland produziert wurden. «Schlag den Raab» und «Wetten, dass..?» sind zwar ebenfalls genannt, doch echte Perlen sind nicht schwer zu finden.

Ein echtes Novum gab es bei der besten Comedysendung, denn dort wurde erstmals keine TV-Show nominiert. Weil die Jury dem Horst Schlämmer-Hype verfallen ist, wurde Hape Kerkeling für seine Figur am Beispiel der Live-Pressekonferenz vorgeschlagen. Es ist schon erstaunlich, was hierzulande einen Platz beim Deutschen Fernsehpreis bekommt – oder eben auch nicht. Merkwürdig ist es auch, dass man sich nicht darauf einigen konnte, welches die beste Informationssendung der vergangenen zwölf Monate war. Offizielle Erklärung: „Die Jury behält sich vor, im Super-Wahljahr 2009 die Nominierung für Beste Informationssendung zu einem späteren Zeitpunkt auszusprechen.“

Nüchtern betrachtet ist das Vorgehen beim Deutschen Fernsehpreis laienhaft. Immerhin: Die Qualität kann so auch nicht mehr sinken.

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