Die Kritiker

«Warrior» Staffel 2: Das Ende einer Ära

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Mit der zweiten Staffel Warrior geht bei der HBO Tochter Cinemax aktuell nicht nur die letzte Originalserie des Senders zu Ende, sondern auch die einzige echte Martial-Arts-Serie im US-Fernsehen.

Ob man sich als Martial Arts begeisterter Zuschauer glücklich schätzen sollte, überhaupt zwei Staffeln dieser nostalgischen Serie, deren Einflüsse zwischen asiatischen Kampfkunstfilmen der 1970er und 1980er Jahre mit etwa Bruce Lee oder Jackie Chan anzusiedeln sind, zu Gesicht bekommen zu haben oder betrübt, dass diese ohne offiziell abgesetzt worden zu sein, in den kommenden Wochen einfach auslaufen wird, weil man sich bei HBO voll und ganz auf den neuen Streaminganbieter HBO MAX konzentrieren möchte, bleibt jedem Fan selbst überlassen. Letztlich besteht immer noch ein Restfunke an Hoffnung, dass die Cinemax-Bibliothek rund um Actionklassiker wie «Strike Back» oder «Banshee» in den HBO MAX Katalog aufgenommen wird und so auch «Warrior» einem größeren Publikum bekannt und damit möglicherweise auch fortgeführt wird.

Verdient wäre es, denn das hohe Niveau der ersten Staffel kann bisher zum größten Teil gehalten werden und die Geschichte rund um Ah Sahm (Andrew Koji) wird nahtlos fortgeführt. Vorbehaltlos überzeugen kann «Warrior» immer dann, wenn sich die Handlung auf die beiden Protagonisten Ah Sahm und Young Jun (Jason Tobin) fokussiert. Unterhaltsame one-liner, großartige Kampfszenen und eine recht einfache, aber kohärente Geschichte laden hier zum Zurücklehnen und Genießen ein. Problematisch wird die Erzählung in Staffel zwei allerdings immer dann, wenn der Fokus hin zu den Nebencharakteren außerhalb Chinatowns wechselt. Hat man das recht unsinnige Techtelmechtel rund um die reiche weiße Ehefrau Penelope Blake (Joanna Vanderham) und Ah Sahm mit Staffel zwei glücklicherweise zu Grabe getragen, so führt Blakes Emanzipationshandlungsbogen genauso ins Leere, wie die Nebenhandlung um den korrupten Officer “Big Bill” O'Hara (Kieran Bew) und dessen drogensüchtigen Partner Richard Lee (Tom Weston-Jones). Statt den Cast mit Staffel zwei noch weiter aufzustocken, wäre in diesem Fall weniger möglicherweise mehr gewesen. Die zwei Welten von Chinatown und dem restlichen, von der weißen Arbeiterschicht und Elite geprägten San Francisco gleichrangig miteinander zu verbinden, funktioniert meist nicht, sodass die separate Handlung außerhalb Chinatowns teilweise wie ein Fremdkörper wirkt.

Wie schon mit der Western-Episode der ersten Staffel außerhalb San Franciscos wartet allerdings auch Staffel zwei mit einem besonderen Schmankerl auf. In Episode sechs verschlägt es die beiden Protagonisten samt neuem Sidekick Hong (Chen Tang) an die mexikanische Grenze, wo sich Ah Sahm in einem Kampfkunstturnier beweisen muss. Offensichtlich als Hommage an Bruce Lees wohl bekanntesten Film «Der Mann mit der Todeskralle» konzipiert, wird Mann gegen Mann im Turnier gekämpft. Insgesamt etwas kurz geraten, aber äußerst unterhaltend choreographiert, muss sich Ah Sahm gegen verschiedene Kampfkunststile bewähren.

Aktuell wirkt es noch nicht so, als könnten die offenen Handlungsstränge mit den verbleibenden drei Episoden der Staffel zu einem konklusiven Ende zusammengeführt werden. Als im Januar die Einstellung der hauseigenen Serienproduktionen bei Cinemax bekannt gegeben wurde, dürfte die Staffel bereits abgedreht gewesen sein. Da ein Großteil des Casts bereits in neue Projekte involviert ist, wird auch der jüngst von Hauptdarsteller Andrew Koji geäußerte Wunsch nach einem abschließenden Film, wie im Falle von «Deadwood» nur schwer umzusetzen zu sein. Wie die Actionserie nach einer Idee von Bruce Lee letztlich ausgehen wird, davon können sich die deutschsprachigen Fans ab Dezember bei Sky selbst überzeugen.

Laut Sky sind „ab 18. Dezember die zehn neuen Episoden immer freitags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic zu sehen - wahlweise auf Deutsch oder in der Originalfassung.“

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