Popcorn & Rollenwechsel

Netzkino-Juwelen

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Irgendwo zwischen Softcore-Fummelei und Asylum-Schrott verbergen sich sehenswerte, gute Filme.

Das werbefinanzierte Gratis-Streaming-Portal Netzkino gilt nicht gerade als erste Anlaufstelle für große Filmkunst: Wer durch den Netzkino-Katalog stöbert, stößt vor allem auf Filme wie «Jurassic Shark 3», «Als die Frauen noch Schwänze hatten 2», «Nazi Battleground», «Erotische Erpressung», «11.000 Ruten: Im Reich der Sinne», «Jail Bait: Überleben im Frauenknast», «Attack of the Mega Snake», «Cinderellas unmoralische Abenteuer» und «Die scharfen Teens von Hollywood». Kombiniert man diese Titel mit dem, sagen wir mal, eigenwillig-schäbigen Design der Webseite sowie der Netzkino-App habe ich stets das Gefühl, mir irgendwelche Viren einzufangen, wenn ich Netzkino besuche.

Aber wie ein weises Sprichwort schon besagt: "Beurteile einen Gratis-Sammelband nicht an seinem Einband oder daran, dass er jede Menge, ranzige Softcore-Erotik sowie schrottigen Sci-Fi-/Action-Rotz enthält, immerhin könnten sich dazwischen ein paar übersehene Perlen befinden!" Nun gut, das ist vielleicht ein nicht sonderlich weit verbreitetes Sprichwort. Und es könnte knackiger formuliert sein. Trotzdem lässt es sich sehr gut auf Netzkino anwenden.

Man muss zwar wirklich sehr angestrengt suchen (oder schlicht wissen, dass dieser und jener Film bei Netzkino ist), aber es gibt tatsächlich einige gute Titel auf der Gratisplattform. Wie etwa das Oscar-nominierte Tilda-Swinton-Vehikel «I Am Love» von «Suspiria»- und «Call Me By Your Name»-Regisseur Luca Guadagnino oder die viel besungene, fesselnde «Pusher»-Trilogie von «Drive»-Macher Nicolas Winding Refn. Sogar Regielegende Francis Ford Coppola hat sich auf Netzkino verirrt – mit seinem blutigen Schwarz-Weiß-Film «Dementia 13». Jack Nicholson ist sogleich mehrfach vertreten, darunter mit seinem Miniauftritt in «Kleiner Laden voller Schrecken» und der Tragödie «Iron Weed – Wolfsmilch», für die er und Meryl Streep eine Oscar-Nominierung erhalten haben.

Kristen Stewart ist mit dem unterschätzten Jugenddrama «Speak» auf Netzkino zu finden, Fans zackiger Action bekommen «Wolf Warrior» auf Netzkino geboten und Takashi Miikes kontroverse, harte Manga-Verfilmung «Ichi the Killer» ist … naja, wenigstens in Teilen abrufbar. Ebenfalls kompromisslos (aber dennoch vollständig!) bei Netzkino: Der belgische Psychothriller und Cannes-Beitrag «Calvaire – Tortur des Wahnsinns».

Wer es froher mag, kann sich Veit Helmers verträumtes Filmmärchen «Tuvalu» anschauen, mit «Gullivers Reisen» aus dem Jahr 1939 hat sich ein zwar wahrlich nicht runder, aber sehr wohl sehenswerter Zeichentrickfilm-Meilenstein ins Netzkino-Programm verlaufen und das nur 40 Minuten lange mehrfach preisgekrönte Vater-Sohn-Drama «Philipp» lässt sich ebenfalls abrufen.

Also: Nicht weiter abschrecken lassen und Netzkino mal eine Chance geben. Da gibt’s mehr zu entdecken als Asylum-Schrott und veraltete Fummelfilmchen, die vor zehn, 15 Jahren vielleicht mitten in der Nacht auf RTLZWEI gelaufen sind.

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