Interview

Hugo Egon Balder: ,Ich wundere mich auch, dass ich mit 70 noch Fernsehen mache'

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Momentan gebe es nichts mehr, was ihn aus der Ruhe bringen könne, sagt Privatfernseh-Star Hugo Egon Balder, der erst kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Inmitten der Corona-Krise sprach er mit uns übers Älterwerden, seine Shows in Sat.1 und die Fake-Vorwürfe, die zuletzt bei Joko und Klaas geäußert wurden...

Zur Person: Hugo Egon Balder

Hugo Egon Balders TV-Karriere begann kurz nach der Geburt von RTL mit Formaten wie «Tutti Frutti» oder «Alles nichts oder?!»; in den 90ern produzierte er für den Sender unter anderem Frank Elstners «April April». 1998 bekam er noch einmal eine Samstagabendshow bei RTL namens «Fata Morgana», bevor es ruhiger um Balder wurde. 2002 moderierte er den «9Live Tanzmarathon» und blieb auch danach bei der ProSiebenSat.1-Gruppe, für deren Sender Sat.1 er ab 2003 acht Jahre lang «Genial Daneben» moderierte. Es folgten eine Reihe von verrückten Eventshows und zwei Staffeln von «Der Klügere kippt nach» bei Tele 5. Seit 2017 ist Balder wieder verstärkt in diversen Formaten bei Sat.1 zu sehen, unter anderem auch in einer Neuauflage von «Genial daneben». Am 22. März dieses Jahres feierte Balder seinen 70. Geburtstag.
Herr Balder, Sie sind vor einigen Tagen 70 Jahre alt geworden. Blicken Sie nüchtern auf diese Zahl oder beunruhigt sie Sie doch ein wenig?
Nein, es beunruhigt mich überhaupt nicht. Ich schaue da eher nüchtern drauf. Und wenn man mich nicht laufend darauf ansprechen würde, würde ich das auch gar nicht merken. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis, meinen Geburtstag groß zu feiern, ich hätte sowieso nicht viel machen wollen. Am Tag vorher wollten wir ursprünglich reinfeiern, am Sonntag hätte ich Theater in Hamburg gespielt und danach wären wir zurück nach Köln gefahren. Jetzt kamen meine Kids am Sonntag zum Feiern vorbei. Ich hätte es auch ohne Corona liebend gerne in diesem kleinen Rahmen gemacht.

Wären Sie gerne nochmal 20 oder 30 Jahre jünger?
Nein, um Gottes Willen! Dann würde ich wieder die gleichen Fehler machen wie damals, zumindest was das Private anbetrifft! Sagen wir es mal so: Meine körperliche Fitness war damals noch etwas besser. Wenn man älter wird, tut einem morgens schon manchmal etwas weh. Aber es ist nicht übel, man kann es aushalten.

Ihr Privatleben haben Sie in der Vergangenheit nicht vor der Öffentlichkeit versteckt, Ihre Kinder traten beispielsweise bei «Kessler ist…» auf und haben offen über Sie geredet. Haben Sie jemals bereut, sich privat nicht mehr abgekapselt zu haben?
Nein, das habe ich nicht. Das meiste habe ja nicht ich in die Öffentlichkeit gebracht, sondern es waren Journalisten, die das bekannt gemacht haben. Mit Privatem bin ich von mir aus nie an die Öffentlichkeit gegangen. In so einer Sendung wie der mit Michael Kessler bleibt es nicht aus, dass die Produzenten auch meine Kids fragen. Die sind alt genug, ich werde ihnen auch nicht verbieten, etwas zu machen. Das können die alles selbst entscheiden.

In TV-Sendungen geben Sie sich immer betont gelassen. Gibt es irgendetwas, was Sie aus der Ruhe bringt?
Momentan nichts mehr, nein. Gar nichts… (lacht).

Das ist nicht anstrengend. Wirklich nicht. Man muss aufpassen, in dem Genre, in dem wir uns bewegen, von Anstrengung zu reden. Ich warne immer davor. Es gibt Berufe, die wirklich anstrengend sind. Uns sollte man da nicht einordnen.
Hugo Egon Balder auf die Frage, wie anstrengend die Produktion von "Genial daneben - Das Quiz" ist.
«Genial daneben - Das Quiz» wird in extrem hoher Schlagzahl produziert. Wie anstrengend ist das?
Das ist nicht anstrengend. Wirklich nicht. Man muss sowieso aufpassen, in dem Genre, in dem wir uns bewegen, von Anstrengung zu reden. Ich warne immer davor. Es gibt Berufe, die wirklich anstrengend sind. Uns sollte man da nicht einordnen.

Hella von Sinnen ist inzwischen nicht mehr in jeder Folge mit dabei. Da werden zeitliche Gründe doch sicherlich eine Rolle gespielt haben…
Ja klar, es gibt ja auch Menschen, die zwischendurch noch etwas anderes zu tun haben als bei uns zu sitzen. Wenn man die Sendung täglich produziert, bleibt es nicht aus, dass nicht jeder immer Zeit hat. Man muss dann aber trotzdem aufzeichnen, weil sonst die anderen wieder nicht können. Wenn man eine monatliche oder wöchentliche Sendung macht, ist das alles kein Thema. Bei einer täglichen Sendung ist die Terminfindung schon schwieriger.

Die Geburtstagsshow «Senil daneben» wurde bereits im Februar produziert. Wir nehmen an, die Sendung fand noch vor Publikum statt..?
Vor ganz viel Publikum, ja. Da darf sich am Freitag niemand wundern!

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nicht auf einem Thron sitzen und hofiert werden möchte. Daher haben wir uns darauf geeinigt, dass man mich die ganze Zeit ein bisschen fertig macht. Und das finde ich auch schön, ich mag das ja.

Hugo Egon Balder über «Senil daneben»
Was erwartet uns in der Show?
Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nicht auf einem Thron sitzen und hofiert werden möchte. Daher haben wir uns darauf geeinigt, dass man mich die ganze Zeit ein bisschen fertig macht. Und das finde ich auch schön, ich mag das ja. So ist die Show dann auch geworden und ich fand sie sehr lustig. Ich habe mich gefreut, viele Leute zu sehen, die ich schon lange nicht mehr getroffen habe. Fast die gesamte «RTL Samstag Nacht»-Crew war da. Und: Man sollte sich die Sendung bis zum Schluss ansehen. Da wird es ganz heavy!

Heavy ist ja im Grunde genommen schon der Sendungstitel…
Der war nicht meine Idee. Ich bereue es aber, dass es nicht meine Idee war. Ich fand die nämlich sehr gut und habe sofort zugestimmt. Ich hatte ein bisschen Angst, dass Sat.1 nicht mitgehen würde, aber die fanden es auch lustig. Man muss sich ja auch ein bisschen selber verarschen.

«Genial daneben» läuft inzwischen auf weniger prominentem Sendeplatz am späten Sonntagabend. Wissen Sie, wie es dort weitergehen wird?
Ich habe keine Ahnung. Das ist eine Sache des Senders, das kann weder ich noch der Produzent entscheiden. Natürlich wundert man sich im ersten Moment über solche Entscheidungen. Aber der Sender wird schon seine Gründe haben.

Anderes Thema. Wie gestaltet sich eigentlich Ihr Alltag in Zeiten des Coronavirus?
Ich halte mich an die offiziellen Bestimmungen. Ich sitze zu Hause, gehe zum Einkaufen raus und bewege mich dann wieder nach Hause.

Mit 70 Jahren gehören Sie laut Medizinern zu einer Risikogruppe. Haben Sie Angst vor dem Virus?
Nein.

Die breite Masse ist arm dran. Gerade für Schauspielkollegen und Theaterbesitzer ist die aktuelle Situation sehr schwierig (...). Und die Politik quält sich mit genauen Zusagen derzeit nur so hin.
Hugo Egon Balder über die Corona-Krise
Weil Sie sich schützen?
Naja, ich mache das, was man sagt und was momentan gemacht werden sollte. Wir haben schon mehrere schwerwiegende Influenza-Wellen erlebt mit ganz vielen Toten, in denen ich mich genauso umsichtig verhalten habe wie jetzt.

Das Coronavirus ist in aller Munde, TV-Shows werden ohne Publikum produziert und größere Veranstaltungen abgesagt. Wie ernst sehen Sie die Situation für Künstler und Schauspieler?
Es gibt natürlich immer Leute, die das fabelhaft überstehen können. Aber die breite Masse ist arm dran. Gerade für Schauspielkollegen und Theaterbesitzer ist die aktuelle Situation sehr schwierig. Für mein Freund René Heinersdorff, den ich vom Theater her kenne und der auch drei Theater besitzt, ist das eine riesige Katastrophe. Und die Politik quält sich mit genauen Zusagen derzeit nur so hin.

Sie haben den Vorteil, dass Sie auch für Sat.1 arbeiten. «Genial daneben - Das Quiz» sollte eigentlich Anfang April weiter produziert werden. Wird daran trotz Corona festgehalten?
Wir haben noch ein paar Sendungen auf Halde, die gesendet werden, wenn «Big Brother» zu Ende ist. Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht.

Corona verschafft vielen Menschen dieser Tage zwangsweise mehr Freizeit. Wie sieht eigentlich Ihr privater Medienkonsum aus? Schauen Sie noch lineares Fernsehen? Sind Sie bei Netflix unterwegs?
Ich habe mittlerweile Netflix und Amazon Prime, zu vielen Serien und zum Fernsehschauen kam ich zuletzt aber kaum. Wenn man tagsüber Aufzeichnungen macht und abends Theater spielt, bleibt dafür keine Zeit übrig. Einige Sachen zeichne ich mir auf eine Festplatte auf und schaue sie mir an, wenn es mir passt. Aber momentan haben wir ja eine andere Situation, jetzt kann man einiges schauen. Meine Kinder bereiten mich schon vor auf Serien, die ich bei Netflix unbedingt gucken muss.

So schlimm ist es nun ja auch nicht. Alles, was wir machen, ist Unterhaltung - eine reine Wegwerf-Ware.
Hugo Egon Balder
Was steht denn auf Ihrer Liste?
Meine Tochter sagt, ich soll «Modern Family» unbedingt gucken, mein Freund Jacky Dreksler hat mir die Serie «The Kominsky Method» ans Herz gelegt. Und die «Pastewka»-Staffel muss ich mir natürlich auch unbedingt anschauen, dazu bin ich noch nicht gekommen. Da gibt’s einiges.

Im letzten Interview im Januar 2018 fragten wir Sie, wie viel Zeit Sie fürs Theaterspielen aufwenden und wie viel fürs Fernsehen. Damals beschrieben Sie das Verhältnis mit 90:10 - zugunsten des Theaters. Wie sieht es heute aus?
Momentan ist das Verhältnis vielleicht 50:50. Es gibt auch Zeiten, in denen ich nicht fürs Fernsehen produzieren und in Ruhe abends Theaterspielen kann. Aber es gab zuletzt auch viele Tage, an denen ich nachmittags zwei oder drei Aufzeichnungen machte und abends auf der Theaterbühne stand.

Damals sagten Sie auch, Sie hätten etwas Sorge vor einem «Genial daneben»-Overkill gehabt, als Sat.1 die Sendung in den 2000er Jahren zweimal die Woche zeigte. Nun lief ein Ableger dieses Formats an gleich fünf Tagen. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Risiko einzugehen?
Ich hatte am Anfang vorgeschlagen, dass wir die Sendung nicht «Genial daneben - Das Quiz» nennen, sondern «Genial - Das Quiz». Damit wäre die Unterscheidbarkeit im Titel größer gewesen. Ich konnte mich aber mit dem Vorschlag nicht durchsetzen. Es deshalb nicht zu machen, wäre ja Blödsinn gewesen. Wir wussten an sich alle, dass sich Schwierigkeiten ergeben könnten und die Leute beide Sendungen nicht mehr unterscheiden. Vielleicht ist der Titel etwas unglücklich gewesen - aber gut, dass können wir jetzt auch nicht mehr ändern. So schlimm ist es nun ja auch nicht. Alles, was wir machen, ist Unterhaltung - eine reine Wegwerf-Ware.

«Big Brother» schlägt sich dieser Tage ja auch nicht besser…
Da habe ich leider keine Ahnung von. Ich interessiere mich dafür nicht, ich habe noch nie «Big Brother», Dschungelcamp und «Adam sucht Eva» gesehen. Deswegen ist mir das ziemlich wurscht.

Auf Ihrer Liste für die kommenden Wochen steht keine der drei Sendungen?
Nein, nein! (lacht)

Als einen Teil des Erfolgsrezepts von «Genial daneben» heben Sie die Authentizität der Sendung hervor. Joko und Klaas nahmen das zuletzt nicht ganz so ernst und sahen sich Fake-Vorwürfen ausgesetzt. Schadet das dem Fernsehen?
Nein, es schadet dem Fernsehen nicht. Das ist ja Entertainment und in dem Rahmen darf man schon einiges tun. Aber ich sag es mal so: Das Ganze war etwas unglücklich. Der Fehler war vielleicht, dass sie hinterher nicht gesagt haben: ,So Leute, wir haben jetzt alle herzlich gelacht, aber wir mussten da ein bisschen nachhelfen.‘ Dann hätte es ihnen keiner übelgenommen. Aber mein Gott, man darf es ihnen auch nicht so sehr übelnehmen. Ist doch alles nicht so tragisch, ist nur Unterhaltung.

Vielleicht sollte man einfach schauen, dass man seinen Optimismus behält. Dass man seine Fröhlichkeit nicht verliert trotz dieser Krise, in der wir sind, und nicht alles so verbissen sieht. Ich glaube, dann kommt man einfacher durchs Leben.
Hugo Egon Balder
Herr Balder, Sie sind in einem Alter angekommen, in dem sich die meisten schon länger zur Ruhe gesetzt haben. Haben Sie sich ein Limit gesetzt?
Nee, ich habe mir kein Limit gesetzt. Beim Fernsehen weiß man ja nie, da ist es immer eine Entscheidung von heute auf morgen. Beim Theater sieht es etwas anders aus, dort kann man etwas langfristiger planen. Zumindest wenn man gesund ist, die Texte noch sprechen und sich einwandfrei bewegen kann. Wenn das so sein sollte, kann ich auch noch Theater spielen, wenn ich 80 oder 90 bin. Beim Fernsehen sieht es ein bisschen anders aus. Ehrlicher Weise: Ich wundere mich auch, dass ich mit 70 noch Fernsehen mache.

Gibt es etwas, das Sie mit 70 Jahren Lebenserfahrung jüngeren Generationen mit auf den Weg geben wollen?
(schmunzelt) Nee, ich erteile nicht so gerne Ratschläge. Das muss jeder für sich selbst wissen. Vielleicht sollte man einfach schauen, dass man seinen Optimismus behält. Dass man seine Fröhlichkeit nicht verliert trotz dieser Krise, in der wir sind, und nicht alles so verbissen sieht. Ich glaube, dann kommt man einfacher durchs Leben.

Herr Balder, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Geburtstagsshow «Senil daneben - Happy Birthday Hugo» zeigt Sat.1 am Freitag, 3. April, ab 20.15 Uhr.

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