Die Kino-Kritiker

Mehr Witz, mehr Herz, mehr Spannung – «Jumanji: The Next Level»

von

Die Fortsetzung von «Jumanji: Willkommen im Dschungel» gleicht ihrem Vorgänger in einigen Belangen – und setzt trotzdem ordentlich einen drauf.

Filmfacts «Jumanji: The Next Level»

  • Regie: Jake Kasdan
  • Produktion: Dwayne Johnson, Dany Garcia, Hiram Garcia, Matt Tolmach, William Teitler, Jake Kasdan
  • Drehbuch: Jake Kasdan, Jeff Pinkner, Scott Rosenberg; basierend auf einer Vorlage von Chris Van Allsburg
  • Cast: Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas, Awkwafina, Alex Wolff, Morgan Turner, Ser'Darius Blain, Madison Iseman, Danny Glover, Danny DeVito
  • Musik: Henry Jackman
  • Kamera: Gyula Pados
  • Schnitt: Steve Edwards
  • Laufzeit: 123 Minuten
  • FSK: ab 12 Jahren
Dieselben jungen Freunde, dasselbe verfluchte Videospiel, wieder dienen Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart und Karen Gillan als Darsteller der Videospielfiguren, in die Menschen aus der realen Welt schlüpfen, wenn sie die gefährliche Abenteuerwelt des verhexten Videospiels Jumanji betreten. An der Oberfläche sieht es schwer danach aus, als hätte Sony Pictures nach dem überraschenden Erfolg von «Jumanji: Willkommen im Dschungel» (962 Millionen Dollar Kinoeinspiel) den Filmschaffenden gesagt: Macht einfach dasselbe noch einmal. Bloß keine Risiken!

Doch bei «Jumanji: The Next Level» ist der Titel tatsächlich Programm: Die Abenteuerkomödie ist die nächste Stufe der «Jumanji»-Filmreihe, eine konsequente, herrlich-vergnügliche Fortführung, die Familiäres beibehält, aber auch völlig neue Pfade beschreitet. Pfade, die ein «Jumanji»-Sequel nicht hätte beschreiten können, wäre die Verbindung zwischen «Jumanji: The Next Level» und «Jumanji: Willkommen im Dschungel» ebenso lose wie die Verknüpfung zwischen «Jumanji: Willkommen im Dschungel» und dem Original von 1995. Ja, oberflächlich betrachtet wäre es lustig, neue Teenager in eine neue Inkarnation des Dschungelspiels zu transportieren. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es einfach irgendeine neue Ansammlung aus Actionspäßen geworden wäre, ist ziemlich hoch.

«Jumanji: The Next Level» dagegen nimmt seinen Vorläufer und macht aus dem Familienkinospaß für zwischendurch einen herzlichen, turbulenten, wunderbar-albernen Abenteuertrip für die ganze Kinofamilie. Ein Upgrade, sozusagen. Der Clou liegt darin, dass die in «Jumanji: Willkommen im Dschungel» eingeführten Figuren zurückkehren und weitestgehend menschlich gewachsen sind – nur einer der alten Helden hinterfragt, was er aus seinem letzten Videospieltrip gelernt hat, und macht eine emotionale Rückentwicklung durch …

Es ist ein plausibler, doch selten gesehener und daher erfrischender Ansatz für eine Abenteuerfortsetzung: Dieser Film fragt "Wie lang bleibt das Happy End denn ein solches?" Die Erlebnisse in «Jumanji: Willkommen im Dschungel» haben aus vier ungleichen Teenies Freunde gemacht. «Jumanji: The Next Level» zeigt, wie diese Freundesgruppe zu jungen Erwachsenen herangereift ist. Doch da Spencer (Alex Wolff) sich nicht wohl fühlt in seinem neuen Leben, seine Fernbeziehung zu Martha Morgan Turner) in Zweifel stellt und die Sorge hat, dass nicht er sich geändert hat, sondern seine Errungenschaften allein der Verdienst seiner Jumanji-Figur Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson) sind, gerät er in Versuchung, Jumanji zu reaktivieren …

Die Drehbuchautoren Jeff Pinkner, Scott Rosenberg und Jake Kasdan (der zudem als Regisseur fungiert) spinnen aus Spencers Sorge ein universelles Thema für «Jumanji: The Next Level»: Die Action-Abenteuerkomödie dreht sich darum, ein anderer Mensch zu werden und/oder seinen Frieden damit zu finden, dass man früher ein anderer Mensch war. Das führt zu überraschend feinfühlig formulierten und gespielten (selbstredend dennoch in einer launigen Popcorn-Attitüde operierenden) zwischenmenschlichen Momenten, die die Helden von «Jumanji: Willkommen im Dschungel» vertiefen. Das Thema wird aber auch konsequent und verspielt in den Action- und Comedy-Momenten durchexerziert: Die Videospielavatare werden in «Jumanji: The Next Level» neu verteilt, und so müssen die meisten der Rückkehrer üben, andere Figuren zu meistern – und neue Avatare gibt es auch.



Dieser Körpertausch-Wirrwarr ist das Sprungbrett für findig strukturierte Actionszenen – die Heldentruppe muss sehr eng zusammenarbeiten und immer wieder müssen Leute für ihre Weggefährten mitdenken. Kasdan inszeniert dies flott und die Szenen haben eine augenzwinkernd-pfiffige Videospiellogik, mit der auch einige spannende Wendungen einhergehen, so dass die Actionpassagen kurzweilig geraten, selbst wenn das Niveau der Digitaltricks manchmal sehr wackelig ausfällt. Doch dadurch, dass Kasdan und Co. die Figuren besser ausfeilen, steigt dessen ungeachtet die dramaturgische Fallhöhe: «Jumanji: The Next Level» ist dank der besseren Charakterisierung spannender als sein Vorgänger.

Vor allem aber ist «Jumanji: The Next Level» lustiger. Ob es nun markige Danny-DeVito-Imitationen sind, sich Kevin Hart von seinem hibbeligen, quietschigen Image verabschiedet, um mit der Schwere eines gealterten Danny Glover zu reden, Karen Gillan (im Vorgänger noch als Ungelenke im Körper einer Männerfresserin zu sehen) auf lustigste Weisen verzweifelt, da sie nunmehr die besonnenste in dieser Truppe ist, Jack Black gewitzt dauerfrustriert spielt oder Akwafina («Ocean's 8») als geknickte Taschendiebin auftritt: «Jumanji: The Next Level» hat ein zügiges Tempo und schleudert die Situationskomik nur so heraus, und egal wie turbulent und albern das Geschehen ist, lässt es sich immer wieder mit dem emotionalen Grundkern des Plots verbinden. All das kulminiert in einem stimmigen, launigen Finale – da ist es geradezu schade, dass schon Andeutungen für eine weitere Fortsetzung gemacht werden. Denn «Jumanji: The Next Level» wäre ein runder Abschluss.

«Jumanji: The Next Level» ist ab sofort in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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