First Look

«Magnum P.I.»: Solide gemachtes, aber aalglattes Reboot

von

Tom Selleck im Hawaiihemd und mit lässigem Schnäuzer: Die sonnige Krimiserie «Magnum» ist Kult. Was kann die Neuauflage dem Serienklassiker entgegensetzen?

Die Produktionsfirmen der Serie

  • 101st Street Entertainment
  • Perfect Storm Entertainment
  • Davis Entertainment
  • Universal Television
  • CBS Television Studios
«Magnum», ein Stück TV-Geschichte. Die Serie, die Tom Selleck zum Superstar gemacht hat, wurde zwar von 1980 bis 1988 produziert, doch ihr Echo hallte noch deutlich länger durch die Popkultur. Die über 160 Episoden des Krimikults sorgten mit ihrem Vorspann für einen populären Ohrwurm. Die lässige Art der Serie, inklusive lakonischer Erzählkommentare des Titelhelden, machte «Magnum» auch weit über die 80er-Jahre hinaus beliebt und Tom Selleck wird wohl für immer mit dieser Rolle assoziiert werden. Im September 2018 ging in den USA ein Neustart des kultigen Serienhits an den Start und kam quotentechnisch gut genug über die Runden, um trotz durchwachsener Kritiken eine zweite Season zu rechtfertigen.

Nun bringt VOX das «Magnum»-Reboot, der dieses Mal den englischen Serientitel beibehält und daher auch in Deutschland «Magnum P.I.» betitelt ist, auf die hiesigen Mattscheiben. Über den Quotenerfolg mögen wir an dieser Stelle keine Prognosen wagen, wohl aber möchten wir alle «Magnum»-Fans und jene, die «Magnum P.I.»-Fans werden wollen, auf die Serie einnorden. Was also hat «Magnum P.I.» zu bieten?

Zunächst einmal: Die neue Serie behält einige der populärsten Aspekte der Originalserie bei. Das sonnige, paradiesische Hawaii-Setting, selbstredend. Aber auch "die Jungs", also die zwei Dobermänner, zu denen Titelheld Magnum, ein Ex-Soldat, der sich nun als Privatdetektiv verdingt, eine … sagen wir … komplizierte Beziehung führt. Der neue Vorspann behält selbstredend die ikonisch gewordene (gar nicht von Anfang an genutzte) Titelmusik des Originals vorbei – in einem behutsam modernisierten Remix.

Und wie auch die Originalserie verfügt auch die Neuauflage über einen lakonisch-humorigen Erzählkommentar Magnums, in dem der Serienheld das Geschehen einordnet – bevorzugt mit der Formulierung "Ich weiß, was Sie jetzt denken, […], aber …" Und auch abseits seiner Kommentare aus dem Off ist dieser Magnum, wie der erste Magnum, ein aufgeweckter, zu Scherzen aufgelegter Kerl. In der deutschen Synchronfassung wurde der neue Hauptdarsteller Jay Hernandez passenderweise mit Dennis Schmidt-Foß besetzt, den viele Kinofans unter anderem als deutsche Stimme von Ryan Reynolds respektive Deadpool kennen. Ob diese assoziative Brücke vielleicht etwas bemüht ist, oder den Nagel auf den Kopf trifft, darf individuell entschieden werden.


Ein paar Änderungen gibt es aber selbstredend auch noch. Magnum repräsentiert nun die Hispanic-Bevölkerung, ohne dass es in den ersten Folgen explizit thematisiert wird, und was in der Originalserie noch Magnums Kumpel Higgins war, ist nun Ex-Geheimagentin Juliet Higgins, gespielt von «Die Tudors»-Minin Perdita Weeks. Was genutzt wurde, um erstens die Anzahl der Frauenrollen in der Serie zu vergrößern und zweitens eine der zentralen Figurenkonstellationen des Originals aufzurütteln, wird im Reboot zumindest in der ersten Handvoll an Episoden jedoch nicht all zu originell genutzt:

Juleit Higgins wird sehr dünn als "die heiße Blondine, die zudem austeilen kann" skizziert, weitere Charakterisierung erhält sie höchstens durch ihre Freude an schnellen Autos. Ihr Zusammenspiel mit Magnum ist konsequenterweise ein sehr vorhersehbares Dauernecken. Nicht, dass Magnum selber besser geschrieben sei: Zwar bringt Jay Hernandez eine markig-entspannte Art mit, dennoch verleiht das Drehbuch der Figur nur sehr wenig Profil – er scherzt viel und ist im Einsatz selbstbewusst, sonst ist er ein unbeschriebenes Blatt. Weg ist der Magnum, der sich nicht so ernst nimmt, neu ist ein Actionheld mit losem Mundwerk, an dem alles abprallt – was die Serie auch weder zu dekonstruieren weiß noch als Steilvorlage für weiteren Witz oder einen Schub Dramatik.

Die Auftaktfolge punktet mit soliden Stunts und einer Vielzahl an schmissig inszenierten Verfolgungsjagden, jedoch darf man diese Episode leider nicht als Maßstab nehmen. Inszeniert wurde sie von Justin Lin, dem Regisseur von immerhin vier «Fast & Furios»-Filmen, und er setzt dem «Magnum P.I.»-Piloten seinen Stempel auf. Die Lin-Schnellfeuerattacke an Rumdüserei, Schießerei und fesch, wenngleich nicht originell, choreografierten Nahkämpfen ist bloß eine Ausnahme, ohne Lin und das zusätzliche Budget einer Pilotfolge normalisiert sich «Magnum P.I.» in Sachen Action prompt auf normales Network-Actionniveau. Das reicht weder, um mit dem gewitzteren Original mitzuhalten, noch um in der Ära von PeakTV hervorzustechen.

VOX zeigt «Magnum P.I.» ab dem 17. April 2019 immer mittwochs ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen.

Kurz-URL: qmde.de/108655
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