Die Kino-Kritiker

«Trautmann» - Ein weichgespültes Sportlermärchen

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Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird aus dem deutschen Kriegsgefangenen Bert Trautmann ein Weltklassersportler, doch sein Weg zum Ruhm ist steinig.

Filmfacts: «Trautmann»

  • Start: 14. März 2019
  • Genre: Drama/Biopic/Sportfilm
  • Laufzeit: 122 Min.
  • FSK: 12
  • Kamera: Daniel Gottschalk
  • Musik: Gerd Baumann
  • Buch: Marcus H. Rosenmüller, Nicholas J. Schofield
  • Regie: Marcus H. Rosenmüller
  • Darsteller: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw, John Henshaw, Harry Melling
  • OT: Trautmann (DE/UK 2018)
Die Geschichte des zwischen 1923 und 2013 lebenden Fußballspielers Bernhard Carl „Bert“ Trautmann ist eine von diesen typischen Erfolgsgeschichten, die auch direkt aus der Hollywood’schen Traumfabrik stammen könnten. Nun ist dem ehemaligen Fallschirmjäger sein „Vom Tellerwäscher zum Millionär“- (oder eben „Vom Kriegsgefangenen zum gefeierten Superstar“-)Schicksal aber nun mal genau so passiert. Und dass es bislang zwar haufenweise Literatur, aber noch keinen einzigen Film über sein Leben gibt, liegt wohl auch ein bisschen daran, dass die Geschichte, Trautmanns Herkunft zum Trotz, vor allem in Großbritannien bekannt ist, wo der gebürtige Bremer viele Jahre für den Erfolgsverein Manchester City spielte. Nun hat sich Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller («Wer früher stirbt, ist länger tot») seiner Geschichte angenommen und als hochkarätig besetztes Biopic international und englischsprachig produziert.

Doch auch, wenn Rosenmüller natürlich nichts dafür kann, wie filmtauglich der Werdegang Trautmanns nun einmal war, bügelt der gebürtig aus Tegernsee stammende Filmemacher auch noch die letzten Ecken und Kanten aus, sodass am Ende vor allem Gefälligkeit übrig bleibt.

Die Geschichte eines Ausnahmeathleten


Bernd Trautmann (David Kross), 1923 in Bremen geboren, wird mit 17 Jahren in die Wehrmacht eingezogen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges gerät er in britische Kriegsgefangenschaft und wird in der Nähe von Manchester inhaftiert. Bei einem Fußballspiel unter deutschen Kriegsgefangen wird Jack Friar (John Henshaw), Coach des Provinzclubs St. Helens, auf Bernds Talent als Torwart aufmerksam und engagiert ihn für seinen Verein. Trautmann verliert sein Herz an Margaret (Freya Mavor), die hübsche Tochter seines Trainers. Als nach Kriegsende der Erfolgsverein Manchester City Bernd „Bert“ Trautmann als Torwart engagiert, muss er St. Helens schweren Herzens verlassen: Der Deutsche, der als „Feind“ zur Mannschaft Jack Friars kam, verlässt sie als Freund. Doch in Manchester löst die Verpflichtung des deutschen „Nazi-Torwarts“ eine große Welle der Entrüstung und des Protestes aus…

In die Hauptrolle des Bert Trautmann schlüpfte für Rosenmüller der deutsche Hollywoodexport David Kross («Simpel»). Der war selten besser als hier; mimt er den zerrissenen Sportler doch zunächst auf glaubhaft zurückhaltende, später umso aufopferungsvolle Persönlichkeit, die ihre Bestimmung im Fußball findet und dabei auf absolut authentische Weise zu sich selbst findet. Schaut man sich die wenigen Videoaufnahmen des echten Bert Trautmann an, erkennt man zweifelsohne Ähnlichkeiten. Kross hat sich die Bewegungen und Manierismen seines hier zu verkörpernden Vorbilds vollständig zu eigen gemacht. Gleichzeitig kann der Schauspieler aber nicht so aus den Vollen schöpfen, wie es hier möglich wäre. Schuld daran ist das Skript, das Rosenmüller gemeinsam mit Nicholas J. Schofield («Blutzbrüdaz») verfasste. Dass sich die beiden mit Ausnahme eines unbestätigten Kriegstraumas bei Bert Trautmann sehr genau an die überlieferten Fakten halten, erweist sich selbstverständlich als Pluspunkt. Doch die emotionale Fallhöhe bleibt niedrig, da sie die eigentlich so interessante Krux vom von der Öffentlichkeit als Nazi wahrgenommenen Fußballers weitestgehend aussparen.

Trautmann wird zwar als deutscher Kriegsgefangener der Briten etabliert und auch eine kurze Szene einer aus dem Ruder laufenden Pressekonferenz soll daran erinnern, dass Trautmann eine streitbare Persönlichkeit war. Doch gleichzeitig bezieht Rosenmüller von Beginn an viel zu klar Position: Bert Trautmann war ein Held – und Gegenwind daher nur eine Randbemerkung wert.

Die Ecken und Kanten fehlen


Zu einer solchen Randbemerkung wird im Mittelteil auch der sportliche Aspekt, denn Rosenmüller nimmt sich in seinem Torwartporträt viel Zeit für den Privatmensch Bert Trautmann, verliert dabei aber auch den Fokus fürs Wesentliche. Hinzu kommt, dass er die Lovestory zwischen Bert und seiner von einer umwerfenden Freya Mavor («Vom Ende einer Geschichte») verkörperten Frau Magaret vor der Kulisse allzu austauschbarer Allgemeinplätze inszeniert. David Kross und seine Schauspielpartnerin agieren zwar so stark, dass das Knistern zwischen ihren Figuren zu jedem Zeitpunkt echt aussieht, doch die gestelzten Dialoge verhindern, dass die Chemie zwischen den beiden auch auf den Zuschauer überspringt. Es ist fast so, als würde man hier einem Theaterstück zuschauen; ein Eindruck, der sich mit der Zeit auch anhand der technischen Aufmachung und Ausstattung von «Trautmann» manifestiert.

Während man sich bisweilen so vorkommt, als stammten gerade die Szenen abseits des Spielfeldes aus der Hand eines filterfanatischen Til Schweiger (immerhin der besonnene Schnitt macht einen nicht annähernd so hypernervösen Eindruck, wie zuletzt in seinen Filmen), besitzen die Fußballmomente Dynamik und Drive. Kameramann Daniel Gottschalk («Sweethearts») behält den Überblick und schafft es dabei, die Atmosphäre in der Fußballarena mitreißend zu inszenieren, sodass sich das Stadionfeeling zumindest im Finale mühelos auch auf den Zuschauer überträgt. Das gilt allerdings nicht für die Szenen in Trautmanns privatem Umfeld, denn hier wirken die Settings allesamt viel zu steril und sauber, die Schauspielerinnen und Schauspieler zu perfekt gekleidet und die Kulissen zu aufgeräumt, als dass man hier von „authentisch“ sprechen könnte. So ist es letztlich dann auch mit dem gesamten Film. «Trautmann» ist schon irgendwie chic anzusehen, aber es fehlen ihm die Ecken und Kanten, um länger im Gedächtnis zu bleiben. Kein Wunder, wenn man den spannendsten Part an der ganzen Geschichte lieber ausklammert.

Fazit


So leer gefegt von Schmutz und Staub die Settings, so bereinigt wirkt «Trautmann» erzählerisch im Hinblick auf die durchaus spannende Frage, ob man einem deutschen Kriegsgefangenen Ende des Zweiten Weltkrieges als Sportler zujubeln durfte. Herausgekommen ist ein durch und durch berechenbares Drama in gefälligen Farben aber mit immerhin starken Darstellern.

«Trautmann» ist ab dem 14. März in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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