Die Kritiker

Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau

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Der zweiteilige Fernsehfilm «Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau» beleuchtet das Leben der Aenne Burda, die sich in der Nachkriegszeit in einer männerdominierten Gesellschaft als Verlegerin durchsetzen konnte.

Film-Facts

Vor der Kamera:
Katharina Wackernagel als Aenne Burda,
Fritz Karl als Franz Burda,
Luise Wolfram als Edith Schmidt,
Jean Yves Berteloot als André Lambert,
Annika Olbrich als Lise Schneegass

Hinter der Kamera:
Regie: Franziska Meletzky
Produktion: Holger Heinßen/ Norbert Ranft/ Jörg Kuhlmann
Kamera: Bella Halben
Kostüm: Katharina Ost
Schnitt : Benjamin Hembus
Vor fünf oder mehr Jahren wäre der Film «Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau» noch anders inszeniert worden. Es ist kein Zufall, dass die patriarchale Rolle des Mannes permanent im Fokus des Films zu stehen scheint und immer wieder unterstrichen wird. Es wird gezeigt, dass Frauen für Auslandsreisen noch die Erlaubnis ihres Gatten brauchten und dass die Arbeitswelt in jeder Hinsicht vom männlichen Geschlecht dominiert wird. Frauen sind lediglich auf den Posten der Sekretärin limitiert und werden selbst in dieser Position nur als Affäre des Chefs benutzt. Das muss auch die titelgebende Aenne Burda am eigenen Leib erfahren.

Der Fernsehfilm verliert nach dem Einstieg keine Zeit und nach den ersten sechs Minuten hat man als Zuschauer bereits erfahren, dass Burdas Ehemann Franz sie mit seiner Sekretärin über Jahre hinweg betrogen und noch dazu eine zweite Familie mit dieser gegründet hat. Kurz darauf verbietet er seiner Frau auch noch ihre Idee eines eigenen Modemagazins umzusetzen, woraufhin sie rausfindet, dass er dieses Privileg seiner Geliebten zukommen ließ. Daraufhin setzt sie ihren Mann unter Druck – entweder die Scheidung oder sie übernimmt die Leitung des Modemagazins. Ihr Mann gibt bei dieser Drohung letztlich nach und fortan ist Aenne Burda die Leiterin des Verlags.

Dass es sich bei Aenne Burda um eine absolute Powerfrau handelt, dürfte nach diesem kurzen Handlungsabriss deutlich geworden sein. Trotz aller Schicksalsschläge lässt sie sich nicht entmutigen und kämpft weiter gegen das Patriarchat an, das sie klein halten will. Dass das über die vollen knapp neunzig Minuten auch glaubhaft bleibt, liegt an Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel. Man merkt ihr an, dass sie seit 1997 in Schauspielgeschäft tätig ist und sie vollbringt das Kunststück, eine so selbstbewusste Macherin wie Aenne Burda überzeugend zu verkörpern, ohne sie überzeichnet oder gar exzentrisch wirken zu lassen.

Den „TV-Look“ merkt man der «Wirtschaftswunderfrau» zwar an, doch die hochwertige Ausstattung und das Produktionsdesign können darüber gekonnt hinwegtrösten. Zudem kann Wackernagel manche spannungsarme Passagen durch ihr Spiel interessant gestalten und das Publikum zum Weiterschauen bringen.

Mit dem ersten Teil von «Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau» wurde der großen deutschen Verlegerin ein würdiges Denkmal gesetzt. Die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts wird in vielerlei Facetten gezeigt und thematisiert und Aenne Burda wird als Gegenpol zur patriarchalischen Gesellschaft inszeniert. Ihre Lebensgeschichte wirkt organisch und fühlt sich zu keinem Zeitpunkt an wie ein zwanghafter Versuch die populären Feminismusströmungen zufriedenstellen zu müssen. Gerade diese ungezwungene und zuweilen fast schon lockere Inszenierung ist es, was «Die Wirtschaftswunderfrau» so angenehm für die Zuschauer macht.

FAZIT
Trotz der historischen Erzählung ist der erste Teil des Fernsehfilms ein Werk der Moderne, da er den aktuellen feministischen Zeitgeist aufgreift. Das soll jedoch nicht im Ansatz abschreckend klingen, ganz im Gegenteil sogar. «Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau» ist unterhaltsam, stark gespielt und beleuchtet das Leben dieser wichtigen Persönlichkeit auf angemessene Art und Weise. Zudem hält das Finale des ersten Teils die Geschichte spannend.

Das Erste zeigt «Aenne Burda» am Mittwoch, 5. Dezember um 20.15 Uhr. Eine Woche später folgt ein zweiter Teil.

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