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«Sex and the City»: Miranda for Governor!

von   |  2 Kommentare

Zwanzig Jahre nach dem Start von «Sex and the City» will eine der Darstellerinnen Gourverneurin von New York werden. Das ist nur folgerichtig: Denn auch «Sex and the City» war hochpolitisch!

Der Umstand, dass Cynthia Nixon gerade für das Gouverneursamt von New York kandidiert, ist in vielerlei Hinsicht interessant und folgerichtig. Aus New York stammt auch der derzeitige US-Präsident, ein vulgärer Mann mit brachialer Protzerei und eiserner Prinzipienlosigkeit, der im Konservatismus seiner Partei allein ein Mittel zur Erfüllung seiner unbändigen Geltungssucht zu sehen scheint, nachdem er in seiner jahrzehntelangen öffentlichen Laufbahn seine politischen Ansichten so häufig gewechselt hat wie Carrie Bradshaw ihre Manolo Blahniks.

Cynthia Nixon kommt aus derselben Stadt, ist aber eine ganz andere Persönlichkeit: Eisern progressiv kandidiert sie für die Legalisierung von Marihuana, für Minderheitenrechte, für die Abschaffung der Abschiebebehörde, für den Erhalt, wenn nicht gar den Ausbau des Rechts auf Abtreibung. Ihre mitreißenden Reden gestaltet sie mit einem für Mitte-links-Politiker fast unüblich gewordenen Idealismus, während ihr wertezentrierter Wahlkampf Vergleiche mit den linken Ikonen Bernie Sanders und Elizabeth Warren aus Neuengland eingebracht haben.

Man kann Cynthia Nixons politische Ambitionen durchaus als eine Fortsetzung der immer dezidiert liberalen, wenn nicht ebenso politischen Haltung der Serie lesen, die sie vor zwanzig Jahren berühmt gemacht hat: «Sex and the City» um vier beruflich, wenn auch nicht immer finanziell erfolgreiche New Yorkerinnen, die in der Weltstadt der unbegrenzten Möglichkeiten ihre Sexualität frei auslebten.

Wahrscheinlich fällt heute noch mehr als damals bei der Premiere vor zwei Jahrzehnten auf, wie politisch die Serie gewesen ist: Als sexpositives Stück über vier Frauen, die sich selbstbewusst an einem zuvor von Männern dominiertem Duktus bedienten, um weitschweifig und prägnant ihre sexuellen Haltungen, Wünsche und Vorgänge zu beschreiben, leistete es durchaus einen nennenswerten Beitrag zur nun auch sexuellen Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft.

„Frauen reden nicht so“, hieß es zuvor und auch während der Laufzeit der Serie, ein Satz, der weniger eine Feststellung, sondern der tiefsitzende Wunsch einer konservativ-reaktionären Strömung war, für die eine auch sprachlich enthemmte weibliche Sexualität einen kaum auszumalenden Graus bedeutete. «Sex and the City» stellte den Gegenbeweis an und bediente sich dabei mitunter eines Rebrandings, wie es für den vor allem in den USA einflussreichen third-wave feminism typisch war. Wo Feministinnen zuvor bereits weitgehend erfolgreiche Versuche unternommen hatten, als Frauen die Kontrolle über abwertende Bezeichnungen wie bitch, whore und cunt zu erlangen und sie in ihrem Sinne neu zu besetzen, sie als Waffe zu gebrauchen statt auf sie als Erniedrigung abzielen zu lassen, verfolgte «Sex and the City» hinsichtlich der Beschreibung weiblicher Sexualität und weiblicher sexueller Wünsche ähnliche Zielsetzungen. Carrie Bradshaw, Samantha Jones, Charlotte York und Miranda Hobbes begegneten den normativ beengenden überkommen-puritanischen Vorstellungen weiblicher sexueller Zurückhaltung mit der Abrissbirne.

Sieht man sich nun, nachdem seit ihrer Erstausstrahlung zwei Jahrzehnte vergangen sind, noch einmal die ersten Folgen der Serie an, wirken sie gerade hinsichtlich des damaligen Tabubruchs einer sexuell befreiten weiblichen Sprache seltsam unspektakulär – ein Umstand, den man gerne als Beweis dafür anführen darf, wie stark sich in den letzten zwanzig Jahren das Spektrum dessen, was in dieser Hinsicht als normal und gesellschaftlich akzeptabel gilt, verschoben hat. Darin steckt freilich eine politische Komponente, genauer: eine liberal-progressive. Dass am Schluss Miranda Hobbes in Albany als Gouverneurin vereidigt wird, wäre da nur eine folgerichtige Entwicklung.

Sixx zeigt alle sechs Staffeln von «Sex and the City» ab Montag, den 23. Juli täglich gegen 15.30 Uhr, jeweils in Dreifachfolgen.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
22.07.2018 19:07 Uhr 1
Tja, da bin ich echt mal gepannt, wie weit Frau Nixon kommen wird bei den nächsten Wahlen...
Vittel
22.07.2018 20:15 Uhr 2
20 Jahre ist das her???

Oh verdammt, jetzt bin ich alt :)

Ich drücke ihr auf jeden Fall die Daumen!

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